Tagschlaf im Alter: Studie verknüpft tägliche Nickerchen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßiger Tagschlaf im höheren Lebensalter steht in einem deutlichen Zusammenhang mit kognitiven Einschränkungen. Eine Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health zeigt, dass fast tägliches oder tägliches Schlafen am Tag bei älteren Erwachsenen mit einer signifikanten Risikoerhöhung für Demenzerkrankungen einhergeht.
Die in der Fachzeitschrift The Journal of Gerontology: Medical Sciences veröffentlichte Forschungsarbeit liefert wichtige Anhaltspunkte dafür, wie Schlafverhaltensweisen als Frühindikatoren für neurodegenerative Prozesse dienen können.
Deutlich erhöhtes Risiko bei täglichen Ruhephasen
Für die Erhebung wurden 995 US-amerikanische Medicare-Versicherte im Alter ab 65 Jahren untersucht. Alle Teilnehmenden waren zu Beginn des Erfassungszeitraums im Jahr 2013 frei von Demenzsymptomen und wurden über einen Zeitraum von rund zehn Jahren bis 2023 beobachtet.
Die Auswertung ergab, dass Personen mit häufigen Nickerchen – definiert als fast täglich oder täglich – ein um 48 % höheres Demenzrisiko aufwiesen als Probanden, die tagsüber selten oder nie schliefen.
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Die statistischen Modelle berücksichtigten dabei demografische Faktoren, den allgemeinen Gesundheitszustand sowie die Qualität des nächtlichen Schlafs. Insgesamt entwickelten im Beobachtungszeitraum 42 % der Teilnehmenden eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz. Unter den Personen mit häufigem Tagschlaf zeigten rund 50 % Anzeichen einer Demenz, verglichen mit etwa 38 % bei den Nicht-Schlafenden.
Selbst nach dem methodischen Ausschluss jener Demenzfälle, die bereits in den ersten fünf Jahren der Beobachtung aufgetreten waren, blieb der Zusammenhang stabil. Bei Personen mit täglichem Tagschlaf stieg das Risiko in dieser bereinigten Analyse sogar auf 75 %.
Dauer und Spontaneität des Tagschlafs entscheidend
Neben der Frequenz erwies sich auch die Art des Einschlafens als relevanter Faktor. Unbeabsichtigtes Einschlafen während des Tages war mit einem um 39 % höheren Demenzrisiko verbunden. Bei geplanten oder nur seltenen Ruhephasen zeigte sich hingegen kein statistischer Zusammenhang mit späteren kognitiven Einbußen.
Hinsichtlich der Schlafdauer wiesen Nickerchen von bis zu 30 Minuten Dauer ein um 40 % höheres Risiko auf. Bei Ruhephasen, die mehr als 30 Minuten umfassten, schwächte sich dieser Zusammenhang nach der rechnerischen Einbeziehung der Nachtschlafqualität ab.
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Kausalität und Bedeutung für die Vorsorge
Das Forschungsteam ordnet die Resultate mit Bedacht ein: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, deren Daten auf Selbstauskünften der Versicherten basieren und nicht auf standardisierten klinischen Schlafuntersuchungen. Ein kausaler Zusammenhang lasse sich daraus nicht zwingend ableiten.
Vielmehr deuten die Fachleute darauf hin, dass häufiges oder ungeplantes Einnicken ein frühes Warnzeichen oder ein Frühmarker für beginnende Gedächtnisprobleme sein könnte. Der Zusammenhang zwischen veränderten Schlafgewohnheiten und neurodegenerativen Veränderungen wird als wahrscheinlich bidirektional eingestuft.
Vor dem Hintergrund, dass in den Vereinigten Staaten schätzungsweise 6,9 Millionen ältere Menschen mit Demenz leben und bis zum Jahr 2060 eine Verdopplung prognostiziert wird, betonen die Autoren die praktische Relevanz der Ergebnisse. Sie fordern, die Erfassung von Schlafmustern und gezielte Schlafanamnesen künftig standardmäßig in medizinische Vorsorgeuntersuchungen für ältere Menschen einzubinden.
