Sturzprävention, Training

Sturzprävention: Training senkt Stürze bei Älteren um 34 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen Vorteile von Kraft- und Gleichgewichtstraining; lokale Kurse bieten Älteren vielfältige Möglichkeiten für regelmäßige Bewegung.

Bewegung im Alter: Krafttraining und Balance beugen Stürzen vor
Symbolbild: Parkbank unter einem blühenden Baum Illustration mit AI erstellt.

Bewegung gilt als einer der wirksamsten Hebel, um Gesundheit und Mobilität im höheren Lebensalter zu erhalten. Experten, Fachgesellschaften und lokale Seniorenbeiräte werben derzeit gleichermaßen für gezielte körperliche Aktivität – von speziellen Kraftübungen über Tanzangebote bis hin zu Sturzprävention. Die Empfehlungen reichen von wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten bis zu konkreten Kursangeboten vor Ort.

Sturzprävention als zentrales Thema

Anlässlich des Tags der älteren Menschen am 1. Oktober warnt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) laut einem Bericht vom 23. September 2026 vor der herbstlichen Sturzgefahr: Nasses Laub wirke wie Schmierseife und erhöhe das Risiko erheblich.

DGOU-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand weist darauf hin, dass bereits ein Sturz aus dem Stand einen Oberschenkelhalsbruch oder schwere Kopfverletzungen verursachen kann.

Die Fachgesellschaft nennt fünf Tipps: Bewegung mit Kraft- und Gleichgewichtstraining, ausreichend Licht und Halt im Wohnumfeld, sichere Schuhe, regelmäßige Sehkraft- und Medikamentenchecks sowie erhöhte Aufmerksamkeit im Freien.

Zahlen des TraumaRegisters DGU untermauern die Dringlichkeit: Demnach werden jährlich rund 25.000 schwer verletzte Unfallopfer erfasst, wobei Stürze aus niedriger Höhe bei über 80-Jährigen die häufigste Ursache schwerer Verletzungen darstellen.

Ein Cochrane-Review mit Literatursuche bis zum 2. Mai 2018 zeigte, dass mehrkomponentiges Training mit Balance- und Kraftanteilen die Sturzrate bei zu Hause lebenden Älteren um 34 Prozent senkt und die Zahl der Personen mit mindestens einem Sturz um 22 Prozent reduziert.

Ein weiterer Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 fand, dass die Beseitigung von Gefahren im Wohnumfeld Stürze bei Menschen mit erhöhtem Risiko um 38 Prozent senken kann. Auch die britische NICE-Leitlinie empfiehlt Bewegungsprogramme, eine Prüfung des Wohnumfelds, Medikationschecks und Augenarztbesuche.

Knochendichte und Krafttraining im Fokus der Wissenschaft

Eine Studie der Nanjing University, veröffentlicht im BMJ, wertete Daten aus 124 Einzelstudien mit über 18.000 Erwachsenen ab 40 Jahren aus. Die beste Wirkung auf die Knochendichte zeigten demnach zügiges Gehen und Joggen sowie die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining.

Der optimale Nutzen für den Knochenaufbau liege ab einem Schwellenwert von rund 600 MET-Minuten pro Woche, was etwa zwei bis drei Stunden zügigem Spazierengehen oder leichtem Joggen entspricht.

Mind-Body-Übungen wie Tai-Chi und Yoga erhöhten die Knochendichte laut der Studie nur mäßig, senkten aber das Frakturrisiko um 42 Prozent. Die Knochenmasse erreiche ihr Maximum bis etwa zum 30. Lebensjahr und baue danach langsam ab.

Zahlen der AOK zeigen, dass die Muskelkraft ab etwa 30 Jahren allmählich abnimmt, ab 50 Jahren deutlicher – zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr gehen demnach etwa 8 Prozent der Muskelmasse verloren. Die Barmer verweist darauf, dass Frauen mit regelmäßigem Krafttraining ein 30 Prozent geringeres Risiko hatten, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

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Personaltrainer Álvaro Puche rät laut Telva Menschen ab 60 Jahren zu gezieltem Krafttraining statt bloßer Spaziergänge: Ein 20-minütiger Spaziergang reiche ab diesem Alter nicht aus. Er empfiehlt vier kurze Übungen dreimal wöchentlich mit einer Gesamtdauer von drei bis vier Minuten, etwa Stuhl-Kniebeugen oder Liegestütze an der Küchenarbeitsplatte.

