THC gegen Albträume: Charité-Studie zeigt 3,7-Punkte-Reduktion
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 18:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Krankschreibungen wegen psychischer Belastungen erreichen einen Höchststand. Die Forschung sucht derweil nach neuen Therapien – von THC gegen Albträume bis zu Abnehmspritzen gegen Schlafapnoe.
Rekord bei psychischen Diagnosen
Die Zahlen sind alarmierend: Knapp 119 Krankentage pro 100 Versicherte entfielen 2025 auf akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Die KKH verzeichnet damit einen Anstieg um rund 80 Prozent gegenüber 2017, als der Wert noch bei 66 Tagen lag.
Fachärzte machen vor allem die moderne Arbeitswelt verantwortlich. Ständige Erreichbarkeit über Laptop und Smartphone wirke als signifikanter Stressor. Besonders der „unsichtbare Stress" durch unklare Arbeitsprozesse belaste Beschäftigte zunehmend – und begünstige Schlafstörungen.
THC gegen Albträume: Studie der Charité zeigt Erfolg
Könnte Cannabis bei posttraumatischen Belastungsstörungen helfen? Eine Studie der Berliner Charité, veröffentlicht Anfang August in „Nature Medicine", untersuchte genau das. 171 Probanden erhielten zehn Tage lang täglich 2,5 bis 15 Milligramm Dronabinol (THC).
Das Ergebnis: Die Albtraumlast sank in der THC-Gruppe um 3,7 Punkte auf einer achtstufigen Skala, in der Placebo-Gruppe nur um 2,2 Punkte. Bei über einem Drittel der Teilnehmer verschwanden die Albträume vollständig – schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Abnehmspritzen gegen Schlafapnoe?
Beim 18. Sleep and Breathing-Symposium in Regensburg diskutierten Experten Anfang August einen weiteren Ansatz: GLP-1-Rezeptoragonisten wie Tirzepatid. Die Medikamente könnten bei Schlafapnoe-Patienten mit Adipositas helfen, da Gewichtsverlust ein zentraler Therapieschritt ist.
Die Charité-Studie zeigt: THC kann Albträume bei PTBS deutlich reduzieren – ein Hoffnungsschimmer für viele Betroffene. Doch auch ohne Medikamente können Sie Ihren Schlaf verbessern. Unser kostenloser Ratgeber liefert Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse der Studie und praktische Tipps für erholsame Nächte. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Unbehandelte Schlafapnoe ist kein harmloses Schnarchproblem. Fachmediziner warnen: Sie erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle massiv.
Schon 80 Minuten weniger Schlaf haben Folgen
Wie empfindlich der Körper auf Schlafmangel reagiert, zeigt eine Studie der Columbia University in den „Annals of Internal Medicine". 95 Erwachsene schliefen sechs Wochen lang durchschnittlich 80 Minuten weniger pro Nacht. Das Resultat: etwa ein Pfund Gewichtszunahme und erhöhte Inaktivität.
Bei Frauen mit kardiometabolischem Risiko stieg zudem die Insulinresistenz – ein Vorbote für Typ-2-Diabetes.
Hitze verschärft die Lage zusätzlich. Die AOK verzeichnet bei Temperaturen über 30 Grad fünf Prozent mehr Notaufnahmen wegen psychischer Erkrankungen. Hitze erschwert die Thermoregulation, kann Aggressivität steigern und lässt während extremer Hitzewellen die Suizidrate ansteigen. In Großbritannien ist die Wahrscheinlichkeit für Temperaturen über 40 Grad im Vergleich zu den 1960er Jahren um das Zwanzigfache gestiegen.
Was helfen kann: Schlafhygiene und Ballaststoffe
Schlafmangel kann auf Dauer krank machen – und sogar das Gewicht beeinflussen. Wer nachts nicht zur Ruhe kommt, sollte die Ursachen kennen. Unser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit Schlafhygiene und der richtigen Ernährung Ihre Schlafqualität verbessern können. Schlaf-Ratgeber jetzt sichern
Fachleute empfehlen eine konsequente Schlafhygiene: Licht vor der Nachtruhe dimmen, feste Aufstehzeiten einhalten und bei Hitze Wärmequellen im Schlafzimmer vermeiden. Wer mehrmals wöchentlich nicht einschlafen kann, tagsüber müde ist oder Atemaussetzer beim Schnarchen bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.
Auch die Ernährung beeinflusst die Psyche – über die Darm-Hirn-Achse. Rund 90 Prozent des Botenstoffs Serotonin entstehen im Darm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Der Durchschnitt in Deutschland liegt jedoch nur bei 18 bis 19 Gramm. Eine ballaststoffreiche Ernährung könnte damit zur psychischen Stabilität beitragen.
