Vitamin D und Calcium: Kombination erhöhte Harnsteinfälle um 17 Prozent
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Supplementierung von Vitamin D und Calcium gehört zu den verbreiteten Maßnahmen zur Unterstützung der Knochengesundheit. Allerdings erfordert die Einnahme Beachtung bestimmter Regeln hinsichtlich Mahlzeiten, Dosierung und möglicher Wechselwirkungen. Aktuelle Auswertungen und Richtlinien zeigen, wie Nährstoffe optimal aufgenommen werden und welche gesundheitlichen Risiken eine unbedachte Kombination birgt.
Aufnahme über die Nahrung und Darreichungsformen
Für die Aufnahme von Vitamin D spielt die Tageszeit keine entscheidende Rolle. Da es sich um ein fettlösliches Vitamin handelt, wird die Einnahme zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit empfohlen, beispielsweise mit Nüssen, Avocado oder Olivenöl. Für eine gute Resorption werden etwa 10 bis 15 Gramm Fett empfohlen.
Bei der Darreichungsform zeigen sich Unterschiede: Während Tabletten zu einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden sollten, können Tropfen oder Kapseln unabhängig davon genutzt werden.
Der menschliche Körper bildet 80 bis 90 Prozent des Bedarfs über die UV-B-Strahlung der Sonne selbst. In Deutschland reicht die Sonnenbestrahlung jedoch vor allem von März bis Oktober aus, während sie von Oktober bis März oft unzureichend für die körpereigene Produktion ist.
Dosierungsempfehlungen und behördliche Grenzwerte
Hinsichtlich des täglichen Bedarfs existieren unterschiedliche Richtwerte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen 800 IE täglich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zu höchstens 20 µg beziehungsweise 800 i.E. täglich über Nahrungsergänzungsmittel.
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut versorgt. Als mangelhaft gilt laut RKI ein Wert von unter 30 nmol/l (12 ng/ml), während Werte unter 50 nmol/l (20 ng/ml) mit möglichen gesundheitlichen Folgen einhergehen.
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine Höchstmenge von 4000 IE (100 µg) pro Tag festgelegt. Stiftung Warentest prüfte in der Ausgabe 1/2026 insgesamt 25 Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmittel und stufte die Mehrheit als zu hoch dosiert ein. Fünf Produkte wurden als nicht geeignet bewertet, da bei langfristiger Einnahme Nierenschäden drohen.
Lediglich zwei Präparate wurden als geeignet eingestuft: die Tabletten „Vitamin D compact“ von GSE mit 200 i.E. Tagesdosis sowie der Saft „Vital Vitamin D“ von Rotkäppchen mit 400 i.E. Tagesdosis. Zudem warnten die Tester vor Depot-Präparaten, da hohe Einzeldosen bei älteren Menschen das Sturz- und Frakturrisiko erhöhen können.
Kofaktoren und Risiken bei Calcium-Kombinationen
In der evidenzbasierten Ernährungslehre wird darauf hingewiesen, dass Vitamin D Kofaktoren wie Magnesium und Vitamin K2 für den Stoffwechsel benötigt. Magnesium dient der Umwandlung in Calcitriol, während Vitamin K2 Calcium in Knochen und Zähne lenkt. Eine hochdosierte Gabe ohne Kofaktoren steht im Verdacht, das Risiko ektoper Verkalkungen zu erhöhen.
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Besondere Vorsicht gilt bei der gemeinsamen Einnahme mit Calcium. Calciumcarbonat sollte zu oder kurz nach Mahlzeiten eingenommen werden, während Calciumcitrat flexibler verwendet werden kann.
In der Women’s Health Initiative (WHI)-Studie mit 36.282 postmenopausalen Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren führte die tägliche Einnahme von 1000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D3 über durchschnittlich sieben Jahre zu einem relativen Anstieg von Harnsteinfällen um 17 Prozent (449 Fälle gegenüber 381 unter Placebo).
Die absolute Differenz lag bei rund 0,4 Prozentpunkten. Fachleute raten daher dazu, Calciumpräparate nicht ohne Rücksprache hochzudosieren und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
