Vagusnerv-Stimulation, Studie

Vagusnerv-Stimulation: Neue Studie reduziert Entzündungen bei Adipositas

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Bonner Uniklinikum testet tVNS gegen Entzündungen bei Adipositas. Neue Daten zeigen Potenzial bei Rheuma und im Wellness-Markt.

UKB-Studie: Vagusnerv-Stimulation gegen chronische Entzündungen
Nahaufnahme eines Patienten während einer nicht-invasiven Vagusnerv-Stimulationsbehandlung in einer medizinischen Klinik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studienlage zur transkutanen Vagusnerv-Stimulation am UKB

Im Bereich der klinischen Forschung zeichnen sich neue Entwicklungen zur Behandlung chronischer Entzündungsprozesse ab. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) untersucht im Rahmen der sogenannten Neuro-acsis-Studie im August 2026 den Einsatz der transkutanen Vagusnerv-Stimulation (tVNS).

Im Fokus steht dabei die Frage, inwieweit diese Methode dazu beitragen kann, Entzündungsmarker bei Patienten mit Adipositas signifikant zu reduzieren. Dieser Forschungsansatz stützt sich auf die Erkenntnis, dass der Vagusnerv eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Immunsystems und der körpereigenen Entzündungsreaktionen spielt.

Parallel dazu lieferte ein im August 2026 präsentiertes Evidenz-Update klinische Hinweise darauf, dass die Stimulation des Vagusnervs auch bei rheumatischen Erkrankungen therapeutisches Potenzial besitzt.

Dr. Laber wies in einer Fachpräsentation darauf hin, dass die Vagusnerv-Stimulation (VNS) die Entzündungswerte bei rheumatoider Arthritis senken kann. Dies könnte künftig eine ergänzende Therapieoption für Patienten darstellen, die unter chronischen Gelenkschmerzen leiden.

Medizintechnische Innovationen und Marktpotenzial

Neben nicht-invasiven Verfahren rücken auch innovative interventionelle Ansätze in den Fokus der Medizintechnik. Das Unternehmen Sedivention arbeitet an der Entwicklung eines Kryokatheters, der für eine Vagusnerv-Ablation im Magen konzipiert ist. Bei diesem Verfahren kommen Temperaturen von unter -80 °C zum Einsatz, um gezielt Nervenbahnen zu beeinflussen, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen.

Gleichzeitig werden taVNS-Geräte, wie beispielsweise von Nurosym, verstärkt in klinischen Studien zur autonomen Regulation sowie zur Behandlung von Schlafstörungen und Schmerzsyndromen geprüft.

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Während implantierte VNS-Systeme bereits seit Jahrzehnten etablierte Verfahren bei der Behandlung von Epilepsie und Depressionen sind, eröffnet die transkutane Anwendung einen breiteren Zugang für die Wellness- und Gesundheitswirtschaft.

Laut Daten des Global Wellness Institute erreichte dieser Sektor im Jahr 2024 ein Volumen von 6,8 Billionen US-Dollar. Prognosen gehen davon aus, dass dieser Markt bis zum Jahr 2029 auf etwa 9,8 Billionen US-Dollar anwachsen wird.

Breite klinische Beteiligung des Universitätsklinikums Bonn

Das UKB ist über die Neuro-acsis-Studie hinaus an weiteren internationalen Forschungsarbeiten beteiligt. In der Mitte August 2026 im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlichten COVALENT-Studie wurde die Effizienz verschiedener Intubationsmethoden bei 2.500 Patienten in sechs Kliniken analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Intubationserfolg bei der direkten Laryngoskopie bei 78,2 % lag, während die Macintosh-Video-Laryngoskopie 82,9 % und die hyperangulierte Video-Laryngoskopie 87,6 % erreichten.

Zudem wirkte das Klinikum an der ISLEND-1-Studie mit, die im New England Journal of Medicine (NEJM) thematisiert wurde. In dieser Untersuchung zu einer wöchentlich einzunehmenden HIV-Tablette mit den Wirkstoffen Islatravir und Lenacapavir erreichten 607 betroffene Erwachsene in zwölf Ländern nach einem Zeitraum von 48 Wochen eine Virussuppression von über 93 %.

Einfluss von Umweltfaktoren und alternative Ansätze

Ergänzende Forschungsarbeiten aus dem Jahr 2026 untersuchen die Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die vagale Aktivität. Studienautoren aus China belegten, dass der Aufenthalt in Grünflächen Stress über vagale Pfade reduziert, was durch eine erhöhte Herzratenvariabilität (HRV) und sinkende Cortisolwerte messbar war.

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Allerdings wurde in einer Pilotstudie in 50 Städten Ostchinas festgestellt, dass eine hohe Feinstaubbelastung (PM2.5) diese positiven emotionalen Effekte mindern kann.

Ein weiterer ansatz zur Aktivierung des cholinergen Systems wurde in einer experimentellen Studie an Mäusen beobachtet. Hier zeigte die Elektroakupunktur am Punkt ST36 (Zusanli) eine schützende Wirkung auf die Pankreasfunktion im Prädiabetes-Stadium, indem sie Zellstress und Alterungsprozesse der Beta-Zellen reduzierte.

Trotz der vielversprechenden Aussichten betonen Experten die Bedeutung von Sicherheitshinweisen. Vor einer Vagusnerv-Stimulation ist eine ärztliche Abklärung zwingend erforderlich, insbesondere bei Vorliegen von Herzrhythmusstörungen, der Nutzung von Herzschrittmachern, während einer Schwangerschaft oder bei bestehenden Hauterkrankungen im Stimulationsbereich.

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