Vitamin, Blutkrankheiten

Vitamin C bei Blutkrankheiten: Studie sieht längeres Überleben, aber keinen Effekt auf Klone

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Phase-2-Studie fand kein gebremstes Klonwachstum, aber ein exploratives Überlebenssignal und weniger schwere unerwünschte Ereignisse.

Vitamin C bei Knochenmark-Erkrankungen: Studie zeigt Überlebenssignal
Ein klares Glasgefäß mit Flüssigkeit auf einem sterilen Labortisch in einer klinischen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Verabreichung von Mikronährstoffen steht in der klinischen Forschung regelmäßig auf dem Prüfstand. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei hochdosiertem Vitamin C bei Vorstufen von Knochenmark- und Bluterkrankungen. Eine Untersuchung liefert differenzierte Daten zur Wirkung einer täglichen Supplementierung auf das Fortschreiten klonaler Prozesse und das Gesamtüberleben betroffener Patienten.

Klinische Prüfung bei klonaler Zytopenie und myeloischen Erkrankungen

In der doppelblinden Phase-2-Studie EVITA untersuchten Forschungsteams aus Dänemark (Region Hovedstaden) und den USA die Wirkung von täglich 1.000 mg Vitamin C im Vergleich zu einem Placebo über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die Kohorte umfasste Erwachsene mit klonaler Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) oder niedrig-riskanten myeloischen Erkrankungen, die keine Krebstherapie erhielten.

Der Einschluss der Studienpopulation erstreckte sich vom 1. November 2017 bis zum 28. September 2022. Insgesamt nahmen 109 Personen teil, von denen 55 der Vitamin-C-Gruppe und 54 der Placebogruppe zugeteilt wurden. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Cancer (Band 132, Ausgabe 19, DOI 10.1002/cncr.70549) publiziert.

Primärer Endpunkt verfehlt, explorativer Überlebensvorteil beobachtet

Hinsichtlich des primären Endpunkts, dem medianen Klonwachstum, stellten die Forschenden keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen fest (?0,016; 95%-KI ?0,096 bis 0,064; p=0,70). Das Fortschreiten der genetisch veränderten Zellklone ließ sich durch die tägliche Einnahme der 1.000 mg Ascorbinsäure somit nicht verlangsamen.

Gleichzeitig zeigten sich in den sekundären und explorativen Analysen deutliche Abweichungen:
- Unerwünschte Ereignisse: Schwere unerwünschte Ereignisse traten in der Vitamin-C-Gruppe bei 18 von 55 Teilnehmenden (33 Prozent) auf, während in der Placebogruppe 30 von 53 Personen (57 Prozent) betroffen waren.
- Gesamtüberleben: Explorativ ergab sich für die Gruppe mit Vitamin-C-Supplementierung ein statistisch längeres Gesamtüberleben (Hazard Ratio 0,35; 95%-KI 0,17–0,71; p=0,0025).

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Aufgrund dieser Beobachtungen empfehlen die beteiligten Forschenden eine Bestätigung der Resultate im Rahmen einer größeren Phase-3-Studie.

Wissenschaftliche Einordnung und Dosierungsempfehlungen

Außerhalb spezifischer klinischer Konstellationen wird der Nutzen einer zusätzlichen Vitamin-C-Einnahme von Fachgesellschaften zurückhaltend bewertet.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist nicht nachgewiesen, dass Dosen von mindestens 200 mg täglich Erkältungskrankheiten in der Allgemeinbevölkerung verhindern oder heilen können. Eine routinemäßige Einnahme von Präparaten empfiehlt die DGE nicht; eine Ausnahme könne lediglich bei extremer körperlicher Belastung bestehen.

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Den regulären Tagesbedarf beziffert die DGE auf 110 mg für Männer und 95 mg für Frauen. Bei Schwangeren liegt der Richtwert bei 105 mg, bei Stillenden bei 125 mg täglich. Für Raucher empfiehlt die Fachgesellschaft eine Zufuhr von 155 mg (Männer) beziehungsweise 135 mg (Frauen).

Für Nahrungsergänzungsmittel hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen Höchstmengenvorschlag von 250 mg Vitamin C pro Tag für Erwachsene formuliert, der zuletzt im Jahr 2021 aktualisiert wurde.

Dieser Wert bezieht sich ausschließlich auf Supplemente und angereicherte Lebensmittel. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt Obergrenzen für Erwachsene bezogen auf alle Zufuhrquellen fest, führt für Vitamin C jedoch keinen spezifischen oberen Grenzwert an.

Überdosierungen bergen Risiken: Nach Angaben der Verbraucherzentrale können Tagesmengen von 3 bis 4 Gramm Blähungen, Koliken und Durchfall hervorrufen. Personen mit einer Neigung zu Nierensteinen sollten bei hochdosierten Gaben besondere Vorsicht walten lassen.

Den dennoch erfreuen sich entsprechende Präparate hoher Nachfrage: Im Jahr 2022 wurden in deutschen Apotheken 2,9 Milliarden Euro mit Nahrungsergänzungsmitteln umgesetzt; etwa 60 Prozent der Bevölkerung greifen auf derartige Produkte zurück.

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