Vitamin D im Test: Fünf von 25 Präparaten gelten als nicht geeignet
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 01:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deGesundheitsratgeber und Fachorganisationen warnen vor den Risiken einer unkontrollierten Einnahme von Vitamin-D-Präparaten und verweisen auf die Bedeutung von Synergien mit Calcium und Vitamin K2. Während Nahrungsergänzungsmittel in den Herbst- und Wintermonaten stark nachgefragt werden, mahnen Fachleute zur Zurückhaltung bei hochdosierten Produkten.
Testergebnisse und behördliche Dosierungsempfehlungen
Die Stiftung Warentest untersuchte in ihrer Ausgabe 1/2026 insgesamt 25 Vitamin-D-Präparate. Das Ergebnis fiel kritisch aus: Die Mehrheit der geprüften Produkte war zu hoch dosiert. Fünf Mittel erhielten das Urteil „nicht geeignet“, da bei einer langfristigen Einnahme das Risiko von Nierenschäden bestehe.
Lediglich zwei Präparate stufte die Verbraucherorganisation als geeignet ein: „Vitamin D compact“ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 IE sowie „Vital Vitamin D“ von Rotkäppchen mit 400 IE. Ein Bluttest zur Feststellung des Versorgungsstatus kostet demnach etwa 20 bis 50 Euro, wobei die Krankenkassen die Kosten bei konkretem Mangelverdacht übernehmen.
Die behördlichen Empfehlungen setzen enge Grenzen für die Selbstmedikation. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel täglich höchstens 20 µg beziehungsweise 800 IE Vitamin D aufzunehmen. Ab einer dauerhaften Zufuhr von 4000 IE täglich drohe eine Hyperkalzämie.
Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt. Eine Überversorgung liege ab einem Wert von mehr als 50 ng/ml vor. Bei toxischen Überdosierungen nennt das RKI Symptome wie Bauchkrämpfe, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit.
Für gesunde Erwachsene nennt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine tolerierbare Obergrenze von 100 µg (4000 IE) am Tag, während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) den täglichen Bedarf bei fehlender körpereigener Bildung auf 20 µg beziffert.
Fehlender Nutzen hoher Dosen bei gesunden Personen
Aus medizinischer Sicht sind sehr hohe Zufuhrmengen selten indiziert. Der Internist und Endokrinologe Stephan Scharla ordnet einen Blutwert von unter 50 nmol/l als unzureichend und unter 30 nmol/l als Mangel mit dem Risiko von Folgeschäden ein.
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Hochdosierte Wochendepots seien primär bei Erkrankungen wie Osteomalazie sinnvoll, beginnend mit Einzeldosen von 10.000 bis 20.000 IE. Frei verkäufliche Wochendepots bis 10.000 IE böten für Gesunde hingegen keinen nachgewiesenen Nutzen; medizinische Leitlinien favorisieren die tägliche Einnahme.
Dass hohe Dosen unerwünschte Effekte haben können, belegte eine Untersuchung aus dem Jahr 2019: Die tägliche Gabe von 4000 oder 10.000 IE über drei Jahre verringerte die Knochendichte im Vergleich zu einer Dosis von 400 IE. Zudem stieg ab einer Einzelgabe von 10.000 IE langfristig die Häufigkeit von Stürzen und Knochenbrüchen.
Auch der präventive Effekt von Kombinationspräparaten wird relativiert. Eine im Fachjournal BMJ publizierte Analyse kanadischer Forscher, die 69 Studien mit über 154.000 Erwachsenen umfasste, ergab bei gesunden Erwachsenen durch Calcium und Vitamin D keine oder nur minimale Reduktionen von Frakturen. Bei vorliegender Osteoporose oder einem manifesten Mangel bleibe die Supplementierung jedoch indiziert.
Die Funktion von Vitamin K2 und Mikronährstoffen
In der Diskussion um den Knochen- und Gefäßstoffwechsel spielt Vitamin K2 in der Form MK-7 eine wesentliche Rolle. Es sorgt dafür, dass Calcium in Knochen und Zähne gelangt und sich nicht in den Gefäßwänden ablagert.
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Die VitaK-CAC-Studie im Journal JAMA Cardiology aus dem Jahr 2026 zeigte bei Patienten mit leichter koronarer Herzkrankheit unter Gabe von 360 mcg MK-7 täglich eine um rund 29 Prozent geringere Progression der Arterienverkalkung sowie eine um 42 Prozent geringere Progression der Calciummasse im Vergleich zu Placebo.
Eine Studie der Universität Kopenhagen aus dem Jahr 2024 wies zudem darauf hin, dass eine Kombination von K2 und Vitamin D diesen Effekt verstärken kann.
Hinsichtlich der Infektionsabwehr dämpfen Fachleute überzogene Erwartungen. Der Zellbiologe und Toxikologe Stephan Barth betonte, dass bei ausreichend versorgten Personen kein Nachweis für eine verbesserte Immunabwehr durch zusätzliche Mikronährstoffe existiere. Dies deckt sich mit Meta-Analysen zu Atemwegsinfekten: Eine Zusammenfassung von 46 randomisierten Studien mit über 64.000 Teilnehmenden stellte keinen signifikanten Schutz durch Vitamin D fest. Fachleute raten daher, Nahrungsergänzungen auf einen nachgewiesenen Bedarf abzustimmen und auf eine ausgewogene Ernährung zu setzen.
