Stille, Stunde

Stille Stunde: Ikea führt lärmfreie Öffnungszeiten ab Juni ein

29.05.2026 - 05:18:43 | boerse-global.de

Lärm in offenen Büros mindert Produktivität erheblich. Neue Konzepte und die „Stille Stunde“ bei Ikea sollen Abhilfe schaffen.

Stille Stunde: Ikea führt lärmfreie Öffnungszeiten ab Juni ein - Foto: über boerse-global.de
Stille Stunde: Ikea führt lärmfreie Öffnungszeiten ab Juni ein - Foto: über boerse-global.de

Eine Studie des Fraunhofer IAO zeigt: Schon 55 Dezibel stören 40 Prozent der Mitarbeiter. In Großraumbüros sind es sogar 70 Prozent. Die ständige akustische Ablenkung kostet täglich bis zu 86 Minuten Arbeitszeit. Zum Vergleich: Im Homeoffice liegt die Leistung um ein Fünftel höher.

Neue Konzepte gegen den Lärm

Unternehmen reagieren mit akustischen Zonen und baulichen Lösungen. Auf der Clerkenwell Design Week Mitte Mai wurde etwa das System „Konzert“ vorgestellt. Es schafft mit speziellen Paneelen, Tischen und Sitzmöbeln private Rückzugsorte in offenen Büroflächen.

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Auch die Bauwirtschaft zieht nach. Ein Gewerbekomplex in Gronau setzt auf Lehmputz-Deckenheizungen auf 1.000 Quadratmetern. Das strahlungswärmebasierte Raumklima soll das Wohlbefinden steigern. Eröffnung: Herbst 2026. In Wien entsteht bis März 2027 eine schwimmende Unternehmenszentrale – klimaneutral, in Stahl-Holz-Verbundbauweise, für 120 Mitarbeiter.

Stille Stunde bei Ikea

Ein ungewöhnlicher Ansatz kommt aus dem Einzelhandel. Ikea führt ab Juni 2026 die „Stille Stunde“ ein: Mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr gibt es keine Hintergrundmusik und keine nicht sicherheitsrelevanten Durchsagen. Auch die Lichtintensität wird reduziert. Zielgruppe: die 15 bis 20 Prozent der Deutschen mit Neurodivergenz oder sensorischen Empfindlichkeiten.

Auf dem New Work Summit in Berlin forderten Experten Ende Mai weitere Maßnahmen. Ihre Empfehlung: Besprechungen auf 45 bis 50 Minuten begrenzen, Methoden wie das WOOP-Prinzip anwenden. Führungskräfte sollen als Vorbilder eine gesunde Arbeitskultur etablieren.

Das Forschungsprojekt AmiChro der Uni Köln bestätigt: Bei chronischen Erkrankungen entscheiden Arbeitsbedingungen und Unterstützung durch Vorgesetzte maßgeblich über die Frage „Arbeiten oder krankmelden?“.

Smartphones senken kognitive Leistung

Die digitale Ablenkung verschärft das Problem. Ein Neurowissenschaftler warnte Anfang 2026 vor dem US-Senat: Die Gen Z zeigt bei Aufmerksamkeit und Gedächtnis die ersten Rückschritte seit 1945. Ursache sei der massive Einsatz digitaler Bildungstechnologie. Eine Meta-Analyse der Uni Augsburg belegt: Bereits die bloße Anwesenheit eines Smartphones reduziert die kognitive Leistung.

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Die Politik diskutiert parallel über flexible Arbeitszeiten. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, plädiert für eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag hin zur Wochenarbeitszeit. Arbeitgeberverbände unterstützen die Pläne. Sozialverbände und Gewerkschaften warnen vor aufgeweichten Schutzstandards.

KI ersetzt menschliche Arbeit

Künstliche Intelligenz wird die Büroarbeit grundlegend verändern. Eine Mercer-Umfrage unter 1.000 CEOs zeigt: 99 Prozent erwarten, dass Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren durch KI ersetzt werden. Der Anteil reiner Mensch-Arbeit soll von 50 auf 35 Prozent sinken.

Schon jetzt sorgt die Entwicklung bei 40 Prozent der Angestellten für Jobängste, so der Global Talent Trends Report 2026. Gleichzeitig überlastet die Flut KI-generierter Fehlermeldungen die Entwicklerteams. Ein Open-Source-Entwickler berichtet von einer Verfünffachung solcher Meldungen im Vergleich zu 2024. Die Kapazitäten für die Pflege kritischer Infrastrukturen schwinden.

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