Ubers radikaler Plan: Millionen Fahrer werden zu Datenlieferanten
02.05.2026 - 19:00:51 | boerse-global.deDer Fahrdienst-Vermittler will sein globales Netzwerk in eine gigantische Datensammel-Maschine verwandeln – für die Zukunft des autonomen Fahrens.
SAN FRANCISCO. Uber Technologies schlägt ein völlig neues Kapitel auf. Statt nur Fahrten zu vermitteln, will der Konzern seine Millionen von Vertragsfahrern in mobile Daten-Hubs umrüsten. Das gab Chief Technology Officer Praveen Neppalli Naga heute auf der StrictlyVC-Konferenz in San Francisco bekannt. Die gesammelten Daten aus dem realen Straßenverkehr sollen die nächste Generation autonomer Fahrzeuge trainieren.
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Vom Marktplatz zur Datenfabrik
Der Plan ist eine radikale Abkehr von Ubers bisheriger Rolle als reiner Vermittler. Statt auf teure, eigene Testflotten zu setzen, will das Unternehmen die schiere Masse seiner Fahrer nutzen. Das Ziel: Dritte Anbieter von selbstfahrenden Systemen mit hochwertigen Trainingsdaten versorgen. Naga bezeichnete die Beschaffung dieser Daten als den „kritischsten Engpass" der gesamten Branche.
Ein Teil der Fahrer soll mit speziellen Sensoren und nach außen gerichteten Kameras ausgestattet werden. Diese „mobilen Daten-Hubs" sollen Millionen von Stunden an Verkehrsinformationen aufzeichnen: komplexe Kreuzungssituationen, widrige Wetterbedingungen oder seltene Szenarien wie Schulzonen. Im Fokus steht laut Unternehmensangaben ein „semantisches Verständnis der physischen Welt".
Bereits Anfang des Jahres kündigte Uber an, zunächst mit rund 50.000 globalen Flottenpartnern zusammenzuarbeiten, die mehrere Fahrzeuge auf der Plattform betreiben. Das Unternehmen baut zudem eine sogenannte „AV Cloud" auf – eine durchsuchbare Bibliothek mit beschrifteten Sensordaten, die Partner für ihre selbstfahrenden Systeme nutzen können.
Die NVIDIA-Allianz
Ein zentraler Baustein der neuen Strategie ist die vertiefte Zusammenarbeit mit dem Chipriesen NVIDIA. Ende 2025 und Anfang 2026 stellte Uber Pläne für eine „Robotaxi-Datenfabrik" vor, die auf der NVIDIA-Cosmos-Plattform basiert. Diese soll mehr als 3 Millionen Stunden spezialisierte Fahrdaten verarbeiten.
Die Partnerschaft nutzt NVIDIA's DGX Cloud und generative KI-Modelle, um reale Uber-Fahrten in hochwertiges Trainingsmaterial zu verwandeln. Dabei läuft die Software der Partner im „Schattenmodus" während normaler Fahrten mit. Ingenieure können so Abweichungen zwischen KI-Entscheidungen und menschlichem Verhalten erkennen – ohne dass dafür zusätzliche autonome Fahrzeuge auf der Straße sein müssen.
Im Februar 2026 launchte Uber offiziell „Uber Autonomous Solutions", ein Paket aus digitalen und physischen Werkzeugen – inklusive Kartierung, regulatorischem Zugang und Finanzierung – um Partnern wie Waabi, WeRide und Avride den Markteintritt zu erleichtern.
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Vom Vermittler zum Fahrzeugbesitzer
Obwohl Uber an seiner Plattformstrategie festhält, bewegt sich das Unternehmen zunehmend in Richtung eines „hybriden Asset-Modells". In den letzten Monaten hat Uber erhebliche Kapitalzusagen gemacht, um eine eigene Flotte autonomer Fahrzeuge zu sichern. Dazu gehören:
- 300 Millionen Euro (300 Millionen Dollar) in Lucid Group für mindestens 20.000 autonome Gravity-SUVs mit Nuro-Technologie
- 300 Millionen Euro (300 Millionen Dollar) in Rivian für 10.000 R2-SUVs
- Ein Milliarden-Deal mit dem kanadischen Robotaxi-Unternehmen Waabi für 25.000 Fahrzeuge
Bis Ende 2026 will Uber autonome Fahrdienste in mindestens zehn neuen Märkten starten, darunter Houston, Madrid und Zürich. Diese speziellen Flotten sollen neben dem bestehenden Fahrernetzwerk arbeiten und ein abgestuftes Ökosystem schaffen.
Der Schritt in Richtung Fahrzeugbesitz markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende, seit Uber 2020 seine interne Abteilung für autonomes Fahren (ATG) an Aurora verkaufte. Mit strategischen Beteiligungen an Aurora und Investitionen in bevorstehende Börsengänge von Firmen wie Pony.ai sichert sich Uber breit ab.
Datenschutz und Wettbewerbsdruck
Die schiere Menge der Datensammlung hat Uber dazu veranlasst, einen eigenen „Road Data Collection Privacy Hub" einzurichten. Das Unternehmen verpflichtet sich, in allen Aufnahmen Gesichter und Kennzeichen unkenntlich zu machen. Die Daten sollen nur mit geprüften Partnern geteilt werden. Die Sensoren blicken ausschließlich nach außen und überwachen weder das Fahrzeuginnere noch die Identität der Passagiere.
Die Datenoffensive kommt zu einer Zeit, in der der Wettbewerb mit Waymo immer intensiver wird. Obwohl beide Unternehmen Anfang 2025 ihre Partnerschaft auf Städte wie Austin und Atlanta ausweiteten, deuten Marktdaten auf eine zunehmende „strategische Trennung" hin. In Städten wie San Francisco, wo Waymo einen wachsenden Anteil der Fahrdienst-Einnahmen erobert, zieht Uber nun mit eigenen Lucid-Nuro-Robotaxis in den direkten Wettbewerb.
Die jüngsten Finanzzahlen unterstreichen die Notwendigkeit dieser Entwicklung. 2024 stieg Ubers Umsatz um fast 18 Prozent auf rund 44 Milliarden Dollar, der Nettogewinn erreichte 9,86 Milliarden Dollar. Um dieses Wachstum zu halten, setzt das Unternehmen darauf, dass der Wandel vom reinen Software-Marktplatz zum datenreichen Ökosystem der entscheidende Treiber für die Bewertung sein wird.
Ausblick: 100.000 autonome Fahrzeuge bis 2027
Ubers Ziel ist es, bis 2029 der weltweit größte Vermittler autonomer Fahrten zu werden. Bis 2027 soll die globale Flotte auf 100.000 Fahrzeuge anwachsen. Aktuell bereitet das Unternehmen Pilotprojekte in Tokio mit Nissan und Wayve vor, sowie einen kommerziellen Start in Zagreb in Zusammenarbeit mit Pony.ai und Verne.
Während die Branche von regelbasierten Systemen zu maschinellem Lernen übergeht, könnte Ubers Fähigkeit, einen kontinuierlichen Strom realer „Physical AI"-Daten zu liefern, am Ende wertvoller sein als die Hardware selbst. Der Erfolg dieser Strategie wird davon abhängen, ob das Unternehmen den Spagat zwischen globalen Regulierungen schafft und beweisen kann, dass ein plattformgeführtes Datennetzwerk die geschlossenen Systeme von Konkurrenten wie Tesla oder Waymo übertreffen kann.
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