Vitamin, Cochrane-Studie

Vitamin D bei Kindern: Cochrane-Studie zeigt minimalen Nutzen

12.06.2026 - 18:06:14 | boerse-global.de

Neue Meta-Analyse zeigt minimalen Nutzen von Vitamin-D-Präparaten bei Kindern. Behörden raten von genereller Supplementierung ab.

Cochrane-Studie: Vitamin D schützt Kinder kaum vor Infekten
Vitamin - Ein Kind hält eine kleine Vitamin-D-Tablette. Im Hintergrund verschwommene medizinische Dokumente und ein Stethoskop. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt: Bei gut versorgten Kindern ist der Nutzen gering.

Ergebnisse der Cochrane-Studie

Im April 2026 veröffentlichte die Cochrane Database eine umfassende Meta-Analyse. Die Forscher um van Arragon aus Neuseeland werteten 107 Einzelstudien mit über 31.500 Teilnehmenden aus. Das Ergebnis: Vitamin-D-Präparate senken die Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei Kindern unter fünf Jahren nur minimal.

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Zwar ging die Zahl der Kinder, die wegen eines Infekts zum Arzt mussten, leicht zurück. Die durchschnittliche Anzahl der Arztbesuche pro Kind blieb jedoch gleich. Höhere Dosierungen brachten keinen zusätzlichen Nutzen. Die Autoren fordern präzisere Folgestudien.

Was Behörden und Fachgesellschaften raten

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für eine generelle Supplementierung zur Infektvorbeugung. Voraussetzung: Die Kinder haben bereits einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel. Dann sei kein messbarer Zusatznutzen belegt. Das BfR warnt zudem vor hochdosierten Präparaten ohne ärztliche Aufsicht – das Risiko einer Vitamin-D-Vergiftung sei real.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) bleibt bei ihrer Empfehlung: Nur Säuglinge im ersten Lebensjahr sollten täglich 10 bis 12,5 Mikrogramm Vitamin D erhalten. Bei älteren Kindern ist eine Supplementierung nur dann sinnvoll, wenn die Versorgung über Sonnenlicht und Ernährung nicht ausreicht.

Versorgungslage: Schweden macht Fortschritte

Die Vitamin-D-Versorgung hängt stark von der nationalen Lebensmittelanreicherung ab. Eine Studie der Universität Göteborg und der schwedischen Lebensmittelbehörde zeigt: Seit 2018 wurden die Regeln für die Anreicherung von Milchprodukten und Speisefetten verschärft. Der Anteil der Vierjährigen mit ausreichenden Vitamin-D-Blutspiegeln stieg von 8 Prozent (2003) auf 40 Prozent. In der untersuchten Gruppe fand sich kein klinischer Mangel.

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In Deutschland sieht es anders aus. Das Nationale Ernährungsmonitoring (nemo) des Max Rubner-Instituts vom April 2026 zeigt: Vor allem Menschen über 65 haben zu wenig Vitamin D – mehr als die Hälfte ist unterversorgt. Bei Kindern liegt das Defizit woanders: Rund 44 Prozent nehmen zu wenig Jod auf.

Neuer Antikörper gegen RSV

Parallel zur Vitamin-D-Debatte gibt es einen pharmazeutischen Fortschritt. Seit Juni 2026 steht mit Clesrovimab ein neuer Antikörper zur Verfügung. Er schützt Neugeborene und Säuglinge vor Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). Eine einmalige Injektion vor der Infektsaison bietet direkten immunologischen Schutz.

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