Verfassungsschutz warnt: KI-Forschung könnte an China abfließen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 22:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt nachdrücklich vor einem verstärkten Abfluss von Wissen und Technologie durch die Zusammenarbeit deutscher Forschungseinrichtungen mit chinesischen Hochschulen.
Wie die Behörde in aktuellen Berichten ausführte, nutze China ein umfassendes System für den Transfer von Know-how, um seine globale Vormachtstellung in politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bereichen sowie im Technologiesektor systematisch auszubauen.
Strategische Instrumentalisierung von Forschung
Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes könnten insbesondere chinesische Gastwissenschaftler für die strategischen Ziele Pekings instrumentalisiert werden. Die Behörde sieht in der Kooperation mit China erhebliche Risiken für den Forschungsstandort Deutschland.
Als zentrale Einfallstore für die illegale oder ungewollte Weitergabe von Wissen nannte das Bundesamt rechtliche Grauzonen sowie ein mangelndes Bewusstsein für Sicherheitsrisiken innerhalb der Wissenschaftsgemeinde. Zudem werde die in Deutschland grundrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit gezielt ausgenutzt, um sensible Informationen zu gewinnen.
Besorgnis erregen laut Verfassungsschutz vor allem Forschungsfelder, die eine doppelte Verwendungsmöglichkeit – sowohl zivil als auch militärisch – zulassen. Im Fokus stünden dabei Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologie und Hyperschallforschung. Auch Entwicklungen im Bereich der Bio- und Überwachungstechnologien gelten als besonders gefährdet.
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Sicherheitsmängel am Helmholtz-Zentrum Cispa
Die Warnungen des Verfassungsschutzes erhalten durch konkrete Vorfälle an deutschen Forschungseinrichtungen zusätzliche Relevanz. Berichten zufolge wurden am Helmholtz-Zentrum Cispa gravierende Sicherheitsmängel identifiziert. Ein geheimer Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der rund 400 Seiten umfasse, dokumentiere die dortigen Versäumnisse.
In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass das Cispa mit fünf chinesischen Hochschulen kooperierte, die zur Gruppe der sogenannten „Seven Sons of Defence“ gehören. Dabei handelt es sich um Institutionen, die eine direkte Nähe zum chinesischen Verteidigungssektor aufweisen.
Bundesweit unterhalten laut aktuellen Daten insgesamt 20 deutsche Universitäten und Technische Hochschulen Kooperationen mit dieser Gruppierung. Als Konsequenz aus den Entwicklungen am Cispa haben sich der Bund und das Land Saarland bereits von der Leitung des Zentrums getrennt.
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Forderungen nach strengeren Kontrollen
Angesichts dieser Vorfälle fordern Politiker parteiübergreifend Konsequenzen für den deutschen Forschungsbetrieb. Es bestehe Bedarf an regelmäßigen Sicherheitschecks für Forschungseinrichtungen, um den Schutz sensibler Daten und Technologien zu gewährleisten.
Die Partei Die Grünen forderte zudem spezifische Maßnahmen im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland. Demnach sollten Beteiligungen chinesischer Einrichtungen an nationalen Schlüsseltechnologien konsequent ausgeschlossen werden.
Zudem sprachen sich Vertreter der Partei dafür aus, Kooperationen mit den „Seven Sons of Defence“ grundsätzlich zu untersagen, um den unkontrollierten Technologietransfer an Institutionen mit militärischem Hintergrund zu unterbinden.
Mehr zum Thema bei DER STANDARD: „Deutscher Verfassungsschutz warnt Unis vor Techtransfer nach China - Netzpolitik“
