Viszerales, Fett

Viszerales Fett: 10% Reduktion senkt Diabetesrisiko um 28%

22.06.2026 - 22:04:19 | boerse-global.de

Studien zeigen: Viszerales Fettabbau senkt Diabetesrisiko deutlich. Pharmaindustrie entwickelt muskelschonende Wirkstoffe.

Adipositas-Forschung: Neue Wege jenseits der Gewichtsreduktion
Viszerales - Eine stilisierte Darstellung des menschlichen Oberkörpers mit inneren Organen und dezent leuchtendem viszeralem Fett, umgeben von wissenschaftlichen Datenpunkten. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt nur auf Kilogramm zu schauen, untersuchen Wissenschaftler jetzt, welches Fett schmilzt, ob Muskeln erhalten bleiben und wie Fasten das Gehirn beeinflusst.

Zehn Prozent weniger viszerales Fett senken Diabetesrisiko um 28 Prozent

Eine Studie mit 366 Teilnehmenden zeigt: Reduziert sich das viszerale Fett – jenes Fett, das die inneren Organe umgibt – um zehn Prozent, sinkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent. Dieser Effekt tritt unabhängig vom Gesamtgewicht auf. Die Forscher beobachteten zudem positive Auswirkungen auf die Insulinsensitivität und Entzündungswerte wie CRP und IL-6.

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Fachleute raten beim Intervallfasten zur Vorsicht bei Extremvarianten. Empfohlen werden moderate Strategien wie die 14:10-Methode in Kombination mit einer proteinbetonten Ernährung. Schwangere, Menschen mit Essstörungen, Typ-1-Diabetes oder Leber- und Niereninsuffizienz sollten auf Fastenintervalle verzichten.

Pharmaindustrie setzt auf muskelschonende Wirkstoffe

Ein neuer Trend in der Pharmaindustrie zielt auf Medikamente ab, die Fett abbauen, ohne die Muskelmasse zu reduzieren. Gängige GLP-1-Präparate gehen oft mit Muskelverlust einher – das soll sich ändern.

Eli Lilly investierte 1,9 Milliarden US-Dollar in Bimagrumab. Der Wirkstoff erzielte in Kombination mit anderen Präparaten einen Fettverlust von über 90 Prozent bei gleichzeitigem Muskelerhalt. AstraZeneca entwickelt mit SPX-001 (300 Millionen US-Dollar) einen Wirkstoff zur Sicherung der fettfreien Masse. Novo Nordisks CagriSema erreichte einen Fettabbau von 67 Prozent.

Ein weiterer Forschungszweig befasst sich mit „Bewegungspillen“ wie ATX-304 von Cambrian Biotech. In einer Phase-1-Studie mit 23 Erwachsenen steigerte der Wirkstoff den Ruheumsatz und reduzierte das viszerale Fett um fünf Prozent. Ergebnisse der nächsten Phase werden für Ende 2027 erwartet.

Retatrutid, ein Dreifach-Agonist, zeigt in Phase-3-Studien Gewichtsverluste von bis zu 30 Prozent. Das Medikament beeinflusst die Rezeptoren für GLP-1, GIP und Glukagon und soll so den Energieverbrauch erhöhen und die Appetitkontrolle verbessern.

Fasten verändert das Gehirn

Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Fastenperioden bis in die Gehirnstruktur wirken. Über 62 Tage, inklusive einer Phase starker Kalorienrestriktion, verloren Teilnehmende durchschnittlich 7,8 Prozent ihres Körpergewichts. MRT-Aufnahmen deuteten auf einen Umbau in Gehirnregionen hin, die für Appetit, Emotionen und Belohnung zuständig sind.

Wissenschaftler vermuten, dass Veränderungen im Darmmikrobiom über die Darm-Hirn-Achse den Heißhunger reduzieren.

Antibabypille erhöht Risiko für Essanfälle

Eine Langzeitstudie der Michigan State University mit 422 Frauen untersuchte den Zusammenhang zwischen der Antibabypille und Essverhalten. Die im Juni 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie zeigt: Die Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva erhöht das Risiko für emotionales Essen und Essanfälle während der aktiven Hormonphase.

Epigenetik und entlarvte Diätmythen

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Forscher der Universitäten Zürich und Pisa veröffentlichten 2026 in Cell Reports Ergebnisse zu einem neuen Ansatz in der Adipositas-Therapie. BET-Protein-Inhibitoren dämpfen demnach das Entzündungsprogramm im perivaskulären Fettgewebe. Ziel ist eine Gewebeumprogrammierung zum Schutz der Blutgefäße – das Enzym Hexokinase 2 spielt dabei eine zentrale Rolle.

Auf dem Europäischen Kongress für Adipositas im Mai 2026 in Istanbul wurde zudem eine norwegische Studie mit 284 Erwachsenen vorgestellt, die den Jo-Jo-Effekt untersuchte. Die Gruppe mit einer initialen Zufuhr von unter 1.000 Kilokalorien pro Tag verlor nach einem Jahr 14,4 Prozent ihres Ausgangsgewichts, die Gruppe mit langsamerer Abnahme lag bei 10,5 Prozent. Ein verstärkter Jo-Jo-Effekt wurde nicht festgestellt.

Ernährungswissenschaftler wie Henning Fenselau vom Max-Planck-Institut und Hans Hauner von der TU München betonen zudem die Bedeutung komplexer Kohlenhydrate. Ein praktischer Tipp: Werden Kartoffeln oder Nudeln nach dem Kochen für 12 bis 24 Stunden gekühlt, lassen sich bis zu 15 Prozent der Kalorien einsparen. Sven-David Müller warnt davor, Fette durch raffinierte Kohlenhydrate zu ersetzen – das erhöhe das Risiko für Fettlebererkrankungen.

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