Vitamin, Blutkrebsrisiko

Vitamin C bei Blutkrebsrisiko: EVITA-Studie findet 65 Prozent weniger Todesfälle

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vitamin C normalisierte Blutwerte, veränderte aber das Wachstum abnormaler Zellen nicht; Überlebenssignale bleiben explorativ.

Vitamin-C-Studie bei Blutkrebs-Vorstufen zeigt gemischte Ergebnisse
Ein gläsernes Laborbecherglas mit einer klaren Flüssigkeit auf einer sterilen Edelstahloberfläche in einem Forschungslabor. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Forschung wird die gezielte Gabe hochdosierter Vitamine zunehmend im Rahmen kontrollierter klinischer Studien untersucht. Besondere Aufmerksamkeit widmen Fachleute dabei der Frage, ob mikronährstoffbasierte Interventionen den Krankheitsverlauf bei genetischen Veränderungen oder Vorstufen bösartiger Erkrankungen beeinflussen können.

Eine am 21. September 2026 in der Fachzeitschrift CANCER veröffentlichte Phase-II-Studie liefert nun differenzierte Erkenntnisse zum Einsatz von hochdosiertem Vitamin C bei Vorstufen von Blutkrebs. Ergänzend dazu untersuchte eine britische Studie den Einfluss einer Vitamin-B3-Form auf seltene mitochondriale Defekte.

EVITA-Studie prüft Vitamin C bei Vorstufen von Blutkrebs

Im Rahmen der doppelblinden EVITA-Phase-II-Studie, die in Dänemark und den USA durchgeführt wurde, untersuchten Forschungsteams insgesamt 109 Personen. Die Teilnehmenden litten an klonaler Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS), niedrig-riskanten Blutkrankheiten oder wiesen ein erhöhtes Risiko für Blutkrebs auf. Über einen Zeitraum von 12 Monaten erhielten 55 Personen täglich 1.000 mg Vitamin C, während 54 Probanden ein Placebo einnahmen.

Zu Studienbeginn wies mehr als die Hälfte der Teilnehmenden einen nachweisbaren Vitamin-C-Mangel auf. Durch die Supplementierung konnte der Blutspiegel in der Verumgruppe wieder normalisiert werden. Beim primären Endpunkt der Untersuchung zeigte sich jedoch keine signifikante Wirkung: Das Wachstum abnormaler Blutzellen unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht wesentlich.

Unerwartete Signale bei Sterblichkeit und Entzündungsmarkern

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Trotz des verfehlten primären Endpunkts ergaben sekundäre und explorative Auswertungen auffällige Unterschiede. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33,6 Monaten wurden 35 Todesfälle registriert. Davon entfielen 11 Fälle auf die Gruppe mit Vitamin-C-Gabe und 24 auf die Placebogruppe.

Laut einer explorativen Analyse war die Sterberate unter der Nahrungsergänzung um 65 Prozent niedriger. Dieser Überlebensbefund war allerdings nicht im ursprünglichen Studienprotokoll vorgesehen, und die Überlebensanalyse diente nicht als primärer Endpunkt.

Zudem wurden bei 33 Prozent der Behandelten in der Vitamin-C-Gruppe schwere unerwünschte Ereignisse verzeichnet, gegenüber 57 Prozent in der Placebogruppe. Bei den Teilnehmenden unter Vitamin-C-Gabe veränderten sich die Entzündungsmarker, wobei der Botenstoff Interleukin-6 (IL-6) sank.

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Auch traten Anämie, Pneumonie, innere Blutungen sowie akute aseptische Arthritis seltener auf, während Magen-Darm-Beschwerden unter der Gabe von 1.000 mg Vitamin C häufiger registriert wurden.

Cambridge-Studie analysiert Nicotinamid-Ribosid

Einen weiteren Forschungsansatz zur therapeutischen Nutzung von Vitaminverbindungen liefert eine 2026 im Fachjournal Genome Medicine publizierte Untersuchung der Universität Cambridge. In der kleinen, unkontrollierten Studie erhielten acht Patienten mit einer heteroplasmatischen mitochondrialen DNA-Erkrankung vier Wochen lang täglich 1.250 bis 2.000 mg Nicotinamid-Ribosid, eine Form von Vitamin B3.

Die Reaktionen fielen je nach genetischer Ausprägung unterschiedlich aus. Bei drei Patienten mit großen Deletionen der mitochondrialen DNA (mtDNA) sanken der Deletionsanteil sowie die Zahl auffälliger Muskelfasern, während die Aktivität der Atmungskette anstieg. Bei fünf Patienten mit sogenannten m.3243-Varianten blieben diese Veränderungen hingegen aus.

Insgesamt verbesserte sich ein durchgeführter Mobilitätstest über die Probandengruppe hinweg, andere klinische Messwerte zeigten jedoch kein konsistentes Bild. Die Intervention erwies sich als gut verträglich und führte zu keinen signifikanten Sicherheitsbedenken.

Forschung sieht noch keine Grundlage für Routineempfehlungen

Beide Forschungsprojekte verdeutlichen das wissenschaftliche Interesse an molekularen Effekten von Vitaminen, mahnen jedoch zugleich zur Zurückhaltung im klinischen Alltag. Zur Bestätigung der Resultate der EVITA-Studie sind größere Phase-III-Studien erforderlich.

Nach derzeitigem Forschungsstand existiert weder eine Grundlage für eine routinemäßige Einnahme hoher Dosen noch eine eindeutige Supplementierungsempfehlung. Auch die Ergebnisse aus Cambridge bedürfen infolge des kleinen und unkontrollierten Rahmens einer Absicherung durch umfassendere, randomisierte Studien.

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