Vitamin K2: Verkalkung der Gefäße um ein Viertel verlangsamt
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Deutschland ereignen sich jährlich fast 500.000 Schlaganfälle und Herzinfarkte, wobei Arteriosklerose als häufigste Ursache identifiziert wird. Während Calcium-Ablagerungen in den Gefäßen oft bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnen, ist im Alter von 70 Jahren bereits jeder Zweite davon betroffen.
Angesichts dieser Prävalenz untersuchen aktuelle wissenschaftliche Publikationen die Rolle von Vitaminen und Mineralstoffen bei der Vorbeugung von Gefäßverkalkungen.
Vitamin K2 und Vitamin D in der Prävention
Eine zweijährige Studie mit rund 180 Teilnehmern untersuchte die Wirkung von Vitamin K2 in der Form MK-7. Die Ergebnisse zeigen, dass die Supplementierung die Verkalkung der Gefäße im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe um ein Viertel verlangsamen konnte.
Prof. Schurgers wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass es sich hierbei rein um eine präventive Maßnahme handle und eine Rückbildung bestehender Verkalkungen nicht beobachtet wurde. Fachleute wie Prof. de Leeuw schätzen die allgemeine Evidenz für den Nutzen von Supplementen zudem als bescheiden ein.
Hinsichtlich der Versorgung mit Vitamin D veröffentlichte das Trinity College Dublin im Jahr 2024 eine Analyse von Daten einer halben Million Teilnehmern aus dem Vereinigten Königreich. Die Studie identifizierte die UVB-Strahlung als entscheidenden Prädiktor für den Vitamin-D-Status.
Die Reaktion des Körpers auf UVB-Licht wird dabei von Faktoren wie Alter, Geschlecht, BMI und Cholesterinspiegel beeinflusst. Insbesondere bei steigendem BMI und höherem Alter nimmt die körpereigene Produktion von Vitamin D ab. Die Studienleiterin Lina Zgaga plädierte aufgrund dieser Erkenntnisse für personalisierte Supplementierungsempfehlungen anstelle von Pauschalwerten.
Einfluss von Ernährungsmustern und Lebensstil
Die Bedeutung der Ernährung für die Gefäßgesundheit wird durch eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) unterstrichen.
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Die Analyse von Daten von rund 7.500 Teilnehmern zeigte, dass verschiedene gesunde Ernährungsmuster, darunter die mediterrane und die DASH-Diät, mit einem langsameren biologischen Altern korrelieren. Dabei scheinen über 70 Prozent der betroffenen biologischen Signalwege allen untersuchten Ernährungsformen gemeinsam zu sein. Speziell bei der DASH-Diät wurden einzigartige herzbezogene Signalwege identifiziert.
Im Bereich der Mikronährstoffe wird zudem die Zwiebel aufgrund ihres Quercetingehalts als herzfreundlich eingestuft. Laut der Kardiologin Magdalena Perelló deuten Meta-Analysen darauf hin, dass Quercetin den Blutdruck moderat senken kann, wobei Effekte von bis zu 6 mmHg beim systolischen Wert beobachtet wurden. Auch Verbesserungen bei den Cholesterinwerten wurden in Auswertungen mehrerer randomisierter Studien festgestellt.
Hinsichtlich des Salzkonsums lieferte die DECIDE-Salt-Studie aus China Erkenntnisse: Der Einsatz von Salzersatz bei über 600 Bewohnern von Pflegeeinrichtungen senkte die Inzidenz von Bluthochdruck nach zwei Jahren um 40 Prozent im Vergleich zur Verwendung von herkömmlichem Salz.
Kritische Einordnung von Genussmitteln und Supplementen
Die gesundheitliche Bewertung von Alkohol wurde in den letzten Jahren angepasst. Ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aus dem vergangenen Jahr stuft bereits geringe Mengen wie ein kleines Glas Wein oder eine Flasche Bier als moderates Risiko ein.
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Eine Übersichtsarbeit von 2023 belegt zudem, dass bereits 12 Gramm Alkohol täglich den Blutdruck erhöhen können. In einer dänischen Studie mit über 104.400 Teilnehmern wiesen Personen mit hohem Konsum signifikant höhere Blutdruckwerte auf als jene mit minimalem Konsum.
Zwar wurde in einer älteren Untersuchung aus dem Jahr 2009 auf das Potenzial von B-Vitaminen in Bier (insbesondere Hefe-Weissbier) zur Senkung des Homocysteinspiegels hingewiesen, jedoch steht dies im Kontext der allgemeinen Risiken des Alkoholkonsums. Alkoholfreie Versionen weisen zudem deutlich höhere Konzentrationen an Folsäure und Vitamin B12 auf.
Klinische Interventionen und diagnostische Perspektiven
In der klinischen Praxis wird auch der Einsatz von Eiseninfusionen vor Operationen debattiert. Eine Studie im Fachmagazin The BMJ mit 955 Erwachsenen zeigte, dass eine hochdosierte Eisengabe vor herzchirurgischen Eingriffen zwar Bluttransfusionen einsparen kann, jedoch keinen Einfluss auf die Dauer des Krankenhausaufenthalts hatte und häufiger zu niedrigen Phosphatspiegeln führte.
Bei der medikamentösen Therapie mit Statinen im hohen Alter ergab eine französische Studie (2016-2020) bei über 1.100 Teilnehmern ab 75 Jahren keinen signifikanten Nachteil durch das Absetzen der Therapie hinsichtlich der Sterblichkeit oder schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse nach 36 Monaten. Die Deutsche Herzstiftung rät bei bestehender koronarer Herzkrankheit dennoch zur Fortführung der Therapie auch jenseits der 75 Jahre.
Zukünftig könnten auch diagnostische Verfahren zur Risikobewertung beitragen. Auf dem ESC-Kongress 2026 wurde dargelegt, dass eine KI-gestützte Auswertung von Mammografien zur Erkennung kardiovaskulärer Risiken beitragen kann. Eine israelische Studie mit knapp 30.000 Frauen zeigte hohe Genauigkeiten bei der Identifizierung von Hypertonie und Schlaganfallrisiken durch die Analyse von Gefäßverkalkungen in den Aufnahmen.
