Urinieren, Sitzen

Urinieren im Sitzen oder Stehen: Studie findet bei gesunden Männern keinen Unterschied

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei gesunden Männern beeinflusst die Haltung Harnfluss und entleerte Menge kaum; bei Prostatabeschwerden könnte Sitzen Vorteile bieten.
Modernes, helles Badezimmer mit weißen Fliesen und minimalistischem Design. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage nach der optimalen Körperhaltung beim Urinieren beschäftigt Männer wie auch die Urologie seit langem. Eine im Fachjournal Neurourology and Urodynamics für das Jahr 2026 veröffentlichte randomisierte Crossover-Studie der Colombian Urology Research Group liefert dazu neue Erkenntnisse für gesunde Erwachsene.

Die Forscher untersuchten 52 gesunde Männer im Alter zwischen 18 und 39 Jahren, die weder unter Miktionsbeschwerden noch unter einer Prostatavergrößerung litten.

Zwischen den jeweiligen Testdurchläufen im Sitzen und im Stehen lag ein zeitlicher Abstand von mindestens 24 Stunden. Das Ergebnis der Messungen: Hinsichtlich des maximalen Harnflusses sowie des entleerten Volumens zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Haltungen.

Geringe Messunterschiede ohne klinische Relevanz

Als einzige statistische Abweichung registrierte das Forschungsteam um Juan Iregui-Parra, dass die Zeit bis zum Erreichen des maximalen Harnflusses im Stehen etwas länger ausfiel. Im Sitzen wurde dieser Maximalwert rund 3,32 Sekunden schneller erreicht. Die Autoren hielten diesen Befund zwar für statistisch signifikant, führten ihn jedoch teilweise auf einen statistischen Ausreißer zurück und stuften ihn als ohne klinische Relevanz ein.

Zudem wies die Arbeitsgruppe auf methodische Grenzen hin: Der Restharn nach der Entleerung wurde nicht direkt ermittelt, Männer mit Blasenproblemen oder Prostatavergrößerung waren nicht Teil der Kohorte, und eine Äquivalenzanalyse des maximalen Flusses fiel nicht signifikant aus.

Für gesunde Männer lautet das Fazit der Wissenschaftler daher, dass die Position frei gewählt werden kann. Auch Urologe Fatih Altunrende von der Medicana Health Group bewertete beide Varianten für gesunde Personen als unbedenklich.

Bedeutung bei Vergrößerung der Prostata und Beschwerden

Laut urologischen Fachinformationen tritt ab einem Alter von 50 Jahren häufig eine Prostatavergrößerung auf, die den Harnstrahl abschwächen kann. Die Colombian Urology Research Group merkte an, dass ältere Männer mit Prostatavergrößerung oder Urinproblemen vom Urinieren im Sitzen profitieren könnten, da dies mit weniger Pressen und weniger Urinspritzern einhergehen könne.

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Urologin Rena Malik merkte an, dass das Sitzen bei vergrößerter Prostata aus hygienischer Sicht praktischer sein könne, stufte dies jedoch als theoretischen Vorteil ein.

Urologe Akash Kapadia von Georgia Urology erläuterte, dass das Sitzen Betroffenen mit Entleerungsstörungen oder schwachem Strahl durch eine Entspannung des Beckenbodens helfen könne. Bei vergrößerter Prostata sei das Sitzen potenziell hilfreich, wenngleich die Forschungslage bezüglich einer Verringerung von Restharn begrenzt bleibe. Treten Symptome auf, rät Kapadia zur urologischen Abklärung.

Eine frühere Metaanalyse aus dem Jahr 2014 im Journal PLOS ONE, die elf Studien umfasste, kam zu einem ähnlichen Resultat: Während bei gesunden Männern kein Positionsunterschied bestand, war das Sitzen bei Männern mit Symptomen des unteren Harntrakts – etwa schwachem Strahl, häufigem Harndrang, Restharngefühl oder benigner Prostatahyperplasie ab 50 Jahren – mit einer vollständigeren Entleerung und weniger Restharn assoziiert.

Gleichzeitig existieren in der Fachwelt auch abweichende Perspektiven: Der Essener Urologe Dr. Tobias Jäger riet Männern dazu, möglichst im Stehen zu urinieren, da sich das Organ so besser entleere; verbleibender Resturin erhöhe das Risiko für Harnwegsinfekte sowie Blasensteine.

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Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 mit 194 Männern deutete ebenfalls auf Vorteile des Stehens bei vergrößerter Prostata hin, darunter ein schnellerer Fluss und geringere Restharnmengen.

Große kulturelle Unterschiede bei den Gewohnheiten

Unabhängig von physiologischen Parametern variiert das Miktionsverhalten international stark. Laut Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 33 Prozent der britischen Männer an, niemals im Sitzen zu urinieren.

In Deutschland gaben dagegen 40 Prozent an, dies stets im Sitzen zu tun, während 25 Prozent der australischen Männer regelmäßig die sitzende Haltung einnehmen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2023 mit über 7.000 Teilnehmern ermittelte, dass rund 10 Prozent der Männer in den USA und etwa 40 Prozent der Männer in Deutschland im Sitzen urinieren.

Eine kleinere Umfrage aus dem Jahr 2020 unter rund 200 Männern stellte fest, dass die Vorliebe für das Sitzen mit mehr Urinsymptomen einherging, lieferte dafür jedoch keinen Kausalitätsnachweis. Treten Anzeichen wie Startschwierigkeiten, ein schwacher Harnstrahl, unvollständige Blasenentleerung oder nächtlicher Harndrang auf, empfehlen Mediziner grundsätzlich eine ärztliche Untersuchung.

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