Videospiele, Spielsucht

Videospiele: Spielsucht, nicht Spielzeit, schadet der Kognition

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 16:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse belegen: Entscheidend für kognitive Beeinträchtigungen ist die Internet Gaming Disorder, nicht die Dauer des Spielens. Kontrolliertes Spielen kann sogar förderlich sein.

Studie zeigt: Spielsucht schadet Kognition, nicht Spielzeit
Videospiele - Hände halten einen Videospiel-Controller, mit verschwommenen digitalen Mustern, die kognitive Prozesse und Gaming symbolisieren. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Entscheidend ist nicht, wie lange du zockst – sondern ob du kontrolliert spielst oder süchtig bist.

Spielzeit allein ist nicht der Feind

Eine Untersuchung der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems) vom heutigen Dienstag liefert klare Ergebnisse. 3.854 Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren nahmen teil. Die Forscher stellten fest: Die reine Dauer des Spielens sagt nichts über kognitive Beeinträchtigungen aus.

Entscheidend ist etwas anderes: die sogenannte Internet Gaming Disorder (IGD). Jugendliche mit Anzeichen dieser pathologischen Spielsucht schnitten in Tests deutlich schlechter ab – in Logik, visuell-räumlichen Fähigkeiten, verbalen und numerischen Kompetenzen. Auch das Langzeitgedächtnis leidet bei Betroffenen.

Die gute Nachricht: Wer kontrolliert spielt, zeigt sogar leichte Verbesserungen der kognitiven Leistung.

Nicht jedes Spiel wirkt gleich

Die Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Computers in Human Behavior, unterscheidet nach Genres. Strategie- und Rollenspiele stärken demnach logische und verbale Fähigkeiten. Shooter-Spiele wie Fortnite, Roblox oder Brawl Stars zeigen dagegen eine höhere Korrelation mit dem Risiko für Spielsucht.

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Die kognitive Wirkung hängt also stark davon ab, welche Anforderungen und Belohnungsmechanismen ein Spiel bietet.

Zwei Jahrzehnte Forschung im Überblick

Eine Meta-Analyse der Shanghai Normal University vom gestrigen Montag bestätigt den Trend. Veröffentlicht in Acta Psychologica, wertete sie 133 Studien aus den Jahren 2005 bis 2025 aus – mit insgesamt 14.245 Teilnehmern.

Das Ergebnis: Eine positive, wenn auch schwache Korrelation zwischen Videospielen und kognitiver Leistung (r=0,088 bis 0,220). Den stärksten Effekt fanden die Forscher im Bereich Gedächtnis. Weitere Vorteile: gesteigerte kognitive Flexibilität, bessere Problemlösung, erhöhte Aufmerksamkeit und räumliches Denken.

Vorsicht bei der Übertragung in den Alltag

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Trotz dieser positiven Signale warnen Forscher vor übertriebenen Hoffnungen. Die Daten belegen einen „near transfer“ – also die Verbesserung von Fähigkeiten, die direkt im Spiel trainiert werden. Ein „far transfer“ – die Übertragung dieser Vorteile auf komplexe Alltagssituationen – ist dagegen nicht nachgewiesen.

Interessant: Alter, Geschlecht oder kultureller Hintergrund spielen für den Zusammenhang zwischen Gaming und Kognition keine signifikante Rolle. Die Wissenschaft empfiehlt dennoch eine fortlaufende Beobachtung – schließlich entwickeln sich Spielmechaniken ständig weiter.

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