Volkshochschulen, Krise

Volkshochschulen in Krise: Leine-VHS stellt Insolvenzantrag

20.06.2026 - 20:21:46 | boerse-global.de

Volkshochschulen kämpfen mit Finanzierungsproblemen, während digitale Angebote und neue Lernorte die Zukunft der Erwachsenenbildung prägen.

VHS-Krise: Insolvenz und Digitalisierung prägen die Bildungslandschaft
Volkshochschulen - Eine vielfältige Gruppe von Erwachsenen und Studenten diskutiert lebhaft in einem modernen Klassenzimmer, das soziales und politisches Lernen symbolisiert. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Doch während sie ihren gesellschaftlichen Auftrag ernst nehmen, kämpfen viele Einrichtungen mit wirtschaftlichen und bürokratischen Hürden.

Demokratiebildung vor Ort

In Olching und Nürtingen setzen die VHS verstärkt auf Programme, die Geschichte, Politik und Recht verknüpfen. Ziel: Räume für soziale Begegnungen und politisches Lernen schaffen. Ein ähnlicher Ansatz zeigt sich im Projekt „110 Stimmen“ in Oldenburg. Im Juni 2026 debattierten dort über 600 Schüler mit Vertretern von Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik – über Extremismus und Falschinformationen.

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Wissenschaftler stützen diesen Fokus. In einem Aufsatz vom 18. Juni 2026 betonte Forscher Martin Lätzel die Notwendigkeit einer engen Partnerschaft zwischen Verwaltung und non-formaler Bildung. Er bezog sich dabei auf die Resonanztheorie von Hartmut Rosa und die pädagogischen Ansätze von Grundtvig. In Hanau startete Mitte Juni ein langfristiges Projekt zur Förderung von Kinderrechten und Demokratie an Grundschulen. Es läuft bis Frühjahr 2029.

Wenn das Geld fehlt

Doch nicht alle Standorte können diesen Kurs halten. Ein drastisches Beispiel: die Leine-Volkshochschule in Laatzen. Am 19. Juni musste sie einen Insolvenzantrag stellen. Der Stadtrat hatte keine weiteren Mittel bewilligt – nachdem die VHS einen Umsatzrückgang von 40 Prozent bei den Integrationskursen verzeichnete. Grund sind bundespolitische Weichenstellungen. Die Folge: Kurse ohne Voranmeldung wurden gestrichen, der Prüfungsbetrieb läuft vorerst weiter.

Das Problem ist kein Einzelfall. Experten warnen vor zunehmender Bürokratisierung im Bildungswesen. Die Verwaltungslast behindere die eigentliche Bildungsarbeit. Die Forderung: effizientere Strukturen und eine verlässliche öffentliche Finanzierung.

Digital und hybrid in die Zukunft

Viele Volkshochschulen investieren deshalb in digitale und hybride Formate. Die VHS Straubing bietet im Juni 2026 über 200 Online-Kurse an – von Finanzbildung bis zur Zukunft der industriellen Produktion. Auch im Weimarer Land setzt die Kreisvolkshochschule ab Ende Oktober verstärkt auf digitale Angebote, etwa zu Künstlicher Intelligenz und Veränderungsmanagement.

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Gleichzeitig boomen spezialisierte Präsenzformate. Im Wartburgkreis können Interessierte ab September das Entziffern historischer Handschriften wie Sütterlin lernen – für die Erforschung der Familiengeschichte. Die VHS Bergisch Land bietet im August einen dreitägigen Bildungsurlaub an, der den ökologischen und historischen Wandel regionaler Industrieflüsse thematisiert.

Der „Dritte Ort“ als Modell

Ein zukunftsweisender Trend: die umgestaltung von Bildungseinrichtungen zu sogenannten „Dritten Orten“ – offenen Begegnungszentren abseits von Wohnung und Arbeitsplatz. Im Juni wurde bekannt, dass die Universitätsbibliothek Vechta mit Fördergeldern zu einem solchen Zentrum umgebaut wird. Ziel ist eine engere Verknüpfung von Campus und Region.

Akteure wie Rabbiner Netanel Olhoeft fordern in Oldenburg zudem offene Lernräume und eine stärkere digitale Bürgerbeteiligung. Die Idee: politische Teilhabe erhöhen und sozialen Zusammenhalt durch niedrigschwellige Bildungsangebote sichern. Auch großangelegte Aktionswochen, wie sie im Juni in Niederösterreich evaluiert wurden, zeigen das Bestreben, demokratische Prozesse bereits im Kindesalter verständlich zu machen.

de | wissenschaft | 69592600 |