Sturzprävention im Alter: Balance- und Krafttraining senkt das Risiko um 34 Prozent
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die eigenständige Fortbewegung auf zwei Rädern gewinnt im Alter zunehmend an Bedeutung, stellt Verkehrsteilnehmer und Kommunen jedoch vor wachsende Herausforderungen. Während Bewegung die körperliche Gesundheit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter fördert, häufen sich Unfälle mit schweren Folgen.
Aktuelle Erhebungen medizinischer Fachgesellschaften und Initiativen aus der Zivilgesellschaft verdeutlichen das Zusammenspiel aus körperlicher Vorsorge und baulichen Anforderungen an den Straßenraum.
Unfallrisiken und schwere Verletzungen im Alter
Für ältere Menschen birgt die Teilnahme am Radverkehr spezifische Gefahren. Wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) im Vorfeld des Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober mitteilte, stellen Stürze aus niedriger Höhe bei Personen über 80 Jahren die häufigste Ursache für schwere Verletzungen dar. Das Traumaregister der Fachgesellschaft erfasst jährlich rund 25.000 schwer verletzte Unfallopfer.
Besonders Nässe, Dunkelheit und herabgefallenes Laub, das wie Schmierseife wirken könne, erhöhen das Sturzrisiko. DGOU-Präsident Frank Hildebrand warnte, dass älteren Betroffenen bei solchen Vorfällen vor allem Oberschenkelhalsbrüche und schwere Kopfverletzungen drohen.
Wie verletzlich ältere Radfahrende im Alltag sind, belegen auch die Unfallstatistiken: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025 entfielen 20,9 Prozent aller verunglückten Fahrrad- und Pedelecfahrenden auf die Altersgruppe ab 65 Jahren.
Prävention durch gezielte Bewegung
Gleichzeitig raten Experten davor ab, aus Angst vor Zwischenfällen auf körperliche Aktivität zu verzichten. Der Facharzt Carl Neuerburg betonte, dass eine reduzierte Bewegung das Sturzrisiko auf lange Sicht sogar steigere.
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Die Bedeutung regelmäßiger Aktivität spiegelt sich auch in europäischen Daten wider: Laut einer Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission mit 26.508 Befragten treiben über 75-Jährige lediglich zu 25 Prozent mehrmals pro Woche Sport, während aktive Fortbewegungsarten wie Gehen und Radfahren EU-weit von 24 Prozent im Jahr 2022 auf 37 Prozent zulegten.
Wissenschaftliche Übersichten belegen die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen. Eine systematische Literaturübersicht der Cochrane Collaboration mit Recherchestand bis zum 2. Mai 2018 zeigt, dass ein mehrkomponentiges Balance- und Krafttraining bei zu Hause lebenden älteren Menschen die Sturzrate um 34 Prozent senken kann.
Die Zahl der Personen mit mindestens einem Sturz verringerte sich um 22 Prozent. Eine weitere Übersicht aus dem Jahr 2023 wies nach, dass die Beseitigung von Gefahren im Wohnumfeld bei Menschen mit erhöhtem Risiko Stürze um 38 Prozent reduzieren kann.
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Ergänzend empfiehlt die Leitlinie des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) neben Bewegungsprogrammen und Umfeldprüfungen auch Sehüberprüfungen und Kontrollen der Medikation.
Forderung nach fehlerverzeihender Infrastruktur
Neben der individuellen Vorsorge rückt die Gestaltung der Verkehrsräume in den Mittelpunkt. Initiativen wie Changing Cities und das Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg fordern eine fehlerverzeihende Infrastruktur, die Fahrfehler oder Gleichgewichtsprobleme nicht unmittelbar zu folgenschweren Unfällen führen lässt.
Bei der seit Mai 2025 organisierten Berliner Fahrraddemonstration „Senior Mass“, die für den 26. September 2026 über eine rund zehn Kilometer lange Route angekündigt wurde, kritisieren die Veranstalter Verzögerungen beim Ausbau des Radnetzes.
Auch auf lokaler Ebene führt die Nutzungskonkurrenz zu Debatten: So sprach sich der Seniorenrat Ludwigshafen gegen die allgemeine Öffnung von Friedhofswegen für E-Roller, E-Bikes und Pedelecs aus, da ältere Menschen herannahende Fahrzeuge auf schmalen Wegen oft zu spät wahrnehmen könnten.
Experten empfehlen älteren Menschen bei wiederholten Stürzen eine rasche ärztliche Abklärung sowie im Alltag gut beleuchtete Wege, rutschfeste Sohlen und Hilfsmittel wie Handläufe oder Gehstöcke.
