Sturzprävention, Judo-Falltechnik

Sturzprävention: Judo-Falltechnik soll Frakturrisiko um 72 Prozent senken

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das 45-monatige SafeMove-Projekt kombiniert Risikoprüfung und Falltraining; Professorin Amy Fu beziffert die mögliche Senkung des Frakturrisikos auf 72 Prozent.

PolyU startet Hongkonger Programm mit Judo-Techniken gegen Sturzfolgen
Ein minimalistischer, heller Sportraum mit hellem Holzboden und einer ordentlich zusammengelegten Gymnastikmatte. Illustration mit AI erstellt.

Stürze zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Risiken im Alter – mit teils gravierenden Folgen für Mobilität und Lebensqualität. Die Hong Kong Polytechnic University (PolyU) setzt gemeinsam mit fünf Nichtregierungsorganisationen nun auf einen ungewöhnlichen Ansatz: Judo-Landetechniken, kombiniert mit Erkenntnissen der Fallbiomechanik, sollen älteren Menschen helfen, Stürze ohne schwere Verletzungen zu überstehen.

Ein branchenweit erstes Programm

Das sogenannte Jockey Club SafeMove Fall Management Programme ist nach Angaben der PolyU das erste seiner Art in Hongkong, das Judo-Techniken in ein strukturiertes Sturzpräventionsprogramm integriert. Die Initiative ist auf eine Laufzeit von 45 Monaten angelegt und soll rund 17.000 Menschen ab 60 Jahren erreichen. Finanziert wird das Vorhaben vom Hong Kong Jockey Club Charities Trust mit einer Fördersumme von über HK$119 Mio.

Screening, KI-Bewertung und gezieltes Training

Der Ablauf des Programms ist mehrstufig konzipiert. Teilnehmende erhalten zunächst eine Knochendichtemessung sowie eine KI-gestützte Sturzrisikobewertung. Auf Basis dieser Ergebnisse werden geeignete Personen für einen 12-wöchigen Kurs ausgewählt.

Laut Angaben des Senders TVB sind dafür Menschen ab 60 Jahren mit normaler Knochendichte und mittlerem bis hohem Sturzrisiko vorgesehen. Der Kurs selbst umfasst nach TVB-Berichten zwei Trainingseinheiten pro Woche.

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Zur Dimension des Vorhabens berichtete TVB zudem, dass insgesamt 20.000 ältere Menschen rekrutiert werden sollen, von denen 17.000 ein Screening erhalten sollen – eine Größenordnung, die den breiten Anspruch des Programms unterstreicht, nicht nur einzelne Risikogruppen, sondern einen erheblichen Teil der älteren Bevölkerung Hongkongs zu erreichen.

Ausgangslage: Hohe Sturzhäufigkeit bei Senioren

Der Hintergrund für das Programm liefert eindrückliche Zahlen: Nach Angaben der Gesundheitsbehörde Hongkongs stürzen jährlich rund 16 % der älteren Menschen in der Stadt mindestens einmal. Etwa 10 % dieser Stürze führen zu Knochenbrüchen.

Diese Statistik verdeutlicht, warum Sturzprävention im Kontext einer alternden Gesellschaft zunehmend als gesundheitspolitisches Handlungsfeld betrachtet wird – Frakturen im höheren Alter gehen häufig mit langwierigen Genesungsprozessen und Mobilitätseinbußen einher.

Biomechanik als Kernelement

Den wissenschaftlichen Kern des Programms bildet die Idee, dass nicht der Sturz selbst, sondern die Art des Aufpralls über das Verletzungsrisiko entscheidet. PolyU-Professorin Amy Fu erklärte dazu, dass die im Programm vermittelte Falltechnik das Frakturrisiko bei seitlichem Fallen um 72 % senken könne.

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Diese Zahl bildet die zentrale Begründung dafür, warum Judo-Landetechniken – die ursprünglich entwickelt wurden, um Kampfsportler beim Fallen vor Verletzungen zu schützen – auf eine völlig andere Zielgruppe übertragen werden.

Die Kombination aus medizinischer Risikobewertung, technologiegestütztem Screening und körperlichem Training markiert damit einen Ansatz, der über klassische Gleichgewichts- oder Krafttrainingsprogramme hinausgeht. Indem gezielt jene Bewegungsmuster trainiert werden, die im Moment des Sturzes selbst greifen, zielt das Programm darauf ab, die Folgen unvermeidbarer Stürze abzumildern, statt ausschließlich deren Häufigkeit zu reduzieren.

Mit seiner Laufzeit von 45 Monaten und der angestrebten Reichweite von rund 17.000 Teilnehmenden zählt das SafeMove-Programm zu den umfangreicheren Initiativen im Bereich der Altersgesundheit, die in Hongkong derzeit umgesetzt werden.

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