Transfette: WHO empfiehlt höchstens 2,2 Gramm täglich bei 2000 kcal
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachleute warnen eindringlich vor den gesundheitlichen Gefahren gehärteter Fette für das Herz-Kreislauf-System. Zur gezielten Prävention von Gefäßerkrankungen empfehlen Experten eine konsequente Reduktion dieser Stoffe in der täglichen Ernährung.
Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit zu den häufigsten Todesursachen zählen, durch den Lebensstil und die Ernährungsweise jedoch beeinflussbar bleiben, rückt die Fettzusammensetzung in verarbeiteten Nahrungsmitteln verstärkt in den Fokus kardiologischer Bewertungen.
Mechanismen und Gefahren für die Gefäßgesundheit
Dr. Bassem Abdelhalim, Kardiologe und Spezialist für interventionelle Kathetereingriffe, stuft gehärtete Fette – sogenannte Transfette – als eine der gefährlichsten Fettarten für das menschliche Herz ein, da sie das Auftreten von Herz- und Gefäßerkrankungen begünstigen.
Bei der industriellen Härtung werden flüssige, ungesättigte Fette unter Zugabe von Wasserstoff in feste, gesättigte Fette umgewandelt. Abdelhalim rät dazu, die Zufuhr dieser Fette möglichst vollständig zu vermeiden.
Transfette entstehen vor allem bei der industriellen Teilhärtung von Pflanzenölen. Auf biologischer Ebene greifen sie ungünstig in den Fettstoffwechsel ein: Sie erhöhen das gefäßschädigende LDL-Cholesterin und senken zugleich das schützende HDL-Cholesterin. Durch diese Verschiebung wird die Entstehung von Arteriosklerose gefördert.
Eine langfristig übermäßige Aufnahme von Transfettsäuren begünstigt überdies eine Gewichtszunahme sowie das Entstehen von Ablagerungen in den Gefäßwänden. Lösen sich solche Plaques ab, droht ein akuter Herzinfarkt in den Herzkranzgefäßen oder ein Hirninfarkt in den Hirngefäßen. Auch zur Senkung von Triglyceriden wird die Reduzierung von Transfetten angeraten.
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Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind industriell hergestellte Transfette weltweit für über 278.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Die Organisation empfiehlt daher, die Zufuhr von Transfetten auf weniger als 1 % der gesamten täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Bezogen auf eine Richtgröße von 2000 kcal entspricht dies weniger als rund 2,2 g pro Tag.
Versteckte Quellen in verarbeiteten Lebensmitteln
Im Alltag finden sich Transfette häufig in industriell hochverarbeiteten Produkten. Zu meiden sind gesättigte Fette und Transfette unter anderem in fettem Fleisch, Wurstwaren, Fastfood sowie Konditorfetten.
Pflegerin Tan Dun-Ci vom Chang Gung Memorial Hospital rät ebenfalls dazu, Transfette und gesättigte Fette zu drosseln. Sie verweist darauf, dass teilgehärtete Pflanzenöle in Gebäck, Blätterteig und frittierten Speisen das LDL-Cholesterin steigern und das HDL-Cholesterin verringern.
Transfettsäuren verbergen sich in Zutatenlisten oft hinter Bezeichnungen wie hydriertes Pflanzenöl, Kakaobutterersatz, Kunstbutter oder Margarine, Backfett beziehungsweise Shortening sowie Kaffeeweißer und Pflanzensahne. Zudem entstehen sie nicht nur in industriellen Prozessen: Starkes Erhitzen von Speiseöl bis zum Rauchpunkt sowie wiederholtes Frittieren erzeugen selbst bei anfänglich guter Ölqualität große Mengen an Transfettsäuren.
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Verbrauchern wird empfohlen, beim Einkauf verpackter Lebensmittel sowohl die Zutatenliste als auch die Nährwerttabelle zu prüfen. Findet sich dort der Hinweis auf teilweise gehärtetes Pflanzenfett, deutet dies auf das Vorhandensein von Transfetten hin, weshalb Produkte mit geringeren Transfettgehalten gewählt werden sollten.
Unterscheidung von industriellen und natürlichen Transfetten
In der wissenschaftlichen Debatte wird zunehmend zwischen industriell erzeugten und natürlich vorkommenden Transfetten differenziert. Forscher der University of Reading stellten fest, dass sich natürliche Transfette aus Produkten von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen und Schafen biologisch anders verhalten als jene aus industriell teilgehärteten Pflanzenölen.
Während Industrietransfette das LDL-Cholesterin erhöhen und das HDL-Cholesterin senken, zeigten natürliche Transfette aus Milch, Milchprodukten und Käse in der Analyse keinen Einfluss auf den Cholesterinspiegel.
Prof. Ian Givens hob in diesem Kontext hervor, dass Transfette aus Lebensmitteln wie Milch, Joghurt, Butter oder Käse nicht mit industriell teilgehärteten Fetten gleichzusetzen seien. Eine Furcht vor natürlichen Transfetten sei unbegründet, während industrielle Varianten konsequent vermieden werden sollten.
Bei der Einordnung der Analyse der University of Reading ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Arbeit vom US National Dairy Council finanziert wurde und einige Autoren für Organisationen der Milchindustrie tätig sind oder Zuwendungen von diesen erhalten. Zudem beruhen die Erkenntnisse auf Kohortenstudien, die Zusammenhänge abbilden, aber keine Kausalität nachweisen.
