Verpackung, Deutschen

Verpackung entscheidet: 88% der Deutschen bevorzugen Karton vor Kunststoff

04.07.2026 - 05:18:38 | boerse-global.de

Umweltbewusstsein und neue Technologien treiben den Wandel bei Reinigungs- und Pflegeprodukten voran. Start-ups setzen auf Nachhaltigkeit.

Therefore beauty und Co.: Wandel im Markt für grüne Reinigung
Verpackung - Umweltfreundliche Reinigungsprodukte und DIY-Zutaten, wie Naturseifenstücke und Kräuter, auf einer Holzoberfläche mit weichem Licht. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Umweltbewusstsein und neue Technologien treiben biologisch abbaubare Inhaltsstoffe und minimalistische Produkte voran.

Naturkosmetik zwischen Krise und Neustart

Ein Beispiel für diesen Wandel liefert das Hamburger Start-up Therefore beauty. Natalie Richter und Mar Navajas Garcia gründeten die Firma 2018 unter dem Namen „terrorists of beauty" – mit handgefertigten Naturseifen, Tonern und festen Zahnpasta-Tabletten. Verzicht auf Aluminium, Plastik und Palmöl war von Anfang an Programm.

Die Kundenbindung ist hoch: Über 80 Prozent des Umsatzes stammen von Stammkunden. Doch der digitale Vertrieb brachte 2023 einen herben Rückschlag. Änderungen in den Algorithmen großer Werbeplattformen ließen die Umsätze einbrechen. Die Reaktion folgte 2025: Umbenennung in Therefore beauty, Ausweitung auf physische Kanäle. Heute verkauft das Unternehmen über Manufactum, Budni und einen eigenen Flagshipstore. Der Fall zeigt: Digitaler Direktvertrieb ist volatil, der trend geht zurück in die Läden.

Neue Chemie für saubere Umwelt

In der Formulierung von Reinigungsmitteln setzt die Industrie zunehmend auf amphotere Tenside wie Lauraminoxid (LDAO). Der aus Kokos- oder Palmkernöl gewonnene Stoff wirkt als Schaumverstärker und Emulgator – und gilt als biologisch abbaubar.

Auch bei Bleichprozessen tut sich etwas. Tetraacetylethylendiamin (TAED) aktiviert die Bleiche bereits unter 60 Grad Celsius. Die dabei entstehende Peressigsäure desinfiziert zusätzlich. Das spart Energie. Hersteller wie Ecover setzen zudem auf Aktivsauerstoff-Bleiche aus Natriumcarbonat-Peroxyhydrat – ganz ohne Chlor.

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Forscher der HHU Düsseldorf gehen noch einen Schritt weiter. Ein 15-köpfiges Studierendenteam entwickelte im iGEM-Wettbewerb 2026 ein System namens „Cozyme". Lichtgesteuerte Mikroorganismen gewinnen aus Biertreber – einem Reststoff der Brauindustrie – Jasmonate. Diese pflanzenstärkenden Wirkstoffe könnten künftig in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Hausmittel für den Alltag

Nicht nur die Industrie, auch der Haushalt selbst wird grüner. Zur Reinigung von Waschmaschinendichtungen empfehlen Experten Natronpaste oder Essigwasser. Sie entfernen Ablagerungen aus Waschmittelresten und Feuchtigkeit. Bei Schimmel hilft dreiprozentiges Wasserstoffperoxid.

Vorbeugen ist besser als putzen: Regelmäßige 60-Grad-Waschgänge und pulverförmige Vollwaschmittel verhindern Gerüche und Schleimablagerungen. Die Umweltberatung bietet dazu Informationsmaterialien an – von der Farbcodierung der Reinigungstücher bis zur korrekten Dosierung.

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Verpackung als Kaufkriterium

Die Verpackung entscheidet mit. Eine Studie von Pro Carton aus Juli 2026 zeigt: 88 Prozent der deutschen Verbraucher bevorzugen Karton vor Kunststoff. Für 64 Prozent ist Recyclingfähigkeit zentral. Und die Wechselbereitschaft ist hoch: 34 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr wegen Verpackungsbedenken die Marke gewechselt.

Die Wahrnehmung klafft auseinander: 86 Prozent halten Karton für gut recycelbar, bei flexiblem Kunststoff sind es nur 60 Prozent. Das bestätigen Abfalldaten aus der Praxis. Im Landkreis Miltenberg etwa fielen 2024 pro Einwohner 128 Kilogramm Restmüll und 89 Kilogramm Biomüll an. Initiativen zur besseren Mülltrennung und Projekte wie die Nutzung von Kondenswasser aus Klimaanlagen für Hydroponik gewinnen daher an Bedeutung.

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