Vitamin B12: Hochdosierte Präparate erhöhen Lungenkrebsrisiko
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Bewertung von Vitamin-B12-Präparaten hat sich in der fachwissenschaftlichen Diskussion zunehmend verschärft. Insbesondere die Einnahme hochdosierter Präparate wird von Experten kritisch hinterfragt.
Die Ärztin Jutta Hübner bewertet diesen Trend als sehr kritisch und verweist auf potenzielle Langzeitrisiken, die bei einer unkontrollierten Zufuhr des Vitamins auftreten können. Im Zentrum der Kritik steht dabei das Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen physiologischen Bedarf und den auf dem Markt verfügbaren Dosierungen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Lungenkrebsrisiko
Ein wesentlicher Pfeiler der kritischen Auseinandersetzung ist eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2017. Die Untersuchung analysierte Daten von rund 77.000 Probanden und verzeichnete in diesem Zusammenhang 808 Krebsfälle.
Die Ergebnisse legten nahe, dass eine dauerhafte Aufnahme von mehr als 55 µg Vitamin B12 pro Tag über mehrere Jahre mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko bei Männern im Alter von 50 bis 76 Jahren assoziiert sein könnte.
Den Beobachtungen zufolge waren besonders Raucher von diesem erhöhten Risiko betroffen. Fachleute betonen jedoch die methodische Einordnung dieser Ergebnisse: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist eine direkte Kausalität nicht abschließend belegt. Dennoch dienen die Daten als Grundlage für die Forderung nach einem vorsichtigeren Umgang mit hochdosierten Supplementen.
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Empfehlungen der Fachgesellschaften im Vergleich zur Marktrealität
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beziffert den täglichen Bedarf an Vitamin B12 für gesunde Erwachsene auf 4 µg. In spezifischen Lebensphasen ist dieser Bedarf leicht erhöht; für Schwangere wird ein Wert von 4,5 µg und für Frauen in der Stillzeit von 5,5 µg angegeben. Diese Werte liegen signifikant unter den Dosierungen, die viele frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel aufweisen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine maximale Tagesdosis von 25 µg Vitamin B12. Eine Analyse des Marktes zeigt jedoch eine deutliche Überschreitung dieser Orientierungswerte.
Viele handelsübliche Präparate in Tropfenform liefern pro Tropfen bereits 400 bis 500 µg des Vitamins. Angesichts dieser massiven Überdosierungen kritisiert Hübner die aktuelle Werbepraxis für Vitamin-B12-Aufbaukuren und fordert die Einführung von Warnhinweisen auf den Verpackungen.
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Darreichungsformen und Wirksamkeit
Hinsichtlich der Darreichungsform gibt es laut ärztlicher Einschätzung keine grundsätzlichen Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen Tabletten und Tropfen. Tropfen böten jedoch eine höhere Flexibilität bei der individuellen Dosierung, was eine genauere Anpassung an den tatsächlichen Bedarf ermögliche.
In klinischen Fällen, etwa bei vorliegenden Magen-Darm-Erkrankungen, die eine Aufnahme über die Verdauungsorgane erschweren, könne eine medizinisch begleitete Verabreichung per Spritze oder Infusion erforderlich sein.
Zudem warnt die DGE vor der Nutzung vermeintlich natürlicher Alternativen. Pflanzliche Präparate, wie beispielsweise solche auf Basis der Alge Spirulina, werden als ungeeignet für eine zuverlässige Vitamin-B12-Versorgung eingestuft. Experten raten Verbrauchern daher zu einer gezielten und am tatsächlichen Bedarf orientierten Supplementierung, statt auf hochdosierte Kombinations- oder Aufbaupräparate zu setzen.
