Typ-2-Diabetes: Kombiniertes Ernährungs- und Bewegungsprogramm erzielt 54 Prozent Remission
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine strukturierte Kombination aus kalorienreduzierter Ernährung und gezielter Bewegung kann bei jüngeren Erwachsenen mit Adipositas und beginnendem Typ-2-Diabetes zu einer Remission der Erkrankung führen. Das belegen klinische Daten einer gemeinsamen Untersuchung der Universitäten Leicester, McGill und Alberta, die am 30. September 2026 beim Kongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) in Mailand vorgestellt und im Fachjournal The Lancet Regional Health Americas publiziert wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen das therapeutische Potenzial früher nichtmedikamentöser Maßnahmen.
Deutliche Remissionsraten durch kombiniertes Programm
An der randomisierten, offenen Studie mit verblindeter Auswertung nahmen 96 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren teil, die an drei Zentren in England und Kanada behandelt wurden.
Die Teilnehmenden wiesen Adipositas sowie einen früh diagnostizierten Typ-2-Diabetes auf und benötigten keine Insulintherapie. Für die Untersuchung wurden 24 Frauen und 26 Männer der Interventionsgruppe sowie 21 Frauen und 25 Männer der Kontrollgruppe zugewiesen.
Das Interventionsprogramm umfasste in den ersten zwölf Wochen eine tägliche Energiezufuhr von 800 bis 900 Kilokalorien mittels Mahlzeitenersatz, aufgeteilt in 30 Prozent Protein, 50 Prozent Kohlenhydrate und 20 Prozent Fett.
Begleitend absolvierten die Probanden zweimal wöchentlich ein betreutes Aerobic- und Krafttraining sowie eine eigenständige Trainingseinheit pro Woche. In den Wochen 13 bis 24 folgte eine Phase zur Gewichtserhaltung.
Nach 24 Wochen erreichten 27 von 50 Personen (54 Prozent) in der Interventionsgruppe eine Remission, definiert als HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent (48 mmol/mol) ohne blutzuckersenkende Medikation über mindestens zwölf Wochen.
In der Kontrollgruppe unter Standardversorgung gelang dies lediglich 2 von 46 Personen (4 Prozent). Bereinigt ergab sich in der Interventionsgruppe eine 21-fach höhere Chance auf eine Remission.
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Körperzusammensetzung und kardiometabolische Effekte
Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe verzeichneten im Schnitt einen um 7,5 Kilogramm höheren Gewichtsverlust als die Kontrollgruppe, was 18,5 Pfund gegenüber 2,6 Pfund entsprach. Davon entfielen 6,6 Kilogramm (14,5 Pfund) auf reine Fettmasse, während der mittlere Gewichtsverlust bei rund 7 Prozent lag. Muskelmasse und Muskelkraft blieben während des Programms erhalten.
Zusätzlich zeigten sich Verbesserungen beim Blutdruck, den Triglyceriden und der Insulinempfindlichkeit sowie eine Reduktion des Fettgehalts in Leber und Bauchspeicheldrüse. Unerwünschte Ereignisse traten bei 43 von 50 Personen der Interventionsgruppe und bei 6 von 46 Teilnehmenden der Kontrollgruppe auf. Diese Beschwerden – überwiegend Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit – traten vor allem in der Anfangsphase auf.
Einordnung und klinische Rahmenbedingungen
Fachleute betonen bei der Einordnung der Ergebnisse, dass eine Remission das Vorliegen normaler Blutzuckerwerte ohne Medikamente über einen definierten Zeitraum beschreibt, jedoch keine dauerhafte Heilung darstellt. Bei einer erneuten Gewichtszunahme ist ein Rückfall möglich. Zudem erfolgte die Studie in einem engmaschig organisierten Umfeld mit einer begrenzten Teilnehmerzahl, weshalb Langzeitdaten noch ausstehen.
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Die Erkenntnisse decken sich mit übergeordneten Leitlinienempfehlungen. Die Arbeitsgruppe der Fachgesellschaften ADA und EASD stellte beim Kongress in Mailand einen aktualisierten Konsens für 2026 vor, der den Lebensstil als Basis jeder Behandlung betont.
Auch nationale Fachgesellschaften verweisen darauf, dass intensive Lebensstilinterventionen bereits im Vorstadium des Diabetes Organfett reduzieren und das Erkrankungsrisiko langfristig deutlich senken können.
