Sportwetten-Sucht, Rückfallrisiko

Sportwetten-Sucht: WM steigert Rückfallrisiko bei jungen Männern

19.06.2026 - 11:39:20 | boerse-global.de

Die Fußball-WM erhöht das Risiko für Spielsüchtige drastisch. Behörden und Berater schlagen Alarm wegen Wetten, Prognosemärkten und Cyberkriminalität.

WM 2026: Suchtexperten warnen vor steigender Spielsuchtgefahr
Sportwetten-Sucht - Nahaufnahme eines Smartphones, das eine Sportwetten-App anzeigt, mit einem verschwommenen Fußballstadion im Hintergrund. Symbolisiert Spielsuchtprävention. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Suchtexperten und Behörden schlagen Alarm.

Die laufenden WM-Wochen bergen besondere Risiken für Spielsüchtige. Die Omnipräsenz des Turniers schaffe spezifische Trigger, warnt Tanja Spille-Schultzki, Suchtberaterin aus Delmenhorst. Der Bielefelder Experte Frank Gauls, seit fast 40 Jahren in der Suchtberatung tätig, sieht die Gefahr für Rückfälle während der WM als besonders hoch an.

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Hohe Quoten locken Wettsüchtige

Ein gefährlicher Anreiz: Wetten auf Außenseiter-Teams. Hohe Quoten bei geringem Einsatz entfalten eine starke Lockwirkung. Die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) betont das generell erhöhte Suchtpotenzial von Sportwetten.

Die Caritas-Suchthilfe bestätigt den Trend. In den Jahren 2024 und 2025 begann bei rund 40 Prozent der ambulant betreuten Personen die Suchtkarriere bereits vor dem 21. Lebensjahr. Hauptrisikogruppe: junge Männer. „Das Rückfallrisiko ist nach Turnierstart spürbar gestiegen", berichtet Suchttherapeutin Cathrin Rack.

Milliardenverluste durch Glücksspiel

Jährlich verlieren Deutsche rund zwei Milliarden Euro durch Glücksspiel. Das belegt der Suchtbeauftragte Hendrik Streeck. Eine Studie der Universität Hohenheim zeigt zudem: Bei Bundesliga-Spielen war Glücksspielwerbung während eines Drittels der Sendezeit sichtbar. Die Normalisierung schreitet voran.

Neue Gefahr: Prognosemärkte

Ein neues Problemfeld sind sogenannte Prediction Markets. Mitte Juni schloss sich die Schweizer Geldspielaufsicht Gespa einer europäischen Erklärung mit acht EU-Ländern an, um vor diesen Plattformen zu warnen. Auf Polymarket wurden bereits rund 2,5 Milliarden US-Dollar auf den WM-Ausgang gesetzt.

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Diese Anbieter operieren oft ohne nationale Bewilligungen. Jugendschutz, Suchtprävention und Maßnahmen gegen Spielmanipulation fehlen. Die Behörden sperren vermehrt den Zugang zu illegalen Angeboten. Zudem koppelt die Fifa Live-Streaming-Angebote teils an Wettplatzierungen.

Cyberkriminelle nutzen WM-Boom

Parallel zur Suchtproblematik steigt die Zahl von Deepfakes und Fake-Shops im Namen der WM. Während der offizielle WM-Ball mit 500 Signalen pro Sekunde die sportliche Integrität sichern soll, bleibt der Schutz der Konsumenten eine zentrale Herausforderung. In der Politik diskutieren die Innenministerien über personalisierte Tickets – die Meinungen über Wirksamkeit und Notwendigkeit gehen noch auseinander.

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