Sturzprävention, Elektronische

Sturzprävention: Elektronische Empfehlungen senken Rate um rund 9 Prozent

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Studie zeigt: Ein digitales Präventionsprogramm senkte die dokumentierte Sturzrate, während Erkrankungen und Arzneimittel das Risiko beeinflussen.
Ein heller, leerer Flur in einer modernen medizinischen Einrichtung mit reflektierendem Holzboden und weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Stürze stellen für ältere Menschen eine der gravierendsten gesundheitlichen Gefahren dar. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Dimension des Problems: In der deutschen Langzeitstudie „Gesundheit 65+“, die im Bundesgesundheitsblatt unter Leitung von Giselle Sarganas vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht wurde, gaben bei der Basisbefragung 38,1 Prozent der ab 80-Jährigen an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal gestürzt zu sein. 24,2 Prozent berichteten sogar von zwei oder mehr Stürzen im selben Zeitraum. Die Erhebung beleuchtet detailliert, welche Vorerkrankungen und Medikamente das Risiko maßgeblich beeinflussen.

Risikofaktoren und der Einfluss von Medikamenten

Die Analyse der Studiendaten offenbart eine Reihe zentraler Risikofaktoren. Bei sturzfördernden Arzneimitteln, sogenannten Fall-Risk-Increasing Drugs (FRID), zeigte sich eine Assoziation mit einem fast doppelt so hohen Sturzrisiko (+93 Prozent).

Zu den am häufigsten eingenommenen FRID zählten Diuretika mit 37,9 Prozent, gefolgt von Opioiden mit 11,9 Prozent, Alphablockern mit 9 Prozent, Antidepressiva mit 8,8 Prozent, Antiepileptika mit 8,1 Prozent sowie gefäßerweiternden Mitteln mit 5,3 Prozent.

Neben Medikamenten tragen chronische Leiden erheblich zur Gefährdung bei. In der Untersuchung war Adipositas mit einem 2,29-fachen und Depressionen mit einem 2,17-fachen Risiko verbunden.

Mehrfacherkrankungen verdoppelten die Wahrscheinlichkeit. Sehbeeinträchtigungen gingen mit einem Anstieg um 85 Prozent einher, Harninkontinenz mit einem Plus von 79 Prozent und Gedächtnisprobleme mit einem Zuwachs von 71 Prozent.

In der adjustierten Gesamtanalyse blieben Harninkontinenz (+65 Prozent), Depressionen (+61 Prozent) und Sehbeeinträchtigungen (+41 Prozent) statistisch signifikant, während FRID mit einem Plus von 59 Prozent knapp unter der statistischen Relevanzschwelle lagen.

Klinische Forschung und Systemansätze

Die Folgen solcher Ereignisse sind gravierend. Nach Angaben des kanadischen Schlegel-UW Research Institute for Aging (RIA) verursachen Stürze etwa 85 Prozent der verletzungsbedingten Krankenhausaufenthalte bei älteren Erwachsenen. Das Institut hat unter der Leitung von Dr. Richard Hughson Kanadas erstes Falls and Syncope Research Lab eingerichtet.

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Da rund ein Viertel der sturzbedingten Notaufnahmebesuche ungeklärt bleibt, stehen dort kardiovaskuläre Ursachen wie der Blutdruckabfall beim Aufstehen sowie Gegenmaßnahmen wie Unterschenkel-Kompressionsmanschetten im Fokus. Dr. Andrew Laing erprobt mit Pflegeheimen Sicherheitsböden und Hüftprotektoren, während Dr. Lora Giangregorio Übungskonzepte für Personen mit Osteoporose entwickelt.

Dass strukturierte Interventionen im Versorgungsalltag Wirkung zeigen können, belegt eine im Fachjournal JAMA Network Open publizierte US-Studie an 11.945 Personen ab 65 Jahren in 22 Arztpraxen.

Über einen Nachbeobachtungszeitraum von 12 bis 23 Monaten führte der Einsatz eines elektronischen Systems mit Übungsempfehlungen, Informationsmaterial und Überweisungen zur Physiotherapie zu einem Rückgang der dokumentierten Sturzrate auf 19,3 pro 100 Personenjahre, verglichen mit 21,2 in der Kontrollgruppe – was einer relativen Senkung von rund 9 Prozent entspricht.

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Auch die Zahl der Stürze mit Verletzungen ging zurück, während die Mortalität unverändert blieb. Einschränkend wirkte, dass das Training nur relativ wenigen geeigneten Patienten verschrieben wurde und die Daten aus einem einzelnen Gesundheitssystem stammen.

Bewegungsempfehlungen und gezielte Maßnahmen

Experten weisen darauf hin, dass passive Maßnahmen allein nicht ausreichen. Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehen für Erwachsene wöchentlich mindestens 150 bis 300 Minuten mäßig anstrengende oder 75 bis 150 Minuten intensive aerobe Bewegung vor, kombiniert mit Muskelstärkung an mindestens zwei Tagen.

Für Menschen ab 65 Jahren empfiehlt die Organisation an drei oder mehr Tagen pro Woche vielseitige körperliche Aktivitäten mit funktionellem Gleichgewichts- und Krafttraining.

Sportwissenschaftliche Erkenntnisse stützen diesen Ansatz, da die Muskelmasse mit fortschreitendem Alter um etwa 0,5 bis 1 Prozent pro Lebensjahr abnimmt. Frühzeitiges Kraft- und Koordinationstraining sowie die Anpassung des Wohnumfelds – etwa durch den Abbau von Stolperfallen und eine verbesserte Beleuchtung – gelten daher als unverzichtbare Bausteine der Prävention.

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