Viszerales, Fett

Viszerales Fett: Studie zeigt +1,9 Jahre biologische Alterung

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Bauchfett und Vitamin-D-Mangel erhöhen Sterblichkeit, während Bewegung und GLP-1-Medikamente Schutz bieten.

Viszerales Fett, Ernährung und Alterung: Neue Studien zu Krebs- und Demenzrisiken
Medizinisches Labor zur Untersuchung metabolischer Marker und Körperzusammensetzung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bestimmung des biologischen Alters sowie die Analyse metabolischer Prozesse gewinnen in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung. Aktuelle wissenschaftliche Beiträge aus dem August 2026 beleuchten die komplexen Zusammenhänge zwischen viszeralem Fettgewebe, Ernährungsgewohnheiten und dem Risiko für chronische Erkrankungen wie Krebs oder Demenz. Dabei zeigt sich, dass nicht allein das Körpergewicht, sondern die spezifische metabolische Aktivität und zelluläre Veränderungen maßgeblich für den Alterungsprozess verantwortlich sind.

Viszerales Fett als Treiber der biologischen Alterung

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Forschung ist der Einfluss des viszeralen Fetts auf die phänotypische Altersbeschleunigung. Die Busselton Healthy Ageing Study, deren Ergebnisse im August 2026 in der Fachzeitschrift Obesity veröffentlicht wurden, untersuchte hierzu 4.799 Erwachsene im Alter zwischen 45 und 69 Jahren.

Mittels DXA-Messungen wurde festgestellt, dass eine Zunahme des viszeralen Fetts (VAT) direkt mit einer Beschleunigung des biologischen Alters korreliert.

Pro Standardabweichung mehr VAT erhöhte sich das biologische Alter bei Männern um 1,397 Jahre und bei Frauen um 1,919 Jahre. Bei Frauen wurde zudem eine signifikante Verkürzung der Leukozytentelomere beobachtet, was auf eine beschleunigte zelluläre Alterung hindeutet. Ergänzend dazu untersuchte die ELSA-Studie über einen Zeitraum von sechs Jahren 5.520 über 50-Jährige.

Die Kombination aus abdominaler Adipositas (Bauchumfang bei Männern über 102 cm, bei Frauen über 88 cm) und einem Vitamin-D-Mangel von weniger als 30 nmol/L erhöhte das Sterberisiko um 123 Prozent im Vergleich zu nicht-adipösen Personen mit ausreichendem Vitamin-D-Spiegel.

Ernährungsmuster und onkologische Risikofaktoren

Der Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und spezifischen Krebsrisiken wurde in einer Auswertung der NHANES-Studie präzisiert.

Daten von 17.024 Männern ab 18 Jahren belegen laut Berichten vom August 2026, dass ein hoher Anteil dieser Lebensmittel an der täglichen Kalorienzufuhr (über 44 Prozent) mit einem um 30 Prozent erhöhten Risiko für Prostatakrebs einhergeht. Selbst nach Bereinigung um Faktoren wie Alter und Rauchverhalten blieb ein signifikantes Risiko zwischen 24 und 31 Prozent bestehen.

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Hinsichtlich der Entstehung von Darmkrebs (CRC), dessen Inzidenz zwischen 2012 und 2021 jährlich um 2,4 Prozent stieg, lieferten Mausstudien der Feinstein Institutes neue Ansätze. Eine fettreiche Ernährung fördert demnach das Wachstum ammoniakproduzierender Bakterien wie Bacteroides ovatus und B. vulgatus. Der entstehende Ammoniak störe wichtige Signalwege der Tumorsuppression, was die Krebsentstehung begünstige.

Epigenetisches Gedächtnis und neue Diagnoseverfahren

Ein bemerkenswerter Befund der Universität Birmingham aus einer Zehn-Jahres-Studie betrifft die Langzeitfolgen von Übergewicht. Adipositas führt demnach zu einer DNA-Methylierung in Immunzellen, insbesondere den CD4+ T-Zellen. Diese „Erinnerung“ an das Übergewicht bleibe selbst fünf bis zehn Jahre nach einer Gewichtsreduktion bestehen, wodurch das Risiko für Typ-2-Diabetes und Krebs erhöht bleibe. Forscher sehen hier Potenzial in SGLT2-Medikamenten, um die Immunfunktion wieder zu verbessern.

Parallel dazu ermöglichen technologische Fortschritte präzisere Diagnosen. Das CeMM und LBI-NetMed stellten im Jahr 2026 in Nature Medicine KI-gestützte Gewebeuhren vor. Diese analysierten über 25.000 Gewebeschnitte und zeigten, dass verschiedene Organe unterschiedlich schnell altern. Blutbasierte Modelle dieser Technologie können bereits spezifische Alterungsmuster bei Erkrankungen wie Alzheimer, Diabetes oder Schlaganfällen erkennen.

Therapeutische Ansätze und wechselseitige Krankheitsbeziehungen

Im Bereich der medikamentösen Therapie weisen retrospektive Studien in JAMA Network Open auf die positiven Effekte von GLP-1-Rezeptoragonisten hin. Bei Patientinnen mit Brustkrebs, die gleichzeitig unter Adipositas oder Typ-2-Diabetes litten, zeigten diese Medikamente ein verbessertes Überleben und ein geringeres Rezidivrisiko.

Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht, da Meta-Analysen bisher keine eindeutige Gesamtwirkung belegen und ein sogenannter „Healthy User Bias“ die Ergebnisse verzerren könnte.

Interessanterweise deutet eine US-Studie mit 1.278 Teilnehmenden auf eine inverse Korrelation zwischen Krebs und Demenz hin: Eine Krebsdiagnose senkte das Risiko für eine spätere Demenzerkrankung um 33 Prozent.

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Eine großangelegte britische Untersuchung mit über drei Millionen Teilnehmenden bestätigte diesen Trend mit einer Senkung um 25 Prozent. Als mögliche biologische Mechanismen werden genetische Faktoren wie das APP-Gen sowie Proteine wie Cystatin-C diskutiert.

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung unterstreichen Ergebnisse des Roswell Park Comprehensive Cancer Center die Bedeutung von Bewegung. Bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) führte körperliche Aktivität zu einer Reduktion regulatorischer T-Zellen und bremste somit das Tumorwachstum, was Bewegung als kostengünstige und effektive Ergänzungstherapie positioniert.

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