Ultraverarbeitete, Lebensmittel

Ultraverarbeitete Lebensmittel: Studie findet 40 Prozent höhere Odds für Hirnschäden

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 15:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine kanadische Querschnittsstudie verknüpft hohen Konsum mit mehr Gefäßveränderungen im Gehirn, belegt jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Ein moderner MRT-Scanner in einem klinischen Untersuchungsraum bei gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein regelmäßiger Verzehr von Fertiggerichten und industriell verarbeiteten Snacks steht im Verdacht, unbemerkt die Gefäßgesundheit des Gehirns zu beeinträchtigen.

Eine im Fachjournal JAMA Network Open Mitte Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung kanadischer Forscher der McMaster University deutet darauf hin, dass ein hoher Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel mit einem um 40 Prozent höheren Risiko für stille, symptomlose Hirnschäden einhergehen könnte.

Die Betroffenen verspürten dabei keine Beschwerden, obgleich Veränderungen an kleinen Blutgefäßen des Gehirns als frühe Vorboten von Schlaganfällen oder kognitiven Einschränkungen gelten.

MRT-Befunde belegen Gefäßveränderungen ohne Symptome

Grundlage der Querschnittsanalyse bildeten die Daten von 8783 Erwachsenen im Alter von 35 bis 69 Jahren, bei denen zu Untersuchungsbeginn keine kardiovaskulären Vorerkrankungen bekannt waren. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 57,7 Jahren, der Frauenanteil betrug 56,6 Prozent. Neben detaillierten Erhebungen der Ernährungsgewohnheiten wurden MRT-Aufnahmen des Gehirns sowie kognitive Tests ausgewertet.

In der Gruppe mit dem höchsten Konsum ultraverarbeiteter Nahrungsmittel lag die Prävalenz vaskulärer Hirnschäden bei 11,3 Prozent. In der Gruppe mit der geringsten Zufuhr waren es hingegen 8,1 Prozent, was einer Differenz von 3,2 Prozentpunkten entspricht.

Nach der statistischen Bereinigung um Einflussfaktoren wie Alter, Hypertonie, Diabetes, körperliche Aktivität, Rauchen und Einkommen errechneten die Wissenschaftler für die Spitzengruppe eine Odds Ratio von 1,40 gegenüber der Vergleichsgruppe mit dem niedrigsten Konsum.

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Die im MRT festgestellten Gewebeveränderungen traten den Befunden zufolge besonders häufig bei Personen auf, die vermehrt Limonaden, abgepackte Snacks und gezuckerte Cerealien konsumierten.

Konsummengen und deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Im Gesamtschnitt machten ultraverarbeitete Produkte rund 42 Prozent der täglichen Energiezufuhr und etwa 25 Prozent der täglich verzehrten Portionen aus.

Während Probanden in der niedrigsten Gruppe einen Median von 3,1 Portionen pro 2000 Kilokalorien aufwiesen – was rund 16 Prozent ihrer Portionen entsprach –, lag der Wert in der höchsten Konsumgruppe bei 12,8 Portionen pro 2000 Kilokalorien oder rund 45 Prozent der Gesamtration.

Pro fünf zusätzlicher Portionen ultraverarbeiteter Produkte je 2000 Kilokalorien erhöhten sich die Odds für vaskuläre Hirnschäden um 16 Prozent und für stille Hirninfarkte um 21 Prozent. Zugleich wiesen Teilnehmende der obersten Konsumgruppe im Schnitt 1,7 Prozentpunkte mehr Körperfett und 5,7 Milliliter mehr viszerales Fettgewebe auf.

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Bei der differenzierten Betrachtung traten deutliche geschlechtsspezifische Abweichungen zutage: Bei Frauen war ein hoher Verzehr mit um 78 Prozent höheren Odds für vaskuläre Schäden verbunden (Odds Ratio 1,78). Bei Männern erwies sich der Zusammenhang hingegen als statistisch nicht signifikant (Odds Ratio 1,08).

Keine Kognitionsdefizite in Tests und methodische Grenzen

Etablierte Tests für Gedächtnis und Denkvermögen, darunter der MoCA- und der DSST-Test, zeigten keinen konsistenten Zusammenhang mit dem Verzehr ultraverarbeiteter Produkte. Als Erklärung verweisen die Studienautoren auf einen möglichen Deckeneffekt, da mehr als 73 Prozent der Studienteilnehmer über einen Hochschulabschluss verfügten.

Die Forscherin Sonia Anand von der McMaster University und den Hamilton Health Sciences wies darauf hin, dass Verbindungen zwischen Ernährung und Hirngesundheit möglicherweise bereits im MRT sichtbar sein könnten, bevor sich spürbare oder messbare Einschränkungen der Denk- und Gedächtnisleistung einstellen.

Die Autoren betonen zugleich die methodischen Grenzen der Untersuchung: Da es sich um ein Querschnittsdesign ohne Nachbeobachtungszeitraum handelt, lassen die Daten keinen Rückschluss auf Ursache und Wirkung zu. Zudem variierte die Stärke der Assoziation je nach Methode der Konsummessung, weshalb künftige Langzeitstudien mit wiederholten MRT-Scans erforderlich seien.

Die Wissenschaftler raten ausdrücklich davon ab, aufgrund der Ernährungsgewohnheiten eigenständig ein MRT des Gehirns zu veranlassen. Auch beziehe sich der Wert von 40 Prozent ausschließlich auf die statistische Chance für das Vorliegen struktureller Gefäßveränderungen und stelle kein 40 Prozent höheres Schlaganfallrisiko dar.

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