Viszerales, Bauchfett

Viszerales Bauchfett: 88 Zentimeter Taillenumfang gelten bei Frauen als kritisch

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hormonelle Veränderungen fördern Bauchfett; Messwerte helfen bei der Risikoeinschätzung, während Ausdauer- und Krafttraining den Abbau unterstützen.

Viszerales Bauchfett in den Wechseljahren: Risiken erkennen und reduzieren
Gesunde, ausgewogene Mahlzeit mit frischem Gemüse und Hülsenfrüchten auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Ratgeber und medizinische Fachleute richten den Blick verstärkt auf die gesundheitlichen Risiken von viszeralem Bauchfett. Diese Fettpolster, die sich in der Bauchhöhle um innere Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm anlagern, gewinnen besonders im Kontext der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren an Bedeutung. Neben den biologischen Mechanismen rücken praxisnahe Methoden zur Risikoüberprüfung und Gegenmaßnahmen in den Mittelpunkt.

Hormonelle Umstellung begünstigt Fetteinlagerung am Bauch

In den Wechseljahren verändert sich der weibliche Körper oft grundlegend. Die Ernährungsmedizinerin Viktoria Schelle hält fest, dass der sogenannte Hormonbauch definitiv kein Mythos mehr sei.

Frauen lagerten in dieser Phase hormonell bedingt vermehrt Bauchfett ein, während Muskelmasse schrittweise durch Körperfett ersetzt werde. Dies könne dazu führen, dass das Körpergewicht unverändert bleibe – etwa bei 56 kg –, sich die Körperzusammensetzung jedoch spürbar verschlechtere.

Die Gynäkologin Prof. Marion Kiechle vom TUM-Klinikum rechts der Isar erläutert die physiologischen Hintergründe: Ein sinkender Östrogenspiegel verschiebe die Fettverteilung hin zu einem männlichen Verteilungsmuster.

Gleichzeitig aktiviere das follikelstimulierende Hormon (FSH) Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln und den Fettabbau im Bauchraum blockieren. Hinzu kämen eine relative Testosteron-Dominanz sowie eine zunehmende Insulinresistenz. Zudem treiben Stress und Schlafmangel den Kortisolspiegel in die Höhe, was die Einlagerung von Bauchfett weiter forciert.

Die Menopause markiert die letzte Regelblutung meist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Beschwerden beginnen oft schon Jahre zuvor in der Perimenopause, die nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS im Schnitt 7 bis 9 Jahre andauert. Neben Gewichtszunahme am Bauch treten häufig weitere Symptome auf.

Zur Diagnose rät das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) bei Frauen über 45 Jahren mit typischen Anzeichen dazu, sich am Zyklus und den Symptomen zu orientieren, da Hormontests wegen starker Schwankungen wenig aussagekräftig seien. Sinnvoll sei vielmehr die Kontrolle von Blutwerten wie Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Blutfetten, Blutzucker und Entzündungswerten.

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Gesundheitsrisiken und kritische Messwerte

Viszerales Bauchfett ist stoffwechselaktiv und birgt erhebliche Gefahren. Nach Angaben von Viktoria Schelle steigt dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und Demenz. Auch die Deutsche Herzstiftung warnt vor einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Leiden, Diabetes und bestimmte Krebsarten. Laut Harvard Health ist das Fettgewebe um innere Organe direkt mit einem höheren kardiometabolischen Risiko verknüpft.

Zur Überprüfung genügen einfache Messungen im Alltag, auch wenn bildgebende Verfahren wie MRT oder CT präziser sind:
- Taillenumfang: Die Deutsche Herzstiftung definiert Werte ab 88 cm bei Frauen und ab 102 cm bei Männern als kritisch.

Ein gesunder Umfang liegt bei Frauen unter 80 cm, bei Männern ist ein Wert unter 94 cm anzustreben.
- Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis: Ein Wert ab 0,5 gilt als bedenklich.
- Taille-zu-Hüfte-Verhältnis: Werte ab 0,85 bei Frauen und ab 0,9 bei Männern deuten auf ein erhöhtes Risiko hin – dies gilt auch für Personen mit einem unauffälligen Body-Mass-Index (BMI).

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Wirksame Strategien gegen das Fettgewebe

Bei ausgeprägtem Leidensdruck während der hormonellen Umstellung bezeichnet Prof. Marion Kiechle die Hormonersatztherapie als Therapiewahl Nummer Eins. Nach Berichten der Menopause Society aus dem Jahr 2023 können bei Beschwerden wie Hitzewallungen zudem kognitive Verhaltenstherapie und klinische Hypnose helfen.

Um viszerales Bauchfett effektiv abzubauen, warnen Fachleute vor falschen Ansätzen: Über 80 % der Betroffenen setzen laut Berichten zunächst auf isolierte Bauchübungen wie Sit-ups oder Crunches, die jedoch kein Fett gezielt an dieser Stelle verbrennen.

Harvard Health betont, dass die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining das viszerale Fett am zuverlässigsten reduziert. Als Einstieg werden 30 bis 60 Minuten moderates Ausdauertraining an mindestens drei Tagen pro Woche sowie Krafttraining an zwei Tagen empfohlen.

Eine wissenschaftliche Meta-Analyse zeigt, dass auch hochintensives Intervalltraining (HIIT) zu einer Abnahme von Gesamtfett, Bauchfett und viszeralem Fett führt; es bietet bei vorhandener Fitness ähnliche Effekte in kürzerer Zeit. Ergänzend raten Experten zu einer mediterranen, proteinreichen Ernährung, schrittweiser Trainingssteigerung, Erholung sowie Entspannungstechniken zur Senkung von Stresshormonen.

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