Verarbeitete, Lebensmittel

Verarbeitete Lebensmittel: Hersteller senken Salz, Zucker und Kalorien um ein Fünftel

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 07:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

IPB-Fachleute betonen Nährwertprofil und Ernährungsmuster; der Zusammenhang zwischen Verarbeitung und Gesundheitsrisiken ist nicht abschließend geklärt.

Verarbeitete Lebensmittel: Warum die Nährstoffqualität entscheidend bleibt
Frisches, rohes Gemüse und Getreide auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die industrielle Verarbeitung von Lebensmitteln steht regelmäßig im Fokus der ernährungswissenschaftlichen Debatte. Aktuelle Einschätzungen von Experten des IPB (Institut Pertanian Bogor) verdeutlichen jedoch, dass eine hohe Anzahl an Verarbeitungsschritten nicht zwangsläufig mit einer schlechteren Nährstoffqualität oder einer Gesundheitsgefahr gleichzusetzen ist.

Maßgeblich für die Bewertung eines Produkts seien vielmehr das spezifische Nährwertprofil, die mikrobiologische Sicherheit sowie die Einordnung in eine insgesamt ausgewogene Ernährung.

Technologische Verfahren und ernährungsphysiologischer Nutzen

Nach Einschätzung der IPB-Experten können gezielte Verarbeitungsprozesse die Qualität von Lebensmitteln sogar steigern. Verfahren wie Erhitzen, UHT-Sterilisation, Kühlung und Fermentation dienen nicht nur der Haltbarkeit, sondern verbessern in vielen Fällen auch die Sicherheit und die Verdaulichkeit von Nährstoffen. Zudem ermöglicht die industrielle Fertigung die sogenannte Fortifizierung, also die gezielte Anreicherung von Produkten mit Mikronährstoffen.

Ein weiterer Aspekt der modernen Lebensmitteltechnologie ist die Reformulierung bestehender Rezepturen. Laut Berichten aus dem September 2026 nutzen Hersteller die technologischen Möglichkeiten, um den Gehalt an Zucker, Salz oder gesättigten Fettsäuren in verarbeiteten Produkten systematisch zu senken.

Die britische Food and Drink Federation gab in diesem Zusammenhang bekannt, dass ihre Mitgliedsunternehmen in den vergangenen fünf Jahren den Gehalt an Salz, Zucker und Kalorien in ihren Sortimenten um beinahe ein Fünftel reduziert haben.

Die Debatte um ultra-verarbeitete Lebensmittel

Trotz technologischer Fortschritte bleibt die Kategorie der sogenannten ultra-verarbeiteten Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) umstritten. Eine im Jahr 2024 veröffentlichte Übersicht des British Medical Journal (BMJ) brachte einen hohen Konsum dieser Produkte mit einem Anstieg von Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychischen Störungen und der Gesamtsterblichkeit in Verbindung.

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Die Autoren wiesen jedoch darauf hin, dass diese Korrelationen keinen direkten Beweis dafür liefern, dass die Verarbeitung selbst die Ursache für diese gesundheitlichen Folgen ist.

Ein zentrales Problem in der wissenschaftlichen und regulatorischen Diskussion bleibt die Definition. Ein IPB-Experte betonte, dass eine klare, objektive Grenze für die Einstufung als „ultra-verarbeitet“ bislang fehle.

In Fachberichten wird oft eine Faustregel herangezogen, wonach Lebensmittel mit mehr als fünf Zutaten, von denen mindestens eine nicht in einer gewöhnlichen Küche vorkommt, als hochverarbeitet gelten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits im Jahr 2025 damit begonnen, formelle Leitlinien für den Konsum von UPF zu erarbeiten.

Differenzierte Betrachtung am Beispiel von Geflügelprodukten

Wie komplex die Bewertung einzelner Produkte ist, zeigt das Beispiel von Chicken Nuggets. Ernährungsberater weisen darauf hin, dass diese im Vergleich zu unverarbeitetem Hähnchenfleisch oft höhere Anteile an Fett und Salz enthalten und daher in Maßen verzehrt werden sollten. Angaben von McDonald’s Österreich zufolge bestehen solche Produkte aus geformten Hühnerbruststücken, die mit einer Panade und weiteren Zutaten versehen werden.

Die öffentliche Wahrnehmung der industriellen Produktion wird zudem immer wieder durch Fehlreaktionen in sozialen Medien beeinflusst. So verbreitete sich ein Video, das angeblich die Herstellung von Nuggets zeigte.

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Eine Überprüfung ergab jedoch, dass das Material bereits 2023 auf dem YouTube-Kanal „ProcessX“ erschienen war und die Produktion von Gummiringen in einer japanischen Kyowa-Fabrik dokumentierte. Das Originalvideo erzielte rund 1,7 Millionen Aufrufe; der fälschlicherweise zugeschriebene Ausschnitt beginnt bei Minute 2:34.

Ob letztlich der Verarbeitungsgrad an sich oder die oft damit einhergehende hohe Dichte an Kalorien, Fett und Zucker für gesundheitliche Risiken verantwortlich ist, bleibt Gegenstand der Forschung. Experten plädieren daher für eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährungsmustern statt einer isolierten Verurteilung industrieller Prozesse.

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de | wissenschaft | 70191007 |