Vitamin, B12

Vitamin B12: Zu hohe Dosen erhöhen Lungenkrebsrisiko deutlich

02.07.2026 - 13:18:47 | boerse-global.de

Mediziner warnen vor unkontrollierter Einnahme von Vitamin-B12-Präparaten. Eine Studie belegt ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Hochdosierung.

Vitamin B12 Überdosierung: Neue Studie zeigt Krebsrisiken auf
Vitamin - Nahaufnahme von Vitamin B12-Pillen und -Flaschen auf einem dunklen Untergrund, die eine Überdosierung symbolisieren. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mediziner warnen vor der unkontrollierten Einnahme von Supplementen ohne ärztliche Diagnose. Denn aktuelle Studien deuten auf gefährliche Langzeitfolgen hin.

Studie zeigt: Hohe Dosen erhöhen Krebsrisiko

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 liefert alarmierende Daten. Forscher analysierten Männer zwischen 50 und 76 Jahren. Die Probanden, die täglich mehr als 55 Mikrogramm Vitamin B12 über Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, zeigten ein signifikant höheres Risiko für Lungenkrebs. Besonders stark fiel der Effekt bei Rauchern aus.

Das Vitamin ist zwar wasserlöslich – überschüssige Mengen werden normalerweise über die Nieren ausgeschieden. Doch die dauerhafte Hochdosierung ist ein Problem. „Eine unkontrollierte Einnahme ohne fachlichen Rat kann Risiken bergen, die den Nutzen übersteigen“, warnt Medizinerin Prof. Jutta Hübner.

Tagesbedarf und Realität klaffen auseinander

Die offiziellen Empfehlungen liegen weit unter dem, was viele Präparate enthalten. Für Erwachsene beträgt der Tagesbedarf an Vitamin B12 etwa 4 Mikrogramm. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Höchstmenge von 25 Mikrogramm pro Tagesdosis.

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In der Praxis sieht das anders aus. Ein Markttest von Öko-Test aus dem Jahr 2023 deckte massive Überschreitungen auf: Von 29 untersuchten Produkten schnitten 19 nicht mit „gut“ ab. Hauptkritikpunkt: die zu hohe Dosierung. Experten betonen: Eine zusätzliche Zufuhr ist meist nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll – etwa durch Resorptionsstörungen oder bestimmte Ernährungsweisen.

Tabletten oder Spritzen – was wirkt besser?

Bei einem diagnostizierten Mangel stehen verschiedene Optionen zur Wahl. Ein Cochrane-Review mit 153 Patienten zeigte: Orale Tabletten und Spritzen sind vergleichbar wirksam. Spritzen werden bevorzugt, wenn der Magen-Darm-Trakt die Nährstoffe nicht ausreichend aufnehmen kann.

Die Kosten unterscheiden sich deutlich. Lutschtabletten kosten rund 25 Euro für drei Monate. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Ausgaben jedoch häufig nicht – ein finanzieller Nachteil für die Verbraucher.

Apotheken bekommen neue Aufgaben

Seit dem 2. Juli 2026 gilt das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG). Es erweitert die Kompetenzen der Apotheken massiv. Sie dürfen künftig Schnelltests, Risikomessungen und Blutabnahmen anbieten.

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Ärzteverbände üben scharfe Kritik. Sie warnen vor Interessenkonflikten und Fehleinschätzungen durch mangelnde diagnostische Ausbildung. Für Verbraucher entsteht zwar eine neue Anlaufstelle für Gesundheitschecks. Gleichzeitig wächst aber die Notwendigkeit, über die Risiken einer unkritischen Supplementierung aufzuklären – nicht nur bei Vitamin B12, sondern auch bei Vitamin D oder Mineralstoffen wie Magnesium. Das BfR warnt hier bereits vor einer Zufuhr von mehr als 250 Milligramm über Supplemente. Extreme Überdosierungen können zu schweren Herz-Kreislauf-Problemen führen.

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