Vollkorn, Herzschutz

Vollkorn und Herzschutz: 87 Studien zeigen sinkende Blutdruck- und Cholesterinwerte

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von 87 Studien verbindet Vollkorn mit besseren Risikowerten; beim Diabetesrisiko könnte die DNA-Methylierung den Ernährungseffekt beeinflussen.

Vollkorn und Diabetes: Studien zeigen Herz-Kreislauf-Vorteile
Eine Nahaufnahme von verschiedenen rohen Vollkorngetreidesorten auf einem dunklen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Bedeutung der täglichen Ernährung für die Prävention chronischer Krankheiten rückt zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen analysieren dabei insbesondere, wie der Konsum von Vollkornprodukten den Schutz des Herz-Kreislauf-Systems fördert und welche Rolle das Epigenom beim Nutzen einer gesunden Ernährungsweise im Kontext von Diabetes spielen könnte.

Umfassende Analyse belegt kardiovaskuläre Vorteile

In einem systematischen Review, das Mitte September 2026 im European Heart Journal thematisiert wurde, werteten Forscher der Tabriz University of Medical Sciences aus dem Iran und des Imperial College London insgesamt 87 klinische Studien aus. An den Untersuchungen nahmen über 6.500 Probanden aus verschiedenen Regionen wie Asien, Europa, den USA, Kanada, Australien und Brasilien teil. Die durchschnittliche Studiendauer betrug acht Wochen.

Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit verdeutlichen, dass ein höherer Vollkornkonsum mit einer signifikanten Verringerung verschiedener Gesundheitsindikatoren verbunden ist. Demnach konnten Reduktionen beim Körpergewicht, dem Taillenumfang und dem Blutdruck beobachtet werden.

Zudem zeigten sich niedrigere Werte beim Gesamtcholesterin, dem LDL-Cholesterin, den Triglyzeriden sowie der Glukose. Auch der Entzündungsmarker Interleukin-6 sank durch die Zufuhr von Vollkornprodukten.

Die Studienleiterin Helda Tutunchi wies darauf hin, dass die Veränderungen der einzelnen Risikofaktoren zwar moderat ausfielen, die gleichzeitige Verbesserung mehrerer Faktoren das kardiovaskuläre Risiko langfristig jedoch deutlicher senken könnte.

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Die Studienleiterin Helda Tutunchi wies darauf hin, dass die Veränderungen der einzelnen Risikofaktoren zwar moderat ausfielen, die gleichzeitige Verbesserung mehrerer Faktoren das kardiovaskuläre Risiko langfristig jedoch deutlicher senken könnte.

Empfohlene Verzehrmengen und globale Ernährungsgewohnheiten

Den Erkenntnissen der iranischen und britischen Forschungsteams zufolge treten erste gesundheitliche Vorteile bereits ab einer täglichen Menge von 30 bis 40 Gramm Vollkorngetreide (Trockengewicht) ein. Die stärksten Effekte wurden bei einer Zufuhr von 60 bis 100 Gramm pro Tag beobachtet, was etwa vier bis sechs Portionen entspricht.

Trotz dieser nachgewiesenen Effekte bleibt der tatsächliche Konsum in vielen Ländern hinter den Empfehlungen zurück. Daten aus den Vereinigten Staaten zeigen, dass weniger als 2 Prozent der Bevölkerung die von der American Heart Association empfohlenen drei oder mehr Portionen pro Tag erreichen.

Ein Bericht der CDC verdeutlicht die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen: Zwischen 1990 und 2017 wurden über 4,8 Millionen Todesfälle aufgrund kardiometabolischer Erkrankungen in der US-Erwerbsbevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren registriert.

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Auch in Europa zeigt sich ein ähnliches Bild. Eine italienische Studie aus dem Jahr 2019 stellte fest, dass nur jede vierte Person regelmäßig Vollkornprodukte konsumiert. Bereits im Jahr 2019 veröffentlichte The Lancet eine Auswertung von über 200 Studien, die Vollkorn und Ballaststoffe mit einem deutlich niedrigeren Risiko für Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs in Verbindung brachte.

Epigenetische Einflüsse auf das Diabetesrisiko

Neben den allgemeinen kardiovaskulären Effekten untersuchen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) die individuellen Reaktionen auf gesunde Ernährung.

In einer im September 2026 im Fachjournal Cardiovascular Diabetology veröffentlichten Studie wurde dargelegt, dass die rein genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes den Zusammenhang zwischen Ernährungsqualität und Krankheitsrisiko nicht beeinflusst.

Stattdessen könnten epigenetische Merkmale, konkret die DNA-Methylierung (gemessen als Methylation Risk Score, MRS), den Schutzeffekt modulieren. Die Datenbasis bildete die EPIC-Potsdam-Studie, die seit den 1990er-Jahren über 27.000 Teilnehmende begleitet. Für die aktuelle Untersuchung wurden genetische Daten von 2.204 Personen sowie die DNA-Methylierungsmuster von 1.065 Teilnehmenden analysiert.

Die Auswertung ergab, dass eine gesunde Ernährung – charakterisiert durch reichlich Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und pflanzliche Fette bei gleichzeitig geringem Verzehr von rotem Fleisch und zuckerhaltigen Getränken – vor allem bei Personen mit einem geringeren MRS-Wert mit einem reduzierten Diabetesrisiko assoziiert war.

Bei Probanden mit höheren MRS-Werten konnte hingegen kein signifikanter Nutzen durch die Ernährungsumstellung festgestellt werden. Forscherinnen des Danish Cancer Institute betonten in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit weiterer Studien, um insbesondere die Unterschiede zwischen minimal verarbeitetem und ultra-verarbeitetem Vollkorn genauer zu differenzieren.

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