Praktikable Übungen für zu Hause

Verschiedene Trainer setzen auf niedrigschwellige Angebote. Personal Trainer Tyler Read empfiehlt vier Bettübungen für Menschen ab 50 Jahren, die Rumpf, Rücken und Hüfte stärken sollen, darunter Fersenrutschen im Liegen und Glute Bridges mit Rumpfspannung – täglich oder mindestens vier- bis fünfmal pro Woche für zehn bis 15 Minuten.

Gewichtheber-Coach Nick Parkes von Virgin Active stellt laut Tom’s Guide fünf funktionelle Kraftübungen vor, etwa Kniebeugen mit Streckung oder einseitiges Tragen einer Kurzhantel, nach dem Grundsatz, dass Bewegung vor Intensität stehe. Personal Trainerin Holly Fivian empfiehlt ein zehnminütiges Ganzkörper-Workout ohne Geräte aus fünf Übungen wie Kniebeugen, Liegestütze und Plank Shoulder Taps.

Auch Stuhl-Übungen gewinnen an Bedeutung: Für Trizeps, Schultern und oberen Rücken werden vier Varianten empfohlen, die zwei- bis dreimal pro Woche ausgeführt werden sollen. Klassische Trizeps-Dips gelten dagegen laut Fachmedien als belastend für Schulter- und Ellbogengelenke.

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Für Menschen mit Rheuma, Arthrose oder Gicht bietet sich zudem Yoga auf dem Stuhl an, das als zertifizierter Präventionskurs von Krankenkassen erstattet wird und sanfte Übungen im Sitzen kombiniert mit Atem- und Entspannungstechniken umfasst.

Neue Trends: Kurzintervalle und Walking-Regeln

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit 27 Studien und 970 Teilnehmern untersuchte das sogenannte „Exercise Snacking“ – kurze Übungseinheiten von fünf bis zehn Minuten, über den Tag verteilt statt langer Workouts.

Die Analyse fand positive Effekte auf kardiorespiratorische Fitness, Blutdruck und Stoffwechselparameter, jedoch keinen eindeutigen Effekt auf das Körpergewicht. Der größte Vorteil liege in der niedrigen Einstiegshürde, für Muskelaufbau oder deutliche Gewichtsabnahme reiche dieser Ansatz allein jedoch nicht aus.

Parallel verbreitet sich in sozialen Medien die sogenannte „6-6-6“-Walking-Regel: sechs Minuten Aufwärmen, 60 Minuten zügiges Gehen und sechs Minuten Cool-down.

Ursprünglich für sechs Uhr morgens oder 18 Uhr abends gedacht, gilt inzwischen die Regelmäßigkeit als entscheidender als der genaue Zeitpunkt. Drei solcher Einheiten pro Woche übertreffen die häufig empfohlenen 150 Minuten moderater Bewegung, ersetzen laut Experten aber kein Krafttraining.

Lokale Initiativen und Angebote

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen entstehen vielerorts konkrete Bewegungsangebote für Ältere. In Südtirol sind derzeit 67 aktive Seniorenbeiräte tätig, gestützt auf das Landesgesetz für aktives Altern.

Seniorenlandesrätin Rosmarie Pamer lud zu einem Vernetzungstreffen in Bozen ein, bei dem unter anderem Projekte wie „Senioren online“, eine Seniorenmesse sowie Bewegungsangebote vorgestellt wurden; ein Dreijahresplan für aktives Altern für die Jahre 2026 bis 2028 liegt bereits vor.

In Bad Wörishofen widmete sich ein Bewegungskongress der Sebastian-Kneipp-Akademie mit 24 Workshops Alltagstipps für Fitness, etwa einer speziellen Gehtechnik und Neuroathletik-Übungen.

Die Volkshochschule Wetterau bietet ab dem 6. Oktober 2026 den Kurs „Dance for Health“ in Friedberg an, der Übergewicht und Stress entgegenwirken sowie Gehirn und Herz schützen soll. Der Seniorenbeirat Stadtbergen lädt am 29. September zu internationalen Tänzen ein, für die kein Tanzpartner nötig ist.

Im DRK-Seniorenzentrum Heilig Geist wurde anlässlich des Welt-Alzheimertags eine Bewegungsrallye mit Wurf-, Ziel- und Gedächtnisübungen durchgeführt – laut Angaben der Leitung der Sozialen Betreuung soll dabei vor allem der Spaß am Tun im Vordergrund stehen. In Deutschland leben nach Angaben zum Welt-Alzheimertag rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Die Vielzahl der Angebote und Studien zeigt: Ob Krafttraining, Tanz, Walking oder Stuhl-Yoga – Fachleute sind sich einig, dass regelmäßige, an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasste Bewegung ein zentraler Baustein bleibt, um Mobilität, Muskelmasse und Knochendichte im Alter zu erhalten und Stürzen vorzubeugen.

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