Sturzrisiko, Tai-Chi

Sturzrisiko im Alter: Tai-Chi und Yoga senken Frakturgefahr um 42 Prozent

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nasses Laub erhöht die Sturzgefahr für Ältere. Studien zeigen Vorteile von Kraft- und Gleichgewichtstraining; Wohnraumanpassungen können Risiken senken.

DGOU warnt vor Sturzgefahren im Herbst und empfiehlt gezieltes Training
Ein nasser, mit herbstlichem Laub bedeckter Gehweg aus Kopfsteinpflaster bei bedecktem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts des nahenden Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) auf die spezifischen Gefahren der Herbstmonate hin.

Faktoren wie Nässe, früh einsetzende Dunkelheit und herabgefallenes Laub erhöhen das Risiko für Unfälle im öffentlichen Raum erheblich. DGOU-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand verglich die Wirkung von nassem Laub auf Gehwegen in diesem Zusammenhang mit der Glätte von Schmierseife.

Sturzrisiken und gesundheitliche Folgen im Alter

Stürze aus dem Stand werden oft unterschätzt, können jedoch bei älteren Menschen schwerwiegende Konsequenzen haben. Neben Oberschenkelhalsbrüchen zählen schwere Kopfverletzungen zu den häufigsten Folgen.

Daten des TraumaRegister DGU belegen die Relevanz dieses Themas: Bei Personen über 80 Jahren stellen Stürze aus niedriger Höhe die häufigste Ursache für schwere Verletzungen dar. Das Register erfasst jährlich rund 25.000 schwer verletzte Unfallopfer.

Prof. Dr. Carl Neuerburg, Leiter der Sektion Alterstraumatologie bei der DGOU/DGU, betonte, dass eine Einschränkung der Mobilität aus Angst vor einem Sturz meist der falsche Weg sei.

Ein Rückzug aus der Bewegung führe zum Verlust von Muskelkraft und Gleichgewichtssinn, was das langfristige Sturzrisiko sogar steigere. Nach einem schweren Sturz müsse das Ziel daher nicht nur die Behandlung des Knochenbruchs sein, sondern der Erhalt der Selbstständigkeit und die Vermeidung von Folgestürzen.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zur Knochengesundheit

Wissenschaftliche Analysen untermauern die Bedeutung gezielter Belastung für die Stabilität des Skeletts. Eine im September 2026 im British Medical Journal veröffentlichte Meta-Analyse zeigt, dass Krafttraining und hochimpaktive Belastungen die Knochenmineraldichte am effektivsten steigern.

Demnach ist schweres Training mit 70 bis 85 Prozent des Einwiederholungsmaximums für die Knochengesundheit wertvoller als moderates Training mit höheren Wiederholungszahlen. Ausdauersportarten wie Radfahren oder Schwimmen schnitten in Bezug auf die Knochendichte schlechter ab.

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Ergänzend dazu wertete die Nanjing University in einer im BMJ erschienenen Studie Daten von über 18.000 Erwachsenen ab 40 Jahren aus. Die besten Effekte auf die Knochendichte zeigten sich bei zügigem Gehen oder Joggen sowie der Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining.

Ein optimaler Nutzen werde ab einem Schwellenwert von rund 600 MET-Minuten pro Woche erreicht, was etwa zwei bis drei Stunden zügigem Spazieren entspricht. Mind-Body-Übungen wie Tai-Chi und Yoga steigerten die Knochendichte zwar nur mäßig, senkten das Frakturrisiko jedoch signifikant um 42 Prozent.

Präventive Ansätze und therapeutische Unterstützung

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 belegt, dass die Beseitigung von Gefahren im direkten Wohnumfeld das Sturzrisiko bei gefährdeten Personen um 38 Prozent senken kann. Die NICE-Leitlinie empfiehlt hierfür ein Bündel an Maßnahmen, darunter strukturierte Bewegungsprogramme, Medikationschecks und augenärztliche Abklärungen.

Hausärzte und Orthopäden haben die Möglichkeit, eine Heilmittelverordnung für Ergotherapie mit dem Vermerk „Umfeldberatung“ auszustellen, sofern eine akute Sturzgefährdung vorliegt. Diese ist gegeben, wenn Unsicherheit beim Gehen, Sturzangst oder ein Sturz in den letzten zwölf Monaten dokumentiert wurden.

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Ergotherapeuten führen in diesem Rahmen Hausbesuche von etwa 120 Minuten Dauer durch, um gemeinsam mit Patienten und Angehörigen Risiken zu minimieren. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin rät zudem zu einer jährlichen Befragung älterer Patienten im Rahmen eines geriatrischen Assessments.

Praktische Trainingsempfehlungen für den Alltag

Experten raten zu einem Mix aus Kraft-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen. Gesundheitspsychologin Michaela von der Nahmer zeigt in ihrem Werk „Der Gleichgewichts-Code“, dass bereits minimale Interventionen Wirkung zeigen können. Eine von ihr durchgeführte Feldstudie ergab, dass drei gezielte Gleichgewichtsimpulse von jeweils einer Minute pro Tag funktionelle Beschwerden um rund ein Drittel verringern konnten.

Für die körperliche Stabilität im Freien empfiehlt die DGOU zudem rutschhemmende Schuhe, die Nutzung von Handläufen und eine gute Beleuchtung der Gehwege. Falls erforderlich, sollten Gehhilfen wie Rollatoren oder Gehstöcke konsequent eingesetzt werden.

Zur Förderung der allgemeinen Fitness im häuslichen Umfeld können laut Fachberatern auch Pedaltrainer für Senioren dienen, die wetterunabhängige Bewegung im Sitzen ermöglichen; entsprechende Modelle sind für etwa 79,99 EUR erhältlich.

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