Vietnam-Ernährungskrise, Nährstoffmangel

Vietnam-Ernährungskrise: 43,6% Übergewicht, aber Nährstoffmangel

19.06.2026 - 11:39:20 | boerse-global.de

Vietnam kämpft mit einer doppelten Ernährungslast: steigende Übergewichtszahlen bei gleichzeitigem Mikronährstoffdefizit in der Bevölkerung.

Vietnams Ernährungskrise: Übergewicht und Nährstoffmangel gleichzeitig
Vietnam-Ernährungskrise - Menschen wählen frisches Obst und Gemüse auf einem belebten vietnamesischen Markt, um gesunde Ernährung und Gemeinschaft zu symbolisieren. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Übergewicht rasant zunimmt, leiden viele Menschen weiterhin unter Mikronährstoffmangel.

Experten des Nationalen Instituts für Ernährung diskutierten im Juni 2026 in Hanoi mit internationalen Partnern über die strukturellen Defizite. Die doppelte Ernährungslast stellt das Gesundheitssystem vor massive Herausforderungen.

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Fast jeder Zweite ist zu schwer

Eine Studie aus dem Jahr 2025 liefert erschreckende Zahlen. Knapp 1.500 Erwachsene zwischen 20 und 45 Jahren aus fünf Provinzen wurden untersucht. Das Ergebnis: 43,6 Prozent haben Übergewicht oder Adipositas.

Männer sind überproportional betroffen. Als Maßstab diente der asiatische WHO-Standard, der einen BMI ab 23 kg/m² als Übergewicht definiert.

Gefährliche Nährstofflücken

Parallel zur Gewichtszunahme zeigen sich massive Defizite bei essenziellen Nährstoffen. Die durchschnittliche Kalziumaufnahme erreicht nur 68,7 Prozent der Empfehlung. Bei Folsäure sind es gerade einmal 50,9 Prozent.

Der Hauptgrund: Über 60 Prozent der Befragten essen zu wenig Obst und Gemüse. Die Ernährung ist kalorienreich, aber nährstoffarm.

Das Frühstück als Schwachstelle

Die Analyse der Essgewohnheiten identifiziert vor allem das Frühstück als Problem. 26,7 Prozent der Erwachsenen lassen diese Mahlzeit regelmäßig aus. Wer frühstückt, nimmt im Schnitt nur 18,2 Prozent des täglichen Energiebedarfs zu sich – deutlich unter den Empfehlungen.

Die regionalen Unterschiede sind frappierend:

  • Nudelsuppen dominieren: 84,1 Prozent in Städten, 79,8 Prozent auf dem Land
  • Rund 20 Prozent essen bereits zum Frühstück Süßspeisen oder Zuckerprodukte
  • Die Mehrheit (64,6 Prozent) frühstückt zwischen 7:00 und 8:00 Uhr

Fachleute warnen: Die mangelnde Qualität des Frühstücks lässt sich im Tagesverlauf oft nicht ausgleichen.

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Strategische Initiativen gegen Fehlernährung

Das Nationale Institut für Ernährung setzt auf öffentlich-private Partnerschaften. Gemeinsam mit dem Nutrilite Health Institute und Amway Vietnam arbeitet man an Lösungen für die Nationale Ernährungsstrategie 2021-2030. Das Ziel: eine umfassende Verbesserung des Ernährungsstatus bis 2045.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Jugend. Zwischen 2023 und 2026 förderten AstraZeneca und Plan International Vietnam ein Gesundheitsprojekt an 26 Gymnasien und drei Universitäten in Hanoi. Die Erfolge sollen nun in das nationale Schulgesundheitsprogramm 2026-2035 einfließen.

Auch für die Kleinsten gibt es neue Ansätze. Auf Fachkonferenzen Mitte Juni 2026 wurden Studiendaten zu Synbiotika vorgestellt – einer Kombination aus Pro- und Präbiotika. Sie sollen die Darmflora und das Immunsystem von Kindern stärken, besonders bei Kaiserschnitt-Geborenen.

Lebensmittelsicherheit als zusätzliches Risiko

Die Ernährungsprobleme werden durch Sicherheitsrisiken verschärft. Mitte Juni 2026 erlitten über 200 Menschen in der Provinz Dong Thap eine massive Lebensmittelvergiftung – nach dem Verzehr von Backwaren.

Die Lebensmittelsicherheitsbehörde hat verstärkte Kontrollen angeordnet. Die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen soll systemische Risiken in der Verarbeitung minimieren.

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