Vitamin, Infekte

Vitamin D und Infekte: 46 Studien finden keinen signifikanten Schutz

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein niedriger Vitamin-D-Wert wird mit Beschwerden in Verbindung gebracht, doch Studien belegen keinen Schutz vor Atemwegsinfekten.
Sonnenlicht fällt durch ein dichtes Blätterdach in einen Wald und symbolisiert die Bedeutung von Licht für das Wohlbefinden. Illustration mit AI erstellt.

Ein unzureichender Vitamin-D-Spiegel steht vermehrt im Fokus medizinischer Fachleute. Dr. Amjad El-Haddad, Allergie- und Immunologie-Berater am Serum- und Impfstoffinstitut, thematisierte den engen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Vitamin D, einer erhöhten Infektanfälligkeit sowie depressiven Verstimmungen.

Zu den typischen Symptomen zählen laut dem Experten anhaltende Müdigkeit, Erschöpfungszustände, unklare Knochen- und Muskelschmerzen sowie wiederkehrende Virusinfektionen und Erkältungen.

Neurobiologische Zusammenhänge und mentale Gesundheit

Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel eng mit Stress und Depressionen verknüpft ist, wenngleich er nicht die alleinige Ursache darstellt.

Dermatologin Dr. Ayda Kart A?kar vom Medicana Bursa Hastanesi verwies ebenfalls darauf, dass ein Mangel mit Stimmungsschwankungen, Angstzuständen, Depressionen sowie einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko einhergeht. Zudem können im Winter bei sinkenden Werten Beschwerden wie Schuppenflechte, Ekzeme und Haarausfall zunehmen.

Fachbeiträge unterstreichen, dass Vitamin-D-Rezeptoren im Hippocampus sowie im präfrontalen Cortex lokalisiert sind und somit Bereiche betreffen, die Kognition und Emotionsregulation steuern.

Zudem beeinflusst der Mikronährstoff die Synthese von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin. Ein Defizit wird folglich mit der saisonalen affektiven Störung, Angst und Stress sowie einem gesteigerten Demenzrisiko im Alter assoziiert.

Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2026 legen nahe, dass eine gezielte Supplementierung bei diagnostiziertem Mild Cognitive Impairment das Fortschreiten des kognitiven Abbaus verlangsamen kann, wenngleich dies weder eine Heilung noch einen vollständigen Schutz bietet.

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Professor Tine Jess von der Universität Aalborg hob hervor, dass Vitamin D zwar bei Winterdepressionen relevant sein könnte, jedoch nicht als alleinige Behandlungsform belegt ist. Jess untersucht überdies, inwieweit ein Mangel das Mikrobiom im Darm verändert und dadurch die Abwehr beeinträchtigt.

Widersprüchliche Datenlage bei Atemwegsinfekten

Bezüglich der körperlichen Immunabwehr differenziert die Forschung zwischen statistischen Beobachtungen und konkreten Behandlungseffekten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist auf einen Umbrella Review über 73 Studien: Je geringer der Vitamin-D-Status ausfalle, desto höher liege das Risiko für akute Atemwegsinfektionen. Eine gesicherte Schutzwirkung existiert jedoch nicht.

Eine aktualisierte Meta-Analyse über 46 randomisierte kontrollierte Studien mit 64.086 Teilnehmenden zeigte keinen statistisch signifikanten Schutz vor Atemwegsinfektionen durch Vitamin D. Eine weitere Meta-Analyse von 18 Studien mit 3648 Probanden ergab ebenfalls keinen signifikanten Nutzen für eine therapeutische Gabe bei akuten Infekten.

Der Zellbiologe Stephan Barth unterstrich, dass es bei bereits ausreichend versorgten Personen keinen Nachweis für eine gesteigerte Immunabwehr durch zusätzliche Mikronährstoffe gibt.

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Richtige Diagnostik und Risiken von Überdosierungen

Natürliche Quellen wie Fisch, Fleisch, Eigelb oder Leber decken nur einen Teil des Bedarfs; die Hauptquelle bildet die körpereigene Synthese über UVB-Strahlung. Dr. El-Haddad rät zu 10 bis 15 Minuten direkter Sonnenexposition um die Mittagszeit, da Fensterscheiben die nötige Strahlung blockieren.

Dr. Kart A?kar empfiehlt 15 bis 20 Minuten Sonnenlicht an Gesicht und Armen an drei bis vier Tagen pro Woche. In Mitteleuropa reicht die UV-Strahlung von Oktober bis März jedoch meist nicht aus.

Vor einer Einnahme von Präparaten wird eine labordiagnostische Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin-D-Werts angeraten. Die DGE stuft Werte unter 25 bis 30 nmol/l als mangelhaft ein und empfiehlt bei Bedarf 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten (IE) täglich.

Der Internist und Endokrinologe Dr. Stephan Scharla betonte, dass eine tägliche Gabe gegenüber hochdosierten Stoßtherapien klare Vorteile besitze. Präparate mit hohen Wochendepots bieten demnach keinen nachgewiesenen Nutzen zur Vorbeugung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass tägliche Dosen ab 4000 IE eine gefährliche Hyperkalzämie hervorrufen können.

Untersuchungen zeigten zudem, dass dauerhaft hohe Dosierungen die Knochendichte sogar mindern können. Auch eine Untersuchung von Öko-Test beanstandete, dass zahlreiche frei verkäufliche Präparate zu hoch dosiert sind. Fachleute mahnen daher einhellig, Ergänzungsmittel ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache einzunehmen.

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