Stress, Job

Stress im Job: Kohärentes Atmen senkt das Stressempfinden um 31 Prozent

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DAK-Daten zeigen mehr psychisch bedingte Ausfälle; Studien verknüpfen Arbeitsstress mit Schlafproblemen und belegen den Nutzen gezielter Erholung.

Psychische Belastung im Job: Fehlzeiten steigen, Erholung hilft
Ein modernes, minimalistisches und leeres Bürogebäude in der Abenddämmerung mit natürlichem Licht und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Der Einfluss von Führungsstilen und betrieblichen Arbeitsbedingungen auf das psychische Wohlbefinden von Beschäftigten steht zunehmend im Fokus der medialen und wissenschaftlichen Betrachtung. Aktuelle Auswertungen von Krankenkassen, Ministerien und Forschungseinrichtungen verdeutlichen, wie eng Führungsverhalten, Arbeitszeiten und gesundheitliche Ausfälle miteinander verknüpft sind.

Steigende Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitsbelastungen spiegeln sich deutlich in den Fehlzeiten wider. Laut Daten der DAK-Gesundheit, die auf rund 111.000 berufstätigen Versicherten in Schleswig-Holstein basieren, stiegen die Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 um 15 Prozent.

Die Fehltage je 100 Beschäftigte erhöhten sich in diesem Zeitraum von 187 Tagen im ersten Halbjahr 2025 auf 214 Tage im ersten Halbjahr 2026, womit psychische Leiden die häufigste Ursache für Fehlzeiten darstellten. Nach Angaben von Claudia Buengeler von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel dauert ein Ausfall wegen einer psychischen Erkrankung im Schnitt rund einen Monat.

Parallel dazu verändern sich die Arbeitszeit structures. Einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken zufolge stiegen die erfassten Verstöße gegen das Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit zwischen 2015 und 2025 um 1600 Prozent auf 98 Fälle, wobei lediglich sechs Bundesländer entsprechende Daten erfassen.

Die Zahl der Beschäftigten mit Ausnahmegenehmigung für Sonn- und Feiertagsarbeit wuchs von rund 25.000 im Jahr 2015 auf gut 51.700 im Jahr 2025. Zudem entsprechen bei den Gefährdungsbeurteilungen nur etwa 10 Prozent den gesetzlichen Anforderungen, während die gesetzliche Mindestbesichtigungsquote von 5 Prozent in allen Bundesländern unterschritten wird und meist unter 2,5 Prozent liegt.

Führungsstile und Arbeitsorganisation als Risikofaktoren

Die Gestaltung des Arbeitsumfelds wirkt sich direkt auf Leistungsfähigkeit und Belastungserleben aus. Jan Dettmers von der FernUniversität in Hagen betont, dass nach acht Arbeitsstunden die Fehlerquote exponentiell steigt und die Zahl der Arbeitsunfälle zunimmt, während die Konzentration meist schon vorher nachlässt.

Ein gesteigertes Pausenbedürfnis zeige sich insbesondere bei missbräuchlicher Führung, erlebter Ungerechtigkeit oder dauerhaft überlangen Arbeitszeiten. Dettmers empfiehlt, 45 bis 60 Minuten fokussiert zu arbeiten und anschließend eine echte Pause einzulegen.

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Auch die Vorhersehbarkeit von Leitungspersonen spielt eine Rolle. Untersuchungen zu paradoxem Führungsverhalten – basierend auf einer Erhebung mit 322 Beschäftigten in Großbritannien über drei Befragungswellen sowie einer Folgestudie mit 630 Teilnehmenden in den USA über vier Wellen – belegen differenzierte Effekte: Bei Beschäftigten mit ausgeprägter kognitiver Flexibilität und Selbstregulationsfähigkeit wurde ein solches Verhalten als berechenbarer wahrgenommen und war mit höherem Wohlbefinden assoziiert.

Bei geringer ausgeprägten Fähigkeiten wurde es hingegen als unberechenbarer empfunden, was mit geringerer Arbeitszufriedenheit, emotionaler Erschöpfung, Schlafproblemen und innerem Rückzug einherging.

Chronischer Stress und evidenzbasierte Erholungsansätze

Chronische Überlastung schlägt sich messbar auf die physische Gesundheit nieder. Eine Untersuchung der University of Edinburgh, die über ein Jahr hinweg 45 Berufstätige zwischen 50 und 66 Jahren anhand von 1900 Selbstauskünften und 5200 Tagen Handgelenkssensordaten analysierte, identifizierte Jobstress als Haupttreiber für Schlafprobleme bei älteren Beschäftigten.

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Fast 70 Prozent der Teilnehmenden litten ohne vorherige Diagnose unter klinisch signifikanten Schlafproblemen, und knapp 92 Prozent erreichten mindestens einmal die klinische Schwelle. Erkenntnisse der Universität Oslo weisen zudem darauf hin, dass Workaholismus mit chronisch erhöhtem Cortisolspiegel, gestörtem Melatoninhaushalt, erhöhtem Ruhepuls und einem geschwächten Immunsystem einhergeht.

Um dem Ressourcenabbau entgegenzuwirken, sind gezielte Gegenmaßnahmen erforderlich. Valentina Vylobkova von der Universität Zürich betont, dass Erholung regelmäßig erfolgen müsse und nicht auf Feierabend oder Urlaub verschoben werden dürfe; die Forschung rate zu 10 bis 15 Minuten Pause nach konzentrierten Phasen sowie zu klaren Wenn-Dann-Plänen für das mentale Abschalten.

An der Universität Zürich findet vom 5. bis 9. Oktober 2026 eine Mental Health Awareness Week statt, begleitet von Marina Abramovi?s Meditationskapsel bis zum 11. Oktober 2026. Forscher der Universität Oslo verweisen zudem darauf, dass feste Abkoppelungsrituale den subjektiven Nacharbeitsstress senken, und empfehlen drei feste Trainingseinheiten pro Woche.

Zudem belegt eine am 30. September 2026 vorgestellte randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie im realen Arbeitsumfeld den Nutzen von kohärentem Atmen: Mindestens fünf Minuten bei etwa fünf Atemzügen pro Minute senkten das subjektive Stressempfinden nach akuten Stressereignissen um mehr als 31 Prozent, verringerten Schläfrigkeit und steigerten den positiven Affekt.

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