Sturzrisiko, Person

Sturzrisiko ab 80: Fast jede zweite Person stürzt im Laufe eines Jahres

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden Mehrfachmedikation und bestimmte Arzneimittel mit erhöhter Sturzgefahr; auch Pflegefehler und Angehörigenbelastung sind verbreitet.

Sturzrisiko im Alter: Studie zeigt Zusammenhänge mit Medikamenten
Ein heller, minimalistischer Krankenhausflur mit einem Handlauf an der Wand bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland stürzt fast jeder zweite Mensch ab 80 Jahren mindestens einmal im Jahr. Wie die im Bundesgesundheitsblatt erschienene Längsschnittstudie „Gesundheit 65+“ (DOI: 10.1007/s00103-026-04290-y) darlegt, stellen sturzrisikosteigernde Medikamente – sogenannte FRID-Präparate – einen wesentlichen Risikofaktor dar und können krankheitsbedingte Gebrechlichkeit zusätzlich verstärken. Die Untersuchung beleuchtet das Zusammenspiel von Mehrfachmedikation und Sturzereignissen in der älteren Bevölkerung.

Ergebnisse der Längsschnittstudie „Gesundheit 65+“

Nach den Erhebungen der Studie stürzten unter den Menschen ab 80 Jahren zu Befragungsbeginn 38,1 Prozent innerhalb der vorherigen 12 Monate. Ein Jahr später lag dieser Anteil bereits bei 46,7 Prozent, wobei auch Mehrfachstürze zunahmen. Nahezu jede zweite hochbetagte Person nahm mindestens fünf Medikamente gleichzeitig ein, und viele von ihnen erhielten mindestens ein FRID-Präparat.

Die Einnahme sturzrisikosteigernder Arzneimittel war zunächst mit einem nahezu doppelt so hohen Sturzrisiko verbunden. Nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren erwiesen sich Harninkontinenz, Sehprobleme und depressive Symptome als relevante Risiken.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von fünf oder mehr Präparaten können Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zunehmen. Zu den problematischen Wirkstoffgruppen zählen Sedativa und Schlafmittel, Psychopharmaka und Antidepressiva sowie Blutdrucksenker, Diuretika und Opioide.

Die Studienautoren empfehlen daher eine multidimensionale Prävention, regelmäßige Medikationsprüfungen, einen jährlichen Medikations-Check sowie einen aktuellen bundeseinheitlichen Medikationsplan für Personen, die mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen.

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Erhöhte Sturzgefahr durch Psychopharmaka in Pflegeheimen

Die Risiken einer Polypharmazie spiegeln sich auch im stationären Bereich wider. Eine Meta-Analyse von 20 Beobachtungsstudien zu Psychopharmaka in Pflegeheimen belegt erhöhte Sturz-Odds bei älteren Bewohnern.

Demnach zeigten typische Antipsychotika eine Odds Ratio (OR) von 1,66 (95%-Konfidenzintervall 1,25–2,21) und atypische Antipsychotika eine OR von 1,78 (1,48–2,13). Für langwirksame Sedativa und Hypnotika lag der Wert bei 1,43 (1,13–1,82), für kurzwirksame bei 1,39 (1,07–1,55).

Antidepressiva wiesen eine OR von 1,55 (1,33–1,81) auf, während Polypharmazie mit einer OR von 1,64 (1,24–2,12) assoziiert war. Die Unterschiede zwischen den Antipsychotika-Typen und den Wirkdauern der Sedativa fielen statistisch nicht signifikant aus. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, weisen die Ergebnisse Zusammenhänge nach, jedoch keine gesicherte Kausalität.

Belastungen und Risiken im häuslichen Umfeld

Auch in der häuslichen Pflege ist die Arzneimitteltherapie fehleranfällig. Eine Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter 1.012 pflegenden Angehörigen im Alter von 40 bis 85 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten mindestens wöchentlich pflegen (Fehlertoleranz ±3 Prozentpunkte), zeigt, dass 59 Prozent der Pflegebedürftigen dauerhaft mindestens fünf Arzneimittel einnehmen.

Die Hälfte der befragten Angehörigen berichtete von einer falschen oder unterlassenen Anwendung innerhalb der vergangenen sechs Monate; bei 19 Prozent geschah dies wiederholt. 26 Prozent meldeten mehrfache Probleme mit abgelaufenen oder unauffindbaren Präparaten oder fehlenden Rezepten.

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Zudem berichteten 36 Prozent von mindestens einem Sturz mit Verletzung innerhalb der vergangenen 12 Monate, 51 Prozent von einer Krankenhausbehandlung im Jahresverlauf und 36 Prozent von einer ungeplanten Notfallaufnahme. Einen Kausalitätsnachweis zwischen den Medikamentenproblemen und diesen Ereignissen liefert die Befragung allerdings nicht.

Die Versorgung belastet das Umfeld erheblich: 53 Prozent der Angehörigen fühlen sich psychisch und 38 Prozent körperlich belastet; bei Demenz steigen die Werte auf 71 Prozent beziehungsweise 47 Prozent.

Insgesamt unterstützen 62 Prozent bei Medikamenten und 47 Prozent bei der körpernahen Pflege, wobei 36 Prozent mindestens eine dieser Aufgaben schwerfällt.

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