Stille Stunde im Handel: Rewe, Edeka und Ikea reduzieren Reize am 20. Oktober
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einzelhandel setzt zunehmend auf gezielte Ruhephasen, um Barrieren im Alltag abzubauen. Am 20. Oktober 2026 findet zum dritten Mal der bundesweite Aktionstag „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“ statt.
Handelsunternehmen wie Rewe, Edeka, Ikea und weitere Anbieter beteiligen sich an der Initiative. Für einen festgelegten Zeitraum reduzieren Filialen Musik, dimmen die Beleuchtung, verzichten auf laute Durchsagen und stoppen das Einräumen von Waren.
Herausforderungen durch Reizüberflutung im Handel
Für viele Menschen stellen sensorische Reize wie helle Beleuchtung, laute Hintergrundmusik, Gerüche und Enge erhebliche Hürden dar. Der Aktionstag richtet sich gezielt an neurodivergente Gruppen, darunter Personen aus dem Autismus-Spektrum, mit ADHS, Tourette, Dyslexie, Dyskalkulie oder Hochbegabung.
Schätzungen zufolge zählen in Deutschland etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung zu diesen Gruppen. Zudem spricht das Angebot ältere Menschen sowie alle Personen an, die eine ruhige Einkaufsumgebung bevorzugen.
Welche gravierenden Belastungen mit nicht erkannten Beeinträchtigungen einhergehen können, unterstrich eine Untersuchung der Universität Cambridge aus dem Jahr 2022: Demnach wiesen zehn Prozent der durch Suizid verstorbenen Personen deutliche autistische Züge auf, ohne dass zuvor eine formelle Diagnose vorlag. Die Schirmherrschaft für den diesjährigen Aktionstag übernehmen die Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer gemeinsam mit der Lebenshilfe Limburg Diez.
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Konzept der Stillen Stunde breitet sich aus
Die Idee einer reizarmen Einkaufszeit stammt ursprünglich aus Neuseeland. Dort entwickelte Theo Hogg, ein Angestellter der Supermarktkette Countdown, das Konzept für seinen autistischen Sohn. In Deutschland wird die sogenannte Stille Stunde nun von Supermärkten, Discountern, Möbelhäusern und Baumärkten aufgegriffen.
Während der festgelegten Phasen bleibt in den teilnehmenden Filialen die Hintergrundmusik ausgeschaltet. Nicht sicherheitsrelevante Lautsprecherdurchsagen werden unterbunden, akustische Kassensignale leiser gestellt und das Einräumen sowie Sortieren von Waren ausgesetzt.
Die genauen Uhrzeiten variieren regional zwischen den Geschäften. Bei Unternehmen wie Rewe, Telekom, Denn's Biomarkt, Ikea, Globus und Edeka bieten einzelne Standorte entsprechende Ruhezeiten mittlerweile auch dauerhaft und unabhängig vom Aktionstag an.
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Regionale Umsetzungen und betriebliche Erfahrungen
Vor Ort setzen Kaufleute individuelle Maßnahmen um. Im E-Center Grunert in Aschersleben laden das örtliche Inklusionsnetzwerk und Marktchef Heiko Grunert am 20. Oktober von 10 bis 12 Uhr zur Stillen Stunde ein. Neben gedimmtem Licht, reduzierten Kassensignalen und abgeschalteter Musik wurden im Vorfeld Einkaufswagen mit Leiselaufrollen angeschafft. Die Beleuchtung lasse sich dort um etwa ein Drittel absenken.
In einem Supermarkt des Betreibers Gashi findet die ruhige Stunde jeden Mittwoch von 14:00 bis 16:00 Uhr statt. Dort werden Durchsagen und Musik gestoppt, das Licht gedimmt und die Warenverräumung unterbrochen. Auslöser für die Einführung waren Kundenrückmeldungen über zu grelles Licht und Lärm.
Der Test läuft bis Ende 2026; nach Betreiberangaben sei das Angebot insbesondere von älteren Kundinnen und Kunden positiv aufgenommen worden, zudem sei die Kundenzahl gestiegen. Auch in der Region Starnberg planen im Oktober im Rahmen der Mental Health Week drei Supermärkte entsprechende Phasen mit vermindertem Lärm und gedämpftem Licht.
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