Vitamin, B12

Vitamin B12: 55 Mikrogramm täglich verdoppeln Lungenkrebsgefahr

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt: Hochdosierte Vitaminpräparate können das Krebsrisiko erhöhen und Tumorwachstum begünstigen. Besonders Vitamin B12 und Antioxidantien stehen in der Kritik.

Krebsgesellschaft: Überdosierte Vitamine können Tumore fördern
Bunte Vitamin-Tabletten in einer Petrischale in einem medizinischen Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor den potenziellen Gefahren einer Überdosierung bestimmter Vitamine. Während eine ausreichende Versorgung für den menschlichen Organismus essenziell ist, deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen oder das Wachstum bestehender Tumoren fördern kann. Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass Vitamine in ihrer natürlichen Form in Lebensmitteln unbedenklich sind, die Supplementierung jedoch kritisch hinterfragt werden sollte.

Risiken durch hohe Dosen von Vitamin B12

Besondere Aufmerksamkeit widmet die medizinische Forschung dem Vitamin B12. Eine bereits im Jahr 2019 veröffentlichte Studie legte dar, dass sehr hohe Dosen dieses Vitamins das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen verstärken können. Diese Beobachtung wird durch Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gestützt. Demnach könne eine langfristige Einnahme von Vitamin-B12-Präparaten mit einer Dosierung von mehr als 55 µg pro Tag das Risiko für Lungenkrebs steigern.

Hinsichtlich der täglichen Zufuhr existieren deutliche Unterschiede zwischen den Empfehlungen für den allgemeinen Bedarf und den Grenzwerten für Nahrungsergänzungsmittel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 4 µg Vitamin B12 für gesunde Erwachsene. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät dazu, bei der Verwendung von Supplementen eine Menge von maximal 25 µg pro Tag nicht zu überschreiten. Die in vielen frei verkäuflichen Präparaten enthaltenen Mengen liegen jedoch oft signifikant über diesen Richtwerten.

Einfluss von Antioxidantien auf die Tumorentwicklung

Neben Vitamin B12 stehen auch klassische Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E im Fokus der Onkologie. Eine im Jahr 2023 im Journal of Clinical Investigation erschienene Studie zeigt auf, dass diese Stoffe in hohen Konzentrationen die Bildung von Tumoren begünstigen können. Der zugrunde liegende Mechanismus besteht laut den Forschern darin, dass Antioxidantien die Entstehung neuer Blutgefäße innerhalb eines Tumors fördern können. Diese verstärkte Gefäßbildung ermöglicht es dem bösartigen Gewebe, schneller zu wachsen und sich im Körper auszubreiten.

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Diese Erkenntnisse stehen im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme, dass eine zusätzliche Zufuhr von Antioxidantien den Körper generell vor Zellschäden schütze. Fachleute der Deutschen Krebsgesellschaft raten daher dazu, solche Präparate im Alltag zu meiden, sofern kein medizinisch begründeter Mangel vorliegt.

Differenzierte Betrachtung von Vitamin D und Sonderfällen

Trotz der Warnungen vor Überdosierungen gibt es Bereiche, in denen eine Supplementierung positive Effekte erzielen kann. So weisen Analysen darauf hin, dass Vitamin D die Krebssterblichkeit um 12 % senken kann. Zudem bleiben bestimmte Lebensumstände von den allgemeinen Warnungen ausgenommen: In der Schwangerschaft oder bei spezifischen ärztlich diagnostizierten Mangelzuständen wird die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln weiterhin empfohlen.

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Gefahrenpotenzial in Lifestyle-Produkten

Das Risiko einer unbeabsichtigten Überdosierung wird durch den Trend zu angereicherten Lebensmitteln und Getränken verschärft. Ein Test des ARD-Formats „buy better“ untersuchte in diesem Kontext das Trendgetränk Holy. Es wurde festgestellt, dass das Produkt hohe Mengen der Vitamine B6, D3 und C enthält. Der regelmäßige Konsum solcher Lifestyle-Getränke kann laut den Testern zu einer Kumulation von Vitaminen führen, die das Krebsrisiko potenziell erhöht. Experten mahnen daher zur Vorsicht bei Produkten, die mit einer Leistungssteigerung durch hochdosierte Mikronährstoffe werben.

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