Übergewicht: EMA genehmigt Wegovy-Tablette statt Spritze
14.06.2026 - 19:32:36 | boerse-global.de
Pharmafirmen bringen neue Medikamente auf den Markt, Langzeitstudien liefern frische Erkenntnisse zur Ernährung. Der Trend geht weg von kurzfristigen Diäten hin zu langfristigen Strategien mit medikamentöser Unterstützung.
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Wegovy jetzt auch als Tablette
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat im Juni 2026 grünes Licht für die Wegovy-Tablette gegeben. Der Wirkstoff Semaglutid ist damit nicht mehr nur als Spritze verfügbar – in den USA ist die Tablette bereits seit Anfang des Jahres im Handel.
Prof. Dr. Hans Hauner von der Technischen Universität München erklärt die Unterschiede: Die wöchentliche Injektion wirkt stärker, die Tablette ist für viele Patienten aber bequemer. Allerdings erfordert sie Disziplin. Täglich muss sie auf nüchternen Magen eingenommen werden – nach mindestens acht Stunden Fasten. Danach heißt es weitere 30 Minuten warten vor der ersten Mahlzeit.
Zugelassen ist das Medikament für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht plus mindestens einer Begleiterkrankung. Typische Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Verstopfung.
Harvard-Studie: Es kommt auf die Qualität an
Eine neue Langzeituntersuchung stellt die Debatte um Low-Carb versus Low-Fat auf den Kopf. Die Harvard-Studie, veröffentlicht im Journal of the American College of Cardiology, begleitete rund 200.000 Teilnehmer über 30 Jahre.
Das Ergebnis: Für die Herzgesundheit ist nicht das Verhältnis der Makronährstoffe entscheidend, sondern die Qualität der Lebensmittel. Eine gesunde Ernährung – egal ob fett- oder kohlenhydratarm – zeichnet sich durch Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und gesunde Fette aus. Solche Konzepte senken das Risiko für koronare Herzkrankheiten. Varianten mit hochverarbeiteten Produkten und tierischen Fetten schneiden dagegen schlecht ab.
Jo-Jo-Effekt: Neue Bewertung alter Annahmen
Die Wissenschaftler Faidon Magkos (Mainz) und Norbert Stefan (Düsseldorf) haben den berüchtigten Jo-Jo-Effekt neu analysiert. Ihre Erkenntnis: Wiederholte Gewichtsschwankungen schädigen den Stoffwechsel bei Adipositas nicht dauerhaft.
Der Ruheenergieverbrauch bleibt stabil, Muskelmasse nimmt nicht überproportional ab, wenn die Kilos zurückkehren. Die gesundheitlichen Vorteile jeder Gewichtsabnahme – für Gelenke, Blutdruck und Blutzucker – überwiegen die Risiken. Ein ausgeprägter Jo-Jo-Effekt gilt eher als Indikator für instabile Lebensumstände denn als Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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Allerdings beeinflusst der individuelle Stoffwechseltyp, ob jemand sein Gewicht leicht oder schwer halten kann. Die Spanne reicht von „sparsam“ bis „verschwenderisch“.
Personalisierte Therapie auf dem Vormarsch
Die Individualisierung der Behandlung gewinnt an Fahrt. Das japanische Unternehmen BizGene testet genetische Testverfahren, die Marker für Fettstoffwechsel und Bewegungseigenschaften analysieren. Ziel: personalisierte Empfehlungen für jeden Patienten.
Anbieter wie INSUMED setzen auf die Kombination von Bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA) und persönlicher Beratung. Anfang Juni 2026 präsentierte die Bavarian Vitality GmbH ein neues Zwei-Phasen-System mit Algenöl und Spermidin – unterstützt von prominenten Markenbotschaftern.
Die Nachfrage nach professioneller Hilfe ist enorm. Fachpraxen für bariatrische Chirurgie und Adipositasmedizin, etwa in der Schweiz, berichten von Wartezeiten zwischen 12 und 14 Wochen für Ersttermine.
Experten empfehlen für eine dauerhafte Gewichtsreduktion ab 40 besonders eiweißreiche Ernährung und Krafttraining – zum Erhalt der Muskelmasse. Auch für religiöse Fastenzeiten wie den Ramadan gibt es spezifische Strategien gegen Heißhunger und für die Nährstoffversorgung.
