Vitamin D bei Infekten: 46 Studien mit 64.086 Menschen zeigen keinen Schutz
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 13:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass gesunde Menschen in der Regel keine zusätzlichen Vitamin-Präparate benötigen. Fachleute betonen in diesem Zusammenhang, dass eine Anpassung der täglichen Ernährung einer vorschnellen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vorzuziehen sei.
Dennoch erfreuen sich entsprechende Mittel großer Beliebtheit: Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) aus dem Jahr 2024 nehmen 62 % der Menschen in Deutschland mindestens einmal pro Woche Ergänzungspräparate ein.
Nahrungsergänzungsmittel zwischen Lebensmittelrecht und Dosierungsrisiken
Verbraucherschützerin Sabine Holzäpfel hebt hervor, dass eine gesunde, ausgewogene Kost mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten grundsätzlich hilfreich sei. Ausnahmen von dieser Regel betreffen nach ihren Angaben bestimmte Gruppen wie Schwangere, Stillende oder Personen, die sich vegan ernähren und auf Vitamin B12 achten müssen.
Da Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel eingestuft sind, unterliegen sie bisher keiner behördlichen Vorabkontrolle. Vor diesem Hintergrund fordern die Verbraucherzentralen die Einführung einer verbindlichen Zulassung. Auch Dr. Jean-Baptiste Cazauran unterstreicht, dass solche Präparate nur bei einem nachgewiesenen Defizit sinnvoll seien, da eine Überdosierung ebenso schädlich sein könne wie ein Mangel.
Fachleute warnen ausdrücklich vor zu hohen Mengen. Während eine Überdosierung bei wasserlöslichen Vitaminen schwer möglich ist, drohen laut BfR bei fettlöslichen Stoffen wie Vitamin D entsprechende Risiken; langfristig drohen Müdigkeit und Übelkeit.
Der Virologe Fabrizio Pregliasco weist ergänzend darauf hin, dass hohe Dosen von Vitamin D zu Hyperkalzämie und Nierenschäden führen können, während eine übermäßige Zinkzufuhr einen Kupfermangel nach sich ziehen kann. Bei gesunden Personen mit ausreichender Ernährung stuft Pregliasco den Zusatznutzen von Immun-Integratoren als oft gering, unsicher oder nicht belegt ein.
Differenzierte Betrachtung bei Vitamin D
Die Frage nach dem Bedarf an Vitamin D stellt sich insbesondere in den sonnenarmen Monaten. Nach Angaben der Stiftung Warentest reicht der körpereigene Speicher bei Personen, die diesen im Frühjahr und Sommer gut gefüllt haben, aus, um ohne zusätzliche Präparate durch den Winter zu kommen.
Ein tatsächlicher Mangel lässt sich der Organisation zufolge ausschließlich über eine Blutanalyse diagnostizieren. Eine solche Untersuchung wird jedoch meist nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
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Sabine Holzäpfel erläutert, dass bei einer unzureichenden Winterversorgung eine Ergänzung mit 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag erfolgen könne. Das BfR stellt klar, dass Präparate mit einer Tagesdosis von 100 Mikrogramm oder mehr, was 4.000 Internationalen Einheiten (IE) entspricht, für eine ausreichende Versorgung nicht nötig sind.
Dr. Jean-Baptiste Cazauran merkt an, dass die Sonnenexposition im Herbst und Winter meist nicht ausreiche und bei Senioren eine Supplementierung zur Vorbeugung von Knochenschwund empfohlen werden könne. Zudem sei nach einer Adipositas-Chirurgie eine Supplementierung systematisch und lebenslang erforderlich, begleitet von regelmäßigen Blutbildern.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind vor allem Personen von einem Vitamin-D-Mangel bedroht, die sich selten im Freien aufhalten, sowie ältere oder weniger mobile Menschen, Personen mit dunkler Haut und Säuglinge. Für gesunde Erwachsene sei eine pauschale Einnahme dagegen nicht grundsätzlich ratsam.
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Wissenschaftliche Evidenz zu Infekten und Nährstoffdefiziten
Die Schutzwirkung von Vitaminen bei Atemwegserkrankungen wird durch wissenschaftliche Untersuchungen relativiert. Eine Meta-Analyse von 18 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) mit 3.648 Teilnehmenden zeigte keinen klinisch relevanten Nutzen von Vitamin D bei akuten Atemwegsinfektionen. Eine aktualisierte Meta-Analyse, die 46 RCTs und 64.086 Menschen umfasste, fand ebenfalls keinen signifikanten Schutz vor Atemwegsinfektionen.
Hinsichtlich anderer Nährstoffe liefert die Studienlage differenzierte Ergebnisse:
- Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2024 ergab, dass Zink kaum einen präventiven Nutzen bietet, bei einer bestehenden Erkältung jedoch eine mögliche Verkürzung um circa 2 Tage bewirken kann, wenngleich die Evidenz dafür schwach ist.
- Eine Cochrane-Auswertung stellte fest, dass eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Erkältungsdauer bei Erwachsenen um rund 8 % und bei Kindern um 14 % verkürzt.
Ein Beginn der Einnahme erst nach dem Auftreten von Symptomen zeigte allerdings keine konsistente Verkürzung.
- Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 mit 15 Vergleichen ermittelte, dass sich der Schweregrad von Erkältungen bei einer täglichen Dosis von mindestens 1 Gramm Vitamin C um durchschnittlich 15 % verringerte.
Unabhängig von akuten Infekten verweist das BfR auf eine unzureichende Folsäure-Versorgung, die bei 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung vorliege.
