Sturzprävention: Trainingsprogramme senken die Sturzrate um 23 Prozent
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:29 Uhr | Redaktion boerse-global.deStürze im Alter stellen Gesundheitssysteme weltweit vor erhebliche Herausforderungen, da jährlich mehr als ein Viertel der Erwachsenen ab 65 Jahren stürzt. Eine Untersuchung der Organisation Kaiser Permanente in Colorado, die im Journal of the American Geriatrics Society erschien, liefert neue Einblicke in das Potenzial digitaler Anwendungen zur Sturzvermeidung.
Die Forschenden analysierten die elektronischen Gesundheitsakten aus den Jahren 2018 bis 2024 und verglichen über 3.700 Nutzer einer Balance-Trainings-App für Mitglieder ab 60 Jahren mit einer Kontrollgruppe von über 114.000 Nicht-Nutzern.
Die Auswertung ergab, dass ältere Personen mit vorangegangenen Sturzverletzungen, die sich für die App registrierten, im darauffolgenden Jahr weniger schwere sturzbedingte Verletzungen erlitten. Der größte präventive Effekt zeigte sich bei Personen, die zuvor kein regelmäßiges Trainingsprogramm absolviert hatten. Bei Seniorinnen und Senioren, die bereits regelmäßig trainierten, stellte die Untersuchung hingegen keinen zusätzlichen Nutzen fest.
Breitere Studienlage zu körperlichem Training
Die Befunde zur Wirksamkeit gezielter Bewegungsangebote decken sich mit einer umfassenden Übersichtsarbeit. Ein Umbrella-Review im Fachjournal BMC Geriatrics unter der Leitung von Qiuping Huang analysierte 28 systematische Reviews mit Meta-Analysen randomisierter Studien zu Erwachsenen ab 60 Jahren. Untersucht wurden die Effekte von Bewegung, Ernährung sowie kombinierten Programmen.
Ein in der Arbeit berücksichtigter Cochrane-Review zeigte, dass Trainingsprogramme bei selbstständig in der Gemeinde lebenden Älteren die Sturzrate im Vergleich zu Kontrollgruppen um 23 Prozent verringerten.
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Das Risiko für mindestens einen Sturz sank um 15 Prozent, während das Frakturrisiko um 27 Prozent niedriger ausfiel, wobei dieser Wert auf einer weniger präzisen Schätzung beruht. In Bezug auf Ernährungsinterventionen hielt das Autorenteam fest, dass Proteingaben die Muskelmasse, etwa bei Sarkopenie, moderat erhöhen können.
Die Effekte einer alleinigen Nahrungsergänzung auf Gehgeschwindigkeit und körperliche Funktion blieben uneinheitlich. Methodisch wurden 18 der 28 erfassten Übersichtsarbeiten als niedrig oder kritisch niedrig eingestuft, während zehn Arbeiten moderat oder hoch bewertet wurden.
Hohe Folgekosten treiben technologische Initiativen
Die ökonomischen Belastungen durch Stürze sind beträchtlich. Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums HHS sind Stürze die häufigste Verletzungsursache bei Personen ab 65 Jahren; nicht-tödliche Stürze verursachen in den USA schätzungsweise 80 Milliarden US-Dollar an jährlichen Gesundheitsausgaben.
Vor diesem Hintergrund fördert das Ministerium drei Sturzpräventionsinitiativen mit bis zu 27,8 Millionen US-Dollar über eine Laufzeit von drei Jahren, vorbehaltlich der Mittelverfügbarkeit. Zu den geförderten Trägern gehören unter anderem das National Council on Aging sowie mehrere staatliche Gesundheitsprogramme.
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Parallel zu Trainings-Apps werden digitale Assistenzsysteme auch stationär und in der Rehabilitation erprobt. In der italienischen Pflegeeinrichtung Residenza Rosa Zalivani in Treviso kommt seit 2023 das KI-System Ancelia zum Einsatz, das bei 32 Bewohnern Bewegungsabläufe optisch virtualisiert.
Das System meldet Gleichgewichtsverlust oder das Abrutschen im Bett an das Pflegepersonal, was laut Projektkoordinator Oscar Zanutto zu einem Rückgang der Stürze um 20 Prozent führte, insbesondere zur Nachtzeit.
Im Rehabilitationsbereich meldete das Schweizer Unternehmen Mindmaze nach einer Auswertung von 177 Reha-Verläufen bei 172 Erwachsenen mit neurologischen Erkrankungen, dass eine häusliche Therapie mit der Plattform Mindmotion Go den gesamten motorischen Trainingsumfang gegenüber der üblichen ambulanten Versorgung verdreifachen konnte.
