Stress, Job

Stress im Job: 35 Prozent fühlen sich nach der Arbeit oft erschöpft

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WHO empfiehlt feste Routinen, Bewegung und ausreichend Schlaf; bei länger anhaltenden Beschwerden sollte Fachpersonal helfen.
Ein ruhiger, minimalistischer Büroraum in der Abenddämmerung mit weichem Licht und Schatten auf einem leeren Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Stress grundsätzlich als eine natürliche Reaktion des Organismus auf Herausforderungen. Nimmt der Druck jedoch überhand, zieht dies nach Angaben der Organisation erhebliche körperliche sowie psychische Beschwerden nach sich.

Zu den physischen Anzeichen zählen unter anderem Kopf- und Körperschmerzen, Magenverstimmungen sowie Schlafprobleme. Auf der psychischen Ebene äußert sich eine dauerhafte Überlastung häufig durch Ängste, gesteigerte Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

Burnout und Erschöpfung im beruflichen Kontext

In der Arbeitswelt besitzt anhaltende Überlastung eine besondere Relevanz. Die WHO erkennt Burnout bereits seit 2019 als ein berufsbezogenes Phänomen an, das aus chronischem Arbeitsstress resultiert. Zu einem gesunden Arbeitsalltag gehören nach Maßgabe der Weltgesundheitsorganisation ein stabiles psychisches Wohlbefinden, ein gutes Betriebsklima sowie sichere Rahmenbedingungen.

Dass berufliche Belastungen weit verbreitet sind, unterstreichen internationale Erhebungen. Laut der europäischen Telefonumfrage EWCTS 2024 gaben 35 Prozent der Befragten an, sich am Ende eines Arbeitstages oft erschöpft zu fühlen.

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Das Kroatische Institut für öffentliche Gesundheit (HZJZ) hob in diesem Zusammenhang hervor, dass Prävention neben individueller Fürsorge vor allem organisatorische Faktoren wie Arbeitslast, Rollenklarheit, Entscheidungsspielräume und betriebliche Unterstützung berücksichtigen müsse.

In Deutschland verweist auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf teils erhebliche berufsspezifische Belastungen. Laut einer Auswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 berichten etwa 37 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher von einer mengenmäßigen Überforderung.

Zwar liegt das Gemeinschaftsgefühl in diesem Berufsfeld mit 91 Prozent über dem Wert anderer Beschäftigter von 79 Prozent, zugleich bewerten jedoch 18 Prozent ihren Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht – verglichen mit 15 Prozent in der restlichen Erwerbsbevölkerung.

Zudem zeigt sich eine erhöhte Krankheitspräsenz: Erzieherinnen und Erzieher gehen im Schnitt an 16 Tagen im Jahr krank zur Arbeit, während der Vergleichswert bei 12 Tagen liegt.

Ursachenforschung und Warnsignale im Alltag

Neben strukturellen Arbeitsbedingungen wirken oft psychologische Dynamiken als Stressverstärker. Forscher wie Marc Brackett von der Yale University stellten fest, dass hinter vermeintlichem Stress mitunter Emotionen wie Neid stehen. Ständige Vergleiche bezüglich Erfolg, Aussehen oder Wohlstand schwächen das Selbstwertgefühl, während Stress, Angst und Überforderung jeweils eigene Lösungsansätze verlangen.

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Eine weltweite Studie mit 50.000 Teilnehmenden aus 92 Ländern verzeichnete zudem eine allgemeine Verschlechterung der psychischen Gesundheit, die insbesondere junge Menschen betrifft. Dabei korrelieren ein höheres Einkommen sowie eine bessere Bildung mit höherem Wohlbefinden. Auf organisatorischer Ebene schneiden hybride Arbeitsmodelle der Untersuchung zufolge besser ab als reine Fernarbeit.

Auch im medizinischen Alltag wird vor schwer erkennbaren Formen der Überarbeitung gewarnt. Dr. Susan Albers von der Cleveland Clinic thematisierte wiederholt die sogenannte Erschöpfung bei hoher Funktionsfähigkeit.

Erste Warnzeichen sind demnach ein erhöhter Aufwand für alltägliche Aufgaben, Konzentrationsprobleme, verringerte Lebensfreude, Veränderungen des Schlafs oder Appetits sowie sozialer Rückzug.

Wenn Belastungen über mehrere Wochen anhalten und Arbeit, Beziehungen oder den Schlaf beeinträchtigen, drohen körperliche Folgen wie Muskelverspannungen, Verdauungsbeschwerden, chronische Fatigue oder eine erhöhte Herzfrequenz.

Empfehlungen zur Stressbewältigung

Für den Umgang mit Überlastung empfiehlt die WHO klare Strukturen: Ein geregelter Tagesablauf, kontinuierliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der regelmäßige Austausch mit Vertrauenspersonen sowie ausreichender Schlaf fördern die Stabilisierung.

Bei anhaltenden Belastungsreaktionen oder bestehenden Vorerkrankungen wie Depressionen rät die Organisation dazu, zeitnah professionelle Hilfe durch medizinisches Fachpersonal in Anspruch zu nehmen.

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