Vitamin D und Atemwegsinfekte: DGE-Review wertet 73 Studien aus
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Einsetzen der kühleren Jahreszeit steigt die Nachfrage nach Präparaten zur Stärkung der Abwehrkräfte. Ob Vitamin C, Vitamin D oder spezielle Trendprodukte: Viele Verbraucher greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um sich vor akuten Atemwegsinfektionen zu schützen.
Medizinische Fachleute und Ernährungswissenschaftler analysieren vor diesem Hintergrund den tatsächlichen Nutzen populärer Wirkstoffe und weisen auf die Grenzen frei verkäuflicher Präparate hin.
Ernährungsstatus und die Wirksamkeit von Vitamin C
In der Allgemeinbevölkerung deckt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung den täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen in der Regel vollständig ab. Wie medizinische Fachleute betonen, sind Nahrungsergänzungsmittel vor allem dann angezeigt, wenn ein labormedizinisch nachgewiesenes Defizit oder ein diagnostizierter Mangel vorliegt. Eine unkontrollierte Überdosierung könne dem Organismus schaden.
Für Vitamin C liegt der empfohlene Tagesbedarf laut Richtwerten für gesunde Frauen bei 95 mg und für gesunde Männer bei 110 mg. Bei Schwangeren und Stillenden besteht ein erhöhter Bedarf, ebenso bei Rauchern (155 mg) und Raucherinnen (135 mg).
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hebt hervor, dass bereits 100 g rote Paprika ausreichen, um diese Zufuhr zu sichern. Weitere wichtige Lieferanten sind heimische Kohlsorten, Kiwis und Zitrusfrüchte.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine zusätzliche Gabe von Vitamin C das Risiko, an einer Erkältung zu erkranken, bei gesunden Personen im Allgemeinen nicht nachweislich senkt. Eine Ausnahme bilden Personen unter extremer körperlicher Belastung oder bei Einwirkung sehr niedriger Temperaturen.
Zudem belegen Meta-Analysen, dass eine prophylaktische Einnahme die Dauer grippaler Infekte bei Erwachsenen lediglich um rund 8 % und bei Kindern um etwa 14 % verkürzen kann, was bei einer typischen Krankheitsdauer oft nur wenigen Stunden entspricht.
Voraussetzung dafür ist der Beginn der Einnahme unmittelbar bei den ersten Symptomen. Die tolerierbare Höchstmenge liegt für Erwachsene bei etwa 2000 mg pro Tag. Höhere Dosen können Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen und das Risiko für Oxalat-Nierensteine steigern.
Wissenschaftliche Befunde zu Vitamin D
Ein zentraler Diskussionspunkt zur Herbst- und Winterzeit ist die Versorgung mit Vitamin D, da die körpereigene Synthese in der Haut durch die geringere Sonnenexposition abnimmt.
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Laut DGE liegt eine mangelhafte Versorgung bei Serumwerten von unter 25–30 nmol/l (entspricht 10–12 ng/ml) vor, während Werte ab 50 nmol/l (20 ng/ml) den anzustrebenden Bereich darstellen. Bei einem festgestellten Bedarf beträgt die empfohlene tägliche Zufuhr 20 µg beziehungsweise 800 IE.
Ein Umbrella-Review der DGE über 73 Studien ergab, dass ein niedriger Vitamin-D-Status mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfektionen korreliert.
Dennoch existiert keine allgemeine Empfehlung für eine hochdosierte Einnahme ohne medizinisch festgestellten Mangel, da die Supplementierung keinen sicheren Schutz vor Infekten garantiert. Dies deckt sich mit den Ergebnissen einer australischen Studie aus dem Jahr 2021 mit über 21.000 Teilnehmern im Alter von 60 bis 84 Jahren: Die monatliche Gabe von Vitamin D führte im Vergleich zu einem Placebo zu keinem signifikanten Unterschied bei der Häufigkeit von Atemwegsinfekten.
Medizinisch empfohlen ist eine gezielte Gabe hingegen unter anderem bei Senioren zur Vorbeugung von Knochenverlust und Osteoporose sowie systematisch und lebenslang nach adipositaschirurgischen Eingriffen.
Trendprodukte und Hausmittel im Faktencheck
Neben Reinsubstanzen verzeichnen auch sogenannte Immun-Shots auf Ingwerbasis hohe Verkaufszahlen. Eine Untersuchung des ARD-Formats „Buy Better“ im Oktober verdeutlichte, dass Portionsfläschchen im Handel zwischen 1,29 und 2,49 Euro kosten, was zu Literpreisen von 8,60 Euro bei Bio-Eigenmarken und bis zu über 41 Euro bei Markenprodukten führt.
Der Hauptbestandteil ist meist Fruchtsaft mit einem Anteil von 57 bis 78 %, während der Ingwergehalt je nach Produkt stark schwankt, beispielsweise zwischen 9,5 % und 34 %.
Ingwer enthält entzündungshemmendes Gingerol und kann nachweislich Übelkeit lindern, erfordert jedoch eine Begrenzung: Für gesunde Nichtschwangere werden maximal 2 g getrocknetes Pulver oder bis zu 50 g frischer Ingwer pro Tag empfohlen, wobei Personen mit Gallensteinen oder unter blutverdünnender Medikation vorsichtig sein sollten.
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Auch traditionelle Hausmittel bieten nur bedingt Abhilfe. Während warmer Tee durch Wärme und Flüssigkeit Symptome wie Husten oder Halsschmerzen subjektiv lindern kann, zeigt heißer Dampf keinen belegten Nutzen. Honig kann Studien zufolge die Hustenfrequenz bei Kindern und Erwachsenen leicht mildern, darf jedoch Säuglingen unter einem Jahr aufgrund des Botulismus-Risikos keinesfalls verabreicht werden.
Ursachen für herbstliche Infektwellen
Mediziner stellen klar, dass das Immunsystem im Herbst nicht zwangsläufig an Leistungsfähigkeit verliert. Der beobachtete Anstieg von Atemwegsinfekten resultiert vorrangig aus veränderten Rahmenbedingungen: Der vermehrte Aufenthalt in geschlossenen Räumen, trockene Heizungsluft, dichtere Kontakte durch Schule und Beruf sowie Schlafmangel und chronischer Stress erleichtern die Übertragung von Viren.
Als wirksamste Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen gelten daher das regelmäßige Händewaschen mit Wasser und Seife, eine abwechslungsreiche Kost mit ausreichend Proteinen und Ballaststoffen, der Verzicht auf das Rauchen sowie das Beheben chronischer Entzündungsherde im Mundraum, welche die körpereigenen Abwehrressourcen belasten können.
