Wasserlassen, Sitzen

Wasserlassen im Sitzen: Studie mit 52 Männern findet keinen Harnfluss-Vorteil

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei gesunden Männern beeinflusst die Haltung den Harnfluss kaum; bei Beschwerden kann Sitzen mit einer besseren Blasenentleerung verbunden sein.
Ein minimalistisch gestalteter, heller Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich eingehend mit der Handhabung urologischer Hilfsmittel zur Kontinenzsicherung sowie mit den physiologischen Auswirkungen der Körperhaltung beim Wasserlassen. Die Ergebnisse klinischer Studien und Erhebungen liefern differenzierte Einblicke in die funktionelle Nachsorge nach operativen Eingriffen und hinterfragen geläufige Annahmen über das Urinieren im Sitzen oder Stehen.

Handhabung künstlicher Sphinkter-Pumpen nach Implantation

Ein wesentlicher Aspekt der urologischen Rehabilitation betrifft Patienten mit künstlichem Harnröhrensphinkter. Eine Auswertung an 97 Männern zeigte, dass 69,1 % der Probanden Erstimplantierte waren. Die Pumpe des künstlichen Schließmuskels war dabei in 89,7 % der Fälle normal positioniert. Lediglich bei einem Patienten erwies sich eine Repositionierung als notwendig.

Hinsichtlich der praktischen Nutzung dokumentierten die Untersucher bei 78 Patienten, was einem Anteil von 80,4 % entspricht, eine zufriedenstellende Handhabung der Pumpe.

In den statistischen Berechnungen erwies sich univariat keine Variable als signifikant (p<0,05). Es zeigte sich lediglich eine nichtsignifikante Tendenz bezüglich eines höheren Alters sowie einer vorangegangenen Sphinkter-Historie.

Die anatomische Pumpenposition stand in keinem Zusammenhang mit dem Erfolg der Bedienung. Auch in der multivariaten Analyse fand sich kein signifikanter Prädiktor für die Qualität der Pumpenhandhabung.

Körperhaltung und Harnfluss bei gesunden Männern

Parallel zur apparativen Versorgung widmet sich die Forschung den biomechanischen Bedingungen der Blasenentleerung. Eine in der Fachzeitschrift Neurourology and Urodynamics veröffentlichte randomisierte Crossover-Studie der Colombian Urology Research Group untersuchte 52 gesunde Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren.

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Die Teilnehmer urinierten in randomisierter Reihenfolge sowohl im Sitzen als auch im Stehen, wobei zwischen den einzelnen Durchgängen eine Pause von mindestens 24 Stunden lag.

Die Messungen ergaben, dass sich die maximale Harnflussrate und das insgesamt entleerte Volumen zwischen beiden Haltungen nicht signifikant unterschieden. Demnach modifiziere die Körperhaltung beim Wasserlassen diese Parameter bei gesunden Männern nicht wesentlich.

Zwar dauerte es in aufrechter Haltung geringfügig länger bis zum Erreichen der maximalen Flussrate, was jedoch teilweise auf einen statistischen Ausreißer zurückzuführen war und nach Einschätzung der Forscher klinisch kaum ins Gewicht fällt.

Differenzierte Befunde bei Vorerkrankungen und Präferenzen

Die Auswirkungen der Haltung hängen jedoch stark vom individuellen Gesundheitszustand ab. Bereits eine im Jahr 2014 über PubMed veröffentlichte Metaanalyse der Universität Leiden, die elf Studien zusammenfasste, wies auf Unterschiede hin: Bei Männern mit Symptomen des unteren Harntrakts oder einer vergrößerten Prostata war das Sitzen mit einer vollständigeren Entleerung der Blase, einem verbesserten Harnfluss sowie geringerem Restharn assoziiert.

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Bei beschwerdefreien Männern zeigte sich hingegen kein Unterschied. Die Autoren der Metaanalyse verwiesen zugleich auf methodische Einschränkungen durch eine geringe Anzahl heterogener Studien und stellten klar, dass das Urinieren im Sitzen eine benigne Prostatahyperplasie (HBP) nicht heilen könne.

Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 unter fast 200 Männern bestätigte, dass eine Präferenz für das Sitzen häufiger bei Personen auftrat, die Harnwegssymptome angaben, ohne dass daraus eine Kausalität abgeleitet werden konnte.

Kulturell zeigen sich zudem erhebliche Unterschiede im Alltag: Eine internationale Umfrage aus dem Jahr 2023 unter mehr als 7.000 Männern ergab, dass in den USA rund 10 % beim Wasserlassen sitzen, während der Anteil in Deutschland bei rund 40 % liegt.

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