Vitaminüberdosierung: BfR warnt vor Leber- und Nierenschäden
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die langfristige Aufrechterhaltung der körperlichen Gesundheit rückt verstärkt in den Fokus von Gesundheitsbehörden und wissenschaftlichen Publikationen. Neue Leitfäden zur essenziellen Vitaminversorgung, die im Sommer 2026 veröffentlicht wurden, unterstreichen die Bedeutung einer präzisen Nährstoffzufuhr. Dabei zeigt sich ein deutlicher Trend: Während die gezielte Supplementierung bei Mangelerscheinungen sinnvoll bleibt, warnen Fachinstitutionen verstärkt vor den gesundheitlichen Folgen einer unkontrollierten Überdosierung.
Risiken durch Überdosierung fettlöslicher Vitamine
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist explizit auf die Gefahren hin, die von einer zu hohen Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K ausgehen können. Für Vitamin A wird eine sichere Tagesdosis von 3 mg angegeben; eine dauerhafte Überschreitung kann die Leber schädigen. Besonders kritisch wird die Versorgung mit Vitamin D betrachtet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat hierfür eine Obergrenze von 4000 IE pro Tag festgelegt.
Wie wichtig die Einhaltung dieser Grenzen ist, verdeutlicht ein Vorfall aus dem Juli 2026. Berichten zufolge erlitt ein Säugling eine lebensbedrohliche Vitamin-D-Intoxikation, nachdem ein Nahrungsergänzungsmittel fehlerhaft täglich statt als Depot verabreicht wurde. Die Folgen waren Hypercalcämie, Nephrokalzinose und Niereninsuffizienz. Experten raten für Säuglinge generell zu einer Dosis von 400 bis 500 IE pro Tag. Auch bei wasserlöslichen Vitaminen ist Vorsicht geboten: Ein dokumentierter Fall aus dem Jahr 2023 zeigt, dass eine tägliche Zufuhr von 240 mg Vitamin B6 – die 260-fache der empfohlenen Höchstmenge – zu Nervenschäden führen kann.
Anforderungen an die Supplementierung von Vitamin B12 und Jod
Bei der Supplementierung von Vitamin B12 empfiehlt das BfR für Nahrungsergänzungsmittel eine maximale Tagesdosis von 25 µg. Eine Untersuchung von 29 Präparaten durch Öko-Test ergab, dass lediglich vier Arzneimittel geeignet sind, einen klinischen Mangel effektiv zu beheben. Als sehr gut bewertet wurden unter anderem die B12-Asmedic Tropfen (50 µg), Vitafit Brausetabletten (25 µg) sowie Vitalis Ampullen (17,5 µg). Die Vitamin B12-Loges Kapseln (1000 µg) erhielten ebenfalls eine sehr gute Bewertung, sind jedoch nicht mehr erhältlich.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Gesundheitsstrategien ist die Jodversorgung. Ein neuer Aktionsplan für den Zeitraum von 2026 bis 2030 fordert eine differenzierte Herangehensweise. Während für gesunde Erwachsene eine Zufuhr von 120 µg pro Tag empfohlen wird, liegt der Bedarf bei Schwangeren mit 250 µg deutlich höher.
Das BfR warnt: Zu viel Vitamin A, D oder B6 kann Leber und Nieren schädigen. Wer Supplemente einnimmt, sollte die sicheren Höchstmengen kennen. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen, welche Dosierungen empfehlenswert sind und wie Sie geprüfte Präparate erkennen. Jetzt kostenlosen Vitamin-Guide sichern
Neue Erkenntnisse zu Proteinaufnahme und Herz-Kreislauf-Prävention
Wissenschaftliche Untersuchungen der University of Wisconsin-Madison deuten darauf hin, dass eine reduzierte Proteinaufnahme Alterungsprozesse verlangsamen kann, insbesondere wenn eine geringe körperliche Aktivität vorliegt. Ein Überschuss könne in diesen Fällen schaden. Für Personen ab 60 Jahren wird hingegen eine höhere Zufuhr empfohlen. Ein Ernährungsmediziner rät hierbei zur Bevorzugung pflanzlicher Proteinquellen und nennt eine Obergrenze von 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
Im Bereich der Herz-Kreislauf-Prävention lieferte eine groß angelegte JACC-Studie mit 260.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von 20 Jahren neue Daten. Demnach sind der Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis präzisere Indikatoren für das Gesundheitsrisiko als der Body-Mass-Index (BMI). Kritische Werte liegen für Frauen bei über 88 cm und für Männer bei über 102 cm. Zudem gewinnt die Bestimmung von Lipoprotein(a) an Bedeutung. Da dieser Wert genetisch bedingt ist, reicht ein Test im Leben aus, um das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle einzuschätzen. Ein hohes Risiko besteht ab 50 mg/dl oder 105 nmol/l.
Praktische Empfehlungen für den Alltag
Sie nehmen Vitamin D oder B12 ein? Dann sollten Sie wissen: Auch bei Vitaminen gilt – mehr ist nicht besser. Die EFSA empfiehlt maximal 4000 IE Vitamin D pro Tag, das BfR nur 25 µg B12. Unser Ratgeber hilft Ihnen, die richtige Dosis für Ihre Bedürfnisse zu finden. Ratgeber für sichere Vitamin-Dosierung anfordern
Zur Unterstützung der Gefäßgesundheit weisen Fachleute auf die Bedeutung von Vitamin C, K2 und B-Vitaminen hin. Vitamin K2 könne laut Studien das Risiko für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle signifikant senken, während Vitamin C die Venenwände stärkt. Da fettlösliche Vitamine am besten in Verbindung mit Fett aufgenommen werden, empfiehlt es sich, diese mit der größten Mahlzeit des Tages einzunehmen.
Trotz der seit April 2022 um 22 % gestiegenen Lebensmittelpreise in Deutschland stehen preiswerte Nährstoffquellen zur Verfügung. Hierzu zählen Tiefkühlobst für Vitamin C, Vollkornbrot für Ballaststoffe sowie Sardinen, die pro 100 g über 2000 mg Omega-3-Fettsäuren liefern. Auch das Fisch-Informationszentrum rät zu mehr Vielfalt beim Konsum, wobei Fettfische wie Hering und Makrele als wichtige Omega-3-Lieferanten dienen, während Magerfische wie Kabeljau hochwertiges Protein bereitstellen.
