Urlaub, Psychologe

Urlaub: 43% kehren schlecht erholt zurück – Psychologe erklärt warum

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAK-Report 2026 zeigt gute Urlaubserholung bei 86 Prozent, während Abschaltprobleme und berufliche Mehrarbeit die Regeneration bremsen.

Erholung im Urlaub: Warum Abschalten oft nicht gelingt
Ein einsamer Pfad in einem ruhigen Nadelwald bei Sonnenuntergang, der zur mentalen Erholung und Entschleunigung einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Urlaub und arbeitsfreie Tage gelten als wichtigste Instrumente, um neue Energie für den Berufsalltag zu schöpfen. Dennoch gelingt die beabsichtigte Regeneration nicht automatisch.

Der Psychologe Andrés Galemiri von der Organisation Prisma Psicología warnt vor dem Phänomen einer unproduktiven Urlaubsgestaltung: Aktivitäten wie ausgedehnte Serien-Marathons oder das fortlaufende Scrollen in sozialen Medien betäuben das Gehirn lediglich, anstatt die kognitiven Ressourcen nachhaltig wiederherzustellen.

Gezielte Pausen statt passiver Berieselung

Um eine tatsächliche Erholung zu erreichen, kommt es laut Galemiri auf die Art der vorliegenden Erschöpfung an. Liegt eine mentale Überlastung vor, sei eine gezielte kognitive Pause ratsam. Einfache Tätigkeiten wie Spazierengehen oder Kochen bieten dem Geist den nötigen Raum zur Entlastung.

Handelt es sich hingegen primär um eine emotionale Belastung, erweise sich der persönliche Kontakt zu Freunden als wirksames Mittel. Galemiri gibt zudem zu bedenken, dass nicht jede Person gleichermaßen von einer klassischen zweiwöchigen Urlaubsreise profitiert, um das persönliche Wohlbefinden wiederherzustellen.

Hohe Vor- und Nachbereitung belastet Erholungseffekt

Dass arbeitsfreie Phasen häufig nicht den gewünschten Effekt erzielen, verdeutlicht auch die empirische Forschung. Laut der Pronova-BKK-Befragung „Arbeit und Erholung“ aus dem April 2024, an der 1.202 Berufstätige ab 18 Jahren teilnahmen, kehren 43 Prozent der Beschäftigten schlecht bis mittelmäßig erholt an den Arbeitsplatz zurück. Konkret stuften sich 24 Prozent als wenig erholt und 19 Prozent als mittelmäßig erholt ein.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt in den Arbeitsspitzen unmittelbar vor und nach der Abwesenheit. Sechs von zehn Befragten berichteten von einer starken Mehrbelastung vor dem Urlaub, die im Schnitt acht Zusatzstunden umfasste. Nach der Rückkehr fielen knapp acht Überstunden an. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen summiert sich die Mehrarbeit vor und nach dem Urlaub sogar auf durchschnittlich 20 Stunden.

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In der Generation Z gaben über 50 Prozent an, schlecht erholt zurückzukehren, verbunden mit durchschnittlich 8,7 Zusatzstunden nach der Pause. Zudem fällt das mentale Abschalten schwer: 62 Prozent der Befragten denken bereits ein bis zwei Tage vor dem Ende der freien Zeit wieder an den Beruf. Bei Führungskräften liegt dieser Anteil bei 75 Prozent.

Bedingungen für eine gelungene Regeneration

Welche Faktoren für das Gelingen einer Auszeit ausschlaggebend sind, zeigt der DAK-Urlaubsreport 2026, für den das Forsa-Institut vom 21. bis zum 26. August 2026 insgesamt 1.003 Personen ab 14 Jahren befragte.

Demnach bewerteten 86 Prozent der Befragten ihre Erholung im Sommerurlaub als gut oder sehr gut. Lediglich 13 Prozent fühlten sich schlecht erholt, nach 14 Prozent im Jahr 2025.

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Hauptursachen für ein Ausbleiben des Erholungseffekts waren die Unfähigkeit abzuschalten (59 Prozent) sowie zwischenmenschlicher Stress mit Familie oder Freunden (24 Prozent). Auch das Alter spielt eine Rolle: Während bei den 30- bis 44-Jährigen 19 Prozent schlecht erholt waren, lag dieser Wert bei Personen ab 60 Jahren bei lediglich fünf Prozent.

Als wirksamste Erholungsfaktoren nannten die Befragten des DAK-Reports den Aufenthalt in Sonne und Natur (86 Prozent), einen Ortswechsel (76 Prozent), das Beisammensein mit der Familie (73 Prozent) sowie Zeit für sich selbst (69 Prozent). Stressabbau wurde von 69 Prozent als bedeutsam eingestuft, Bewegung von 70 Prozent und Sport von 58 Prozent.

Einen bewussten Handyverzicht gaben 27 Prozent als stützenden Faktor an. Trotz extremer Temperaturen – der Sommer 2026 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen – fühlten sich 77 Prozent durch Hitze ab 30 Grad wenig oder gar nicht beeinträchtigt, während 23 Prozent über starke Beeinträchtigungen klagten.

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