Sturzprävention im Alter: Mobilitätstests sollen gefährdete Menschen früh erkennen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Einrichtungen setzen zur Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen im Alter verstärkt auf multidisziplinäre Screenings. Wie aus Berichten von Ende Oktober 2026 hervorgeht, werden dabei gezielte Mobilitätstests eingesetzt – darunter Messungen der Gehgeschwindigkeit sowie standardisierte Sitz-Aufsteh-Tests.
Durch diese frühzeitigen funktionellen Untersuchungen sollen gefährdete Personen rechtzeitig identifiziert und gezielt unterstützt werden, um schwerwiegende Frakturen zu vermeiden.
Hohe Prävalenz von Osteoporose und Muskelschwund
Die Notwendigkeit solcher Screenings unterstreichen Daten, die anlässlich des Weltosteoporosetags am 20. Oktober 2026 für China veröffentlicht wurden. Demnach liegt die Osteoporoseprävalenz bei Personen ab 50 Jahren bei 19,2 Prozent. In der Altersgruppe ab 65 Jahren steigt der Anteil auf 32 Prozent, wobei Frauen mit 51,6 Prozent überproportional betroffen sind.
Bereits im Alter zwischen 40 und 49 Jahren weisen 32,9 Prozent eine verringerte Knochenmasse auf, ab einem Alter von 50 Jahren sind es 46,4 Prozent. Die Auswertungen verdeutlichen zudem, dass Osteoporose häufig gemeinsam mit Sarkopenie, dem fortschreitenden Muskelverlust, auftritt. Dieses Zusammenspiel erhöht das Sturz- und Frakturrisiko der Betroffenen deutlich.
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Vernetzung zwischen Primärversorgung und Fachabteilungen
Um Folgefrakturen nach ersten Knochenbrüchen zu verhindern, rückt die sektorübergreifende Zusammenarbeit in den Fokus. Am Weltosteoporosetag veranstaltete das Hospital Universitario Infanta Leonor in Madrid die dritte Fachtagung zu Innovationen bei Fragilitätsfrakturen, an der über 130 Fachleute in Präsenz und online teilnahmen.
Die Konferenz, organisiert von den Bereichen Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie sowie dem Fraktur-Präventionsdienst des Krankenhauses, widmete sich insbesondere der Koordination zwischen Primärversorgung und Kliniken.
Die Geschäftsführerin des spanischen Krankenhauses, Dr. Carmen Pantoja Zarza, betonte im Rahmen der Veranstaltung, dass Osteoporose 5,4 Prozent der Gesamtbevölkerung und über 22 Prozent der Frauen über 55 Jahre betreffe. Nach einer ersten erlittenen Fraktur müsse zwingend und unverzüglich gehandelt werden, um Folgeverletzungen abzuwenden.
Aufklärung durch digitale Informationsangebote
Neben der klinischen Versorgung gewinnt die Vermittlung von Basiskompetenzen an Bedeutung. Das Tallaght University Hospital brachte gemeinsam mit dem irischen Gesundheitsdienst HSE eine siebenteilige Animationsserie zur Sturzprävention auf den Weg.
Die rund einminütigen Beiträge richten sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie an das Pflegepersonal. Finanziert wurde das Projekt für ein professionelles Designteam durch das klinikinterne Komitee für Hüftfrakturen.
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Dr. Paul McElwaine, beratender Geriater am Tallaght University Hospital, erklärte, dass Stürze mit dem richtigen Wissen häufig vermeidbar seien. Sie beträfen vor allem ältere Erwachsene sowie chronisch Kranke, geschwächte Personen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Zu den gravierenden Folgen zählten neben Frakturen und Kopfverletzungen auch längere Krankenhausaufenthalte, ein dauerhaft erhöhter Pflegebedarf sowie eine anhaltende Angst vor erneuten Stürzen.
Regulatorische Rahmenbedingungen in Kliniken
Auch die Versorgungsstrukturen im stationären Bereich stehen im Fokus der Fachpolitik. In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss am 16. Oktober 2026 eine bestehende Übergangsregelung zur geriatrischen Betreuung bei hüftgelenknahen Femurfrakturen um zwei Jahre bis zum 31. Dezember 2028 verlängert; ursprünglich war die Frist bis zum 31. Dezember 2026 angesetzt.
Damit bleibt es Krankenhäusern weiterhin erlaubt, die erforderliche fachärztliche geriatrische Kompetenz über einen Konsildienst sicherzustellen, statt diese zwingend dauerhaft vor Ort vorhalten zu müssen. Die entsprechende Qualitätsrichtlinie sieht vor, dass bei einem positiven geriatrischen Screening eine tägliche Verfügbarkeit geriatrischer Facharztkompetenz gewährleistet sein muss.
