Kilo, Krebsrisiko

Übergewicht: Schon 5 Kilo mehr erhöhen Krebsrisiko um 58%

22.06.2026 - 12:32:00 | boerse-global.de

Eine großangelegte Analyse belegt den Zusammenhang zwischen steigendem BMI und 19 Krebsarten. Forscher sehen zudem Potenzial in GLP-1-Medikamenten zur Prävention.

Meta-Studie: Fünf Kilo Übergewicht erhöhen Krebsrisiko massiv
Kilo - Eine stilisierte, leuchtende menschliche Silhouette, überlagert von abstrakten, verbundenen Datenpunkten und Linien in einer Forschungsumgebung. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Forscher identifizieren 19 Tumorarten im Zusammenhang mit Übergewicht.

Anzeige

Ab dem 50. Lebensjahr verliert der Körper kontinuierlich an Muskelmasse – ein Prozess, der oft unbemerkt die Gesundheit gefährdet. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 6 einfache Übungen, mit denen Sie von zuhause aus effektiv gegensteuern können. Gratis-PDF: Krafttraining ab 50 ohne Geräte

Systematische Risikoanalyse bei steigendem BMI

Das National Cancer Institute, das Imperial College London und die Johns Hopkins University werteten Daten aus 226 Studien aus. Die Analyse, veröffentlicht im Juni 2026 in Nature Metabolism, umfasst rund 1,5 Millionen Krebsfälle aus 23 Ländern.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Eine Zunahme des BMI um fünf Punkte steigert das Risiko für bestimmte Krebsarten drastisch. Den stärksten Anstieg verzeichnen die Forscher beim Gebärmutterkörperkrebs mit 58 Prozent. Beim Adenokarzinom der Speiseröhre liegt der Anstieg bei 47 Prozent.

Weitere signifikante Steigerungen zeigen sich bei Nierenkrebs (30 Prozent), Gallenblasenkrebs (27 Prozent) und Leberkrebs (20 Prozent). Die Studie identifiziert zudem vier Krebsarten, die bislang seltener mit Übergewicht in Verbindung gebracht wurden: Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom, Blasenkrebs und Gliom.

Geschlechtsspezifische Unterschiede treten unter anderem bei Darmkrebs auf: Bei Männern steigt das Risiko um 17 Prozent, bei Frauen um 6 Prozent. Bei Gallenblasenkrebs ist die Korrelation bei Frauen mit 33 Prozent deutlich stärker als bei Männern mit 13 Prozent.

Prädiabetes als entscheidender Faktor

Neben dem Körpergewicht rückt die Blutzuckerregulierung in den Fokus der Krebsprävention. Ein Fachkommentar in Nature Reviews Endocrinology vom Juni 2026 schlägt die Rückbildung eines Prädiabetes als zentrales Präventionsziel vor.

Basis ist unter anderem eine südkoreanische Kohortenstudie mit über sechs Millionen Teilnehmern. Sie belegt: Ein fortbestehender Prädiabetes erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Gallenblasenkrebs. Eine Normalisierung der Blutzuckerwerte senkt dieses zusätzliche Risiko auf das Niveau gesunder Personen.

Eine Langzeitstudie in Circulation untersuchte die Bedeutung des viszeralen Bauchfetts. Über zehn Jahre beobachteten Forscher aus Leipzig und von der Ben-Gurion-Universität 366 Probanden. Das Ergebnis: Eine Reduktion des viszeralen Fetts um 10 Prozent senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent – weitgehend unabhängig vom Gesamt-BMI. Als kritische Grenzwerte gelten 80 Zentimeter Taillenumfang bei Frauen und 94 Zentimeter bei Männern.

GLP-1-Medikamente: Hoffnung mit Nebenwirkungen

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid beeinflussen zunehmend die onkologische Forschung. Eine Analyse von 1,6 Millionen Patientendaten, thematisiert auf der ASCO-Jahrestagung und in JAMA Network Open, deutet auf eine Korrelation zwischen diesen Medikamenten und selteneren Diagnosen adipositasassoziierter Tumore hin.

Bei Patienten unter GLP-1-Therapie zeigte sich im Vergleich zu einer Insulinbehandlung ein Rückgang von Diagnosen bei Leber-, Darm-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. In einer spezifischen Studie mit 229.000 adipösen Erwachsenen sank das allgemeine Krebsrisiko für 13 Tumorarten um 41 Prozent. Beim Endometriumkarzinom lag die Reduktion sogar bei 58 Prozent.

Der Triple-Agonist Retatrutid befindet sich in der Entwicklung. In einer Phase-II-Studie mit 338 Probanden erzielte er über 48 Wochen einen Gewichtsverlust von bis zu 24,2 Prozent.

Doch die Erfolge haben Schattenseiten. Daten der Endocrine Society (ENDO 2026) zeigen: Die körperliche Aktivität kann unter GLP-1-Behandlung abnehmen. Bei 753 untersuchten Erwachsenen sank die tägliche Schrittzahl von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Die Zeit für intensive Bewegung verringerte sich von 28 auf 22 Minuten pro Tag – besonders bei Männern und Personen mit Gelenkschmerzen.

Anzeige

Besonders bei der Gewichtsabnahme und im Alter ist der Erhalt der Kraft entscheidend für die Gesundheit. Warum viele Menschen ab 50 bereits auf dieses einfache Heimtraining schwören, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report. 6 effektive Übungen für Zuhause jetzt kostenlos sichern

Muskelschutz als nächster Meilenstein

Pharmaunternehmen arbeiten an Wirkstoffen, die gezielt die Muskelmasse während der Gewichtsabnahme schützen sollen. Eli Lilly untersucht Bimagrumab in Kombination mit Ozempic. In einer Studie mit über 500 adipösen Patienten wurde ein Fettverlust von über 90 Prozent erreicht, während die Muskelmasse weitgehend erhalten blieb.

Auch AstraZeneca entwickelt mit SPX-001 einen Wirkstoff zum Erhalt fettfreier Masse. Ein weiterer Ansatz ist die Erhöhung des Ruheumsatzes durch Substanzen wie ATX-304. In einer Phase-I-Studie wurde eine Reduktion des viszeralen Fetts um 5 Prozent gemessen. Weiterführende Ergebnisse aus größeren Studien werden für Ende 2027 erwartet.

de | wissenschaft | 69602167 |