Sturzprävention: Kostenlose Tests für Menschen ab 65 in zwei Gemeinden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stürze gehören zu den häufigsten Ursachen für schwere Verletzungen im höheren Lebensalter. Zahlreiche Kommunen, Initiativen und Fachorganisationen reagieren darauf mit kostenlosen Screening-Angeboten, Testtagen und Aufklärungsaktionen, die noch bis Anfang Oktober stattfinden. Sie sollen Sturzrisiken frühzeitig erkennbar machen und Ängste nach bereits erlebten Stürzen abbauen.
Screening-Angebote in Kommunen
In Best bietet die Gemeinde zusammen mit Tuurlijk Best am 1. Oktober 2026 eine kostenlose Sturzrisiko-Screeningveranstaltung für selbstständig lebende Menschen ab 65 Jahren aus mehreren Wohngebieten an. Die Untersuchungen finden im Prinsenhof in der Hoofdstraat 43 in Zeitfenstern zwischen 12:30 und 18:00 Uhr mit zugewiesenem Termin statt; Interessierte müssen sich vorab anmelden und ihre Medikamentenliste mitbringen.
In Den Bosch bietet die Initiative „Ik sta sterk brigade“ am 30. September 2026 im Einkaufszentrum Helftheuvel Passage Balance-Tests für Menschen ab 65 Jahren an, ergänzt um ein kurzes Workout. Beide Veranstaltungen fallen in die niederländische Landelijke Valpreventieweek, die bis zum 4. Oktober 2026 läuft.
Warum das Thema an Dringlichkeit gewinnt
Hintergrund der Aktionswoche sind Zahlen von VeiligheidNL: Demnach landeten in den Niederlanden 2025 schätzungsweise 124.000 Menschen ab 65 Jahren nach einem Sturz im Krankenhaus – rund 5.000 mehr als im Vorjahr.
Bei 78 Prozent der Sturzvorfälle habe ernstes Verletzungsleiden vorgelegen. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Sturzunfälle mit ernstem Letsel um 16 Prozent gestiegen, unter den 65- bis 74-Jährigen sogar um 18 Prozent. Jährlich stürze etwa eine Million Niederländer ab 65 Jahren – ein Drittel dieser Altersgruppe –, unter über 85-Jährigen mindestens 60 Prozent.
Gleichzeitig erfüllten 2025 nur 41,1 Prozent der über 65-Jährigen die Bewegungsrichtlinien. VeiligheidNL empfiehlt daher ab 65 Jahren einen Sturzrisiko-Test sowie Kraft- und Balancetraining. Seit 2023 erfassen niederländische Gemeinden über die sogenannte Ketenaanpak Valpreventie Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko systematisch und verweisen sie bei Bedarf an weiterführende Angebote.
Wer das eigene Sturzrisiko senken möchte, sollte die stabilisierende Muskulatur gezielt kräftigen. Dieser kostenlose Ratgeber stellt 17 einfache Übungen vor, die sich mit minimalem Zeitaufwand in den Alltag integrieren lassen. 17 Übungen für mehr Stabilität jetzt kostenlos herunterladen
Umweltfaktoren und praktische Vorsorge
Auch saisonale Faktoren spielen eine Rolle: Laut der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) erhöht nasses Laub auf Gehwegen die Rutschgefahr, wobei ältere Menschen unter anderem Oberschenkelhalsbrüche und schwere Kopfverletzungen riskieren. Bewegung mit Kraft-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen könne vorbeugen.
Empfohlen werden zudem gut sitzende Schuhe mit rutschhemmenden Sohlen, beleuchtete Wege, Handläufe, ausreichend Zeit im Alltag und bei Bedarf Gehstock oder Rollator. Nach wiederholten Stürzen sollten Ursachen wie Sehprobleme oder schwindelauslösende Medikamente abgeklärt werden.
Bewegung als zentraler Hebel
Ein Wiener Rehabilitationsmediziner betonte, dass progressives Krafttraining nach der Menopause Muskelkraft und Knochenfunktion unterstützen könne; in Kombination mit Gleichgewichts- und Koordinationstraining lasse sich das Sturzrisiko senken.
Um die Sicherheit im Alltag dauerhaft zu erhalten, ist der Erhalt der Muskelkraft eine der wichtigsten Voraussetzungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie mit nur 6 gezielten Übungen effektiv gegen Muskelschwund und Gelenkbeschwerden vorgehen. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber hier sichern
Für Erwachsene werden wöchentlich 150 bis 300 Minuten Ausdaueraktivität moderater Intensität oder 75 bis 150 Minuten höherer Intensität empfohlen, ergänzt um Kräftigungsübungen für alle großen Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche. Als Einstieg gelten etwa zwei Einheiten Krafttraining à 20 bis 30 Minuten wöchentlich.
Ein japanischer Orthopäde empfahl ergänzend den täglichen einminütigen Einbeinstand. Nach einer von ihm angeführten japanischen Untersuchung setze diese Übung für die Knochengesundheit einen Reiz, der dem von 53 Minuten Gehen ähnele – wobei sich diese Angabe ausdrücklich nur auf die Knochen und nicht auf Ausdauer oder Herz-Kreislauf-Fitness bezieht.
Der Studie zufolge wirke dabei das 2,75-Fache des Körpergewichts auf den Hüftkopf. Empfohlen wird, die Übung sicherheitshalber neben Wand, Tisch oder einem stabilen Stuhl zu praktizieren und Stolperfallen vorher zu entfernen.
Die Häufung solcher Angebote in diesem Herbst verdeutlicht, dass Sturzprävention zunehmend als kombinierte Aufgabe aus individuellem Risiko-Screening, regelmäßiger Bewegung und alltagsnaher Vorsorge verstanden wird – niedrigschwellige Testtage in Gemeinden und Einkaufszentren sollen dabei den Einstieg erleichtern.
