Vitamin D: Mangel erhöht Sterberisiko um 81 Prozent
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der Abnahme der täglichen Sonnenstunden in den Herbst- und Wintermonaten rückt die Sicherstellung einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung verstärkt in den Fokus der gesundheitlichen Vorsorge. Aktuelle Ratgeber und wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich in diesem Zusammenhang mit der optimalen Bioverfügbarkeit, den Risiken einer Überdosierung sowie den klinischen Auswirkungen eines Mangels auf verschiedene Bevölkerungsgruppen.
Optimierung der Bioverfügbarkeit durch fettreiche Mahlzeiten
Ein wesentlicher Faktor für die Wirksamkeit einer Vitamin-D-Supplementierung ist die Art der Einnahme. Da es sich um ein fettlösliches Vitamin handelt, wies der Endokrinologe Stephan Scharla darauf hin, dass die Aufnahme in Kombination mit einer fetthaltigen Mahlzeit deutlich verbessert werde.
In Bezug auf die Darreichungsform verfügten Tropfen und Kapseln über eine höhere Bioverfügbarkeit als andere Varianten. Der Zeitpunkt der Einnahme könne zwar flexibel gewählt werden, Scharla empfahl jedoch bevorzugt das Frühstück oder das Mittagessen.
Wissenschaftliche Belege für diesen Effekt liefern Studien, die unter anderem im „Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics“ sowie im „Journal of Bone and Mineral Research“ veröffentlicht wurden. Demnach steige die Aufnahme von Vitamin D um bis zu 50 %, wenn die Supplementierung zusammen mit Fett erfolge.
Nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten seien in der Folge um 50 % höhere Blutspiegel gemessen worden. Andere Institutionen wie der niederländische „Gezondheidsraad“ betonten hingegen, dass für den Vorteil eines spezifischen Einnahmezeitpunkts bisher keine eindeutigen Belege vorlägen.
Dosierungsempfehlungen und Risiken einer Überversorgung
Hinsichtlich der täglichen Dosierung existieren verschiedene Richtwerte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Schätzwert für die Vitamin-D-Zufuhr bei fehlender endogener Synthese durch Sonnenlicht 20 µg pro Tag an.
Vergleichbare Empfehlungen des „Voedingscentrum“ sehen für Personen ab 70 Jahren ebenfalls 20 µg täglich vor, während für jüngere Erwachsene 10 µg als ausreichend erachtet werden. In den Monaten von März bis Oktober reiche in der Regel ein täglicher Aufenthalt im Freien von 15 bis 30 Minuten zwischen 11 und 15 Uhr aus, um den Bedarf zu decken.
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Vor einer dauerhaften Hochdosierung warnte Stephan Scharla ausdrücklich. Während eine Tageshöchstmenge von 2000 I.E. (50 µg) empfohlen werde, könne eine langfristige Einnahme von 5000 I.E. täglich zu einer Hyperkalzämie führen. Diese Erhöhung des Blutkalziums ziehe potenziell Nierensteine und Herzrhythmusstörungen nach sich.
Besondere Vorsicht sei bei der gleichzeitigen Anwendung von Thiazid-Diuretika und Herzglykosiden geboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nannte zudem für Schwangere und Stillende einen Höchstwert von 100 µg pro Tag.
Zusammenhang zwischen Mangel und Sterblichkeitsrisiko
Die klinische Relevanz des Vitamin-D-Status wurde in einer im Jahr 2026 in „Diabetes, Obesity and Metabolism“ veröffentlichten Studie an 5520 Teilnehmern über einen Zeitraum von sechs Jahren untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichten eine signifikante Korrelation zwischen Vitamin-D-Mangel, Adipositas und der Mortalität.
Personen ab einem Alter von 50 Jahren, die sowohl einen Mangel als auch einen erhöhten Bauchumfang (über 88 cm bei Frauen, über 102 cm bei Männern) aufwiesen, hatten ein um 123 % höheres Sterberisiko im Vergleich zur Referenzgruppe.
Auch ohne vorliegendes Bauchfett erhöhte ein Vitamin-D-Mangel das Sterberisiko laut der Studie um 81 %, während eine reine Vitamin-D-Insuffizienz mit einem Plus von 91 % einherging. Im Vergleich dazu steigerte das Vorhandensein von Bauchfett ohne gleichzeitigen Vitaminmangel das Risiko um 50 %.
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Relevanz für Senioren und die kognitive Entwicklung
Ein besonderer Fokus der Forschung liegt auf Heimbewohnern, bei denen eine hohe Prävalenz von Vitamin-D-Mangel festgestellt wurde. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit (Narrative Review) zeigte, dass eine Supplementierung den Serum-25(OH)D-Wert in dieser Gruppe effektiv korrigieren kann.
In Bezug auf die Sturzprävention fielen die Ergebnisse jedoch heterogen aus: Ein deutlicher Nutzen zeige sich vor allem bei einem dokumentierten Mangel, während eine universelle Supplementierung ohne gezielte Indikation keine konsistente Wirksamkeit aufweise. Da etwa 50 % der Heimbewohner mindestens einmal pro Jahr stürzen, sei die Vitamin-D-Gabe nur als Teil einer multifaktoriellen Strategie sinnvoll.
Auch im Bereich der kognitiven Entwicklung lieferten Studien neue Daten. Eine dänische Untersuchung der Universität Kopenhagen vom Mai 2026 an 498 Kindern im Alter von etwa zehn Jahren ergab, dass eine mütterliche Zufuhr von 70 µg Vitamin D pro Tag während der Schwangerschaft mit einem besseren verbalen und visuellen Gedächtnis der Kinder korrelierte.
Ergänzend dazu zeigte eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2023 an 2195 Paaren, dass ein höherer Vitamin-D-Status mit einer geringeren Ausprägung von Verhaltensproblemen verbunden war.
Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Vitamin-D-Mangel: Bei diesen Menschen steigt das Sterberisiko um 123 Prozent“